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Eishockey

Löwen Frankfurt: Die zwei Gesichter der Löwen

Der knappen Niederlage in Kassel zum DEL-2-Start folgt ein knapper Sieg bei der Heimpremiere gegen Heilbronn. Trainer Tiilikainen aber vermisst einiges bei seinen Löwen.

Frankfurt.Auf den Rängen am Ratsweg konnte die erste Siegesparty dann doch gleich mitsamt der Heimpremiere gefeiert werden, was sich die Anhänger der Frankfurter Löwen natürlich nicht entgehen ließen. Im kleinen Presseräumchen der Eissporthalle aber war Matti Tiilikainen am frühen Sonntagabend kaum in Festtagsstimmung, eher im Gegenteil. "Das wir gewonnen haben, war das einzig Gute an dem Spiel, außer der Unterstützung der Fans", hob der erzürnte Headcoach des ambitionierten Eishockey-Zweitligisten an, sein enttäuschtes Urteil über die Leistung seiner Mannschaft fasste er in wenigen Worten zusammen: "Nach dem 3:0 habe ich nur noch schreckliche Löwen gesehen." Warum die Begegnung mit dem Heilbronner Falken trotz der klaren Führung noch ganz zu kippen drohte, darüber wird zu reden sein - auch wenn dieser zweite Spieltag in der DEL 2 schließlich mit einem glücklichen 5:3 (2:0, 1:3, 2:0) doch einen Frankfurter Erfolg verzeichnete.

"Wir hätten das souveräner runterspielen müssen. So ist es der Kampf geworden, der gegen Heilbronn zu erwarten war. Aber wir haben gewonnen, das ist entscheidend", wählte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier mildere Worte, Coach Tiilikainen indes legte nach: "Das Wichtige ist, hinter das Resultat zu schauen, und da kann niemand zufrieden sein."

Dabei hatten seine Löwen anfangs den Eindruck erweckt, als wollten sie den in der für einen heißen Spätsommer-Sonntag stolzen Zahl von 5091 und offenbar in Feierlaune zum ersten Heimspiel der Runde gekommenen Zuschauern zeigen, wie stark ihre in Teilen neu formierte Mannschaft ist. Und als wollten sie sich auf gar keinen Fall noch einmal eine Party verderben lassen. So wie am Freitagabend in Kassel, als sie die knifflige Auftaktaufgabe dann doch nicht hatten lösen, das letztlich mit 2:3 verlorene Spiel aber eigentlich genauso gut hätten gewinnen können wie die alten Hessenrivalen, mindestens: Über weite Strecken waren die Löwen das bessere Team gewesen, die Huskies indes am Ende vielleicht etwas "hungriger", wie es Headcoach Tiilikainen formulierte.

Das zweite Saisonspiel gegen Heilbronn sollte insgesamt schwächer sein als das erste in Kassel, dafür wurde es gewonnen. Nach 27 Minuten schien das schon keine Frage mehr zu sein. Da hatte der neuen Verteidiger Steven Delisle gerade zum zweiten Mal getroffen, was mit seinem ersten Tor (7.), dem Powerplay-Treffer von Max Eisenmenger und der bis dahin weitgehend reifen Leistung einen eigentlich sicheren Erfolgskurs darstellte.

Warum seine Löwen danach ein derart anderes zweites Gesicht offenbarten, konnte sich auch Tiilikainen erst einmal nur in Ansätzen erklären. "Mir fällt nur ein Wort ein: Disziplin", sagte er. Plötzlich war viel zu oft der Puck weg, die Absicherung dann gleich auch, als Folge erfolgloser Ego-Trips auf der Jagd nach weiteren Toren. Dass in den verbleibenden zehn, zwölf Minuten des Mitteldrittels noch drei Gegentreffer fallen sollten, ordnete der Coach allgemeinen Haltungsfragen zu: Einstellung, Verantwortung, Teamgeist. "Erfolg geht nur über die Mannschaft. Wenn jeder nur als Torschütze auf die Anzeigetafel will, wird das nichts", erinnerte Tiilikainen.

Die Linie hatten die Löwen so verloren für diesen Tag, und hätte Patrick Klein im letzten Abschnitt nicht mehrfach prima pariert, wäre es der ganzen Begegnung auch so gegangen - der neue Goalie war auch eine positive Erscheinung, das hatte Tiilikainen in seiner ersten Aufzählung der wenigen guten Dinge vergessen. "Er hat uns gerettet", lobte er Klein hinterher.

Kein Zufall war es, dass Carter Proft den Puck zwei Minuten vor Schluss zum entscheidenden 4:3 ins Tor drückte - Max Eisenmenger und er zählten den Löwen, die am Ende wenigstens den Kampfgeist wiedergefunden hatten. Kapitän Adam Mitchell traf noch in das in letzten Ausgleichsbemühungen verwaiste Heilbronner Tor.

Das hilft schon, auch wenn Ergebnisse in der Liga, deren erste Eindrücke noch mehr Turbulenzen als in der bisweilen verrückten vergangenen Saison versprechen, so früh in der langen Hauptrunde nicht zu überzubewerten sind. Ein Null-Punkte-Wochenende gleich zum Neu-Start allerdings wäre für den Meisterschaftsanwärter vom Main nicht gerade hilfreich gewesen. Zumal am nächsten Freitagabend bereits das nächste brisante Hessen-Duell ansteht: Bei den nach ihrem überraschenden Auftaktsieg im Penaltyschießen gegen Titelfavorit Bietigheim gestern mit 3:6 in Kaubeuren unterlegenen Nachbarn vom EC Bad Nauheim in der Wetterau - traditionell übrigens ein guter Test für alle Einstellungsfragen.

Von Markus Katzenbach

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