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1000 Spiele als Referee: Hoppe über Pfiffe, Blitzeis und Kuriositäten

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Von: Holger Hess

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Benjamin Hoppe erhält aus den Händen den Stefa Ustorf, Sportlicher Leiter der Ice Tigers, ein Trikot beim Spiel in Nürnberg. Links: Maskottchen Pucki. © Red

Benjamin Hoppe hat kürzlich sein 1000. Spiel als Eishockey-Unparteischer geleitet. Hier blickt er zurück auf Pfiffe, Blitzeis, internationale Einsätze und Kuriositäten.

(hss). Südtirol, Latsch, Vinschgau-Cup. In der idyllischen Berg- und Urlaubsregion im Norden Italiens hat Benjamin Hoppe kürzlich Jubiläum gefeiert. Zum 1000. Mal hat der Eishockey-Schiedsrichter, der für die Roten Teufel Bad Nauheim, pfeift, das schwarz-weiß gestreifte Jersey von »Team Stripes« getragen.

Geboren in Fulda, aufgewachsen in Kronberg im Taunus hat Hoppe als Verteidiger selbst bis zum 16. Lebensjahr in Bad Nauheim Eishockey gespielt. »Mich interessierte schon immer das ganze Drumherum, und ich habe viel gemeckert über die Schiedsrichter-Entscheidungen«, erinnert er sich an die Zeiten, als ihn die Frage beschäftigte: »Kann ich es besser?« Um die Antwort zu finden, nahm Vater Gerhard Hoppe, einst Torwart beim VERC Lauterbach, Kontakt zum Unparteiischen-Obmann Steffen Amos auf. 2005, beim Lehrgang in Kassel, begann Hoppes zweite Laufbahn - ohne Schläger, dafür mit der Pfeife. - Für uns hat Hoppe auf die Eckpunkte seiner Unparteiischenn-Laufbahn geblickt.

Die Anfänge: »Ein Knabenspiel Frankfurt gegen Troisdorf war 2005 mein erster Einsatz im Zwei-Mann-System. In der zweiten Saison durfte ich bereits in der Senioren-Hessenliga als Linienrichter ran. Bis 2009 blieb ich im Landesverband.«

Schneller, fitter, professioneller : »Nach einem viertägigen Lehrgang in Füssen ging es als Linesman in die Oberliga, 2. Bundesliga und auf die höchste Nachwuchsebene. Dieser Abschnitt begann mit einer Ansetzung zu einem Junioren-Bundesliga-Match in Bietigheim.«

Das DEL-Debüt : »Das war am 3. September 2010 die Partie Adler Mannheim gegen EHC München. Fünf Jahre blieb ich Linienrichter in der DEL, ab 2011 im festen Gespann mit Christoffer Hurtik. Wir standen zweimal im Finale; 2014 (Ingolstadt gegen Köln) und 2015 (Mannheim gegen Ingolstadt).«

40 000 Kilometer: »Im Schnitt absolvierten wir 45 bis 50 Spiele pro Saison und legten im Auto bis zu 40 000 Kilometer zurück. Parallel zur Linienrichter-Tätigkeit kam ich von 2013 bis 2016 ins DEB-Trainee-Programm und sammelte die ersten Erfahrungen als DNL-Hauptschiedsrichter. Ab 2015 wurde ich dann ausschließlich als Hauptschiedsrichter in der DNL, Oberliga und DEL2 eingesetzt.«

Das DEL-Schiedsrichter-Debüt: »Gemeinsam mit Lars Brüggemann, dem aktuellen Leiter des DEL-Schiedsrichterwesens, fungierte ich am 16. September 2016 erstmals als DEL-Hauptschiedsrichter bei der Begegnung der Eisbären Berlin gegen die Straubing Tigers.«

Internationale Premiere: »Beim IIHF-Continental Cup 2016 in Ritten, Südtirol.«

Eine andere Welt : »Die Asian Winter Games 2017 im japanischen Sapporo. Eine Mannschaft hatte nicht genügend Ausrüstungsgegenstände und musste improvisieren.«

Propellermaschine nach Jyväskylä: »Im Januar 2018. Es war laut, alles hat gewackelt. Von Helsinki aus bin ich zum CHL-Halbfinale JYP gegen Ocelari Trinec nach Mittelfinnland geflogen. 150 Fans aus Tschechien haben ihr Team unterstützt.«

Schweiz, Schweden, Slowakei : »In den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 erhielt ich die Nominierung für das ›Referee-Exchange-Program‹ und wurde im Austausch in den drei genannten Ländern eingesetzt.«

Das Highlight : »Die U18-WM 2018 in Russland. In Tscheljabinsk und Magnitogorsk waren die Arenen sehr modern. Alle Schiedsrichter waren abgeschirmt und alles top organisiert. Aber auf den Fahrten mit dem Shuttle-Service haben wir Armut und marode Gebäude gesehen.«

Dänemark: »Eine tolle Sache war auch das Continental Cup-Halbfinale 2021 in Aalborg.«

Die DEL-Playoffs 2021: »Ich leitete die drei Duelle im Viertelfinale zwischen den Eisbären Berlin und den Iserlohn Roosters.«

Kurios: »Der zwölfminütige Videobeweis beim Klassiker Eisbären Berlin gegen Adler Mannheim im November 2017. Das Spiel wurde live bei Sport 1 übertragen. Ein Polster im Tor war falsch angebracht und verhinderte einen eventuell regulären Treffer. Gordon Schukies und ich konnten aber unsere On-Ice-Entscheidung ›kein Tor‹ nicht revidieren. Hinterher hat mein Smartphone geglüht.«

Atmosphäre: »Klar, man saugt die Stimmung in vollen Stadien auf. Das pusht. Die Pfiffe sind unser Applaus. Die Geisterspiele in der Corona-Saison waren emotional eine Katastrophe.«

Leon Draisaitl: »Ein genialer Stürmer. Bei der WM-Vorbereitungsspiel Deutschland gegen Österreich im April 2019 in Regensburg war er dabei.«

Vollsperrungen und Blitzeis: »Ja, das gab es schon. Aber ich habe noch nie eine Partie verpasst. Einmal sind mein Partner und ich aufgrund von Glätte in den Graben gerutscht. Ein polnischer Lkw-Fahrer hat uns rausgeholt, und wir kamen 15 Minuten vor Spielbeginn in Dresden an. Pünktlich zum Eröffnungs-Bully standen wir auf dem Eis.«

Team Stripes: »Wir sind die 16. DEL-Mannschaft. Unser Slogan lautet ›Safe and fair‹. Die Teams sollen das Spiel entscheiden, nicht die Unparteiischen. Wir lernen aus jeder Begegnung, schauen mit den Schiedsrichter-Coaches viele Videoclips von möglicherweise strittigen Szenen - auch in den Drittelpausen. Wir Schiedsrichter sind halt auch nur Menschen.«

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