1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Alte Pläne neu aufgerollt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

imago1004287661h_040222_4c_5
Soll Handball künftig im Rahmen der Olympischen Winterspiele ausgetragen werden? Die Debatte darüber hat neuen Schwung aufgenommen. © Imago Sportfotodienst GmbH

Handball bei Olympischen Winterspielen statt im Sommer? Am Rande der Europameisterschaft wurden angesichts der starken Belastung für die Spieler alte Pläne neu diskutiert - auch bei heimischen Trainern.

Handball neben Biathlon, Rodeln und Eiskunstlauf? DHB-Kapitän Johannes Golla sieht eine »Diskussion, die geführt werden muss«, der dänische Weltmeister-Coach Nikolaj Jacobsen spricht von einer »guten Idee« und der deutsche Verbandspräsident Andreas Michelmann sieht die Chance auf eine Entlastung der Spieler: Zum Ende der Handball-EM ist die Debatte über eine Aufnahme der Sportart ins Programm der Olympischen Winterspiele neu aufgeflammt.

»So könnte der internationale Kalender entzerrt, die Belastung der Spieler minimiert werden«, sagte DHB-Boss Michelmann dem Sportbuzzer. Hiervon könnten dann auch die HSG Wetzlar und der TV Hüttenberg profitieren.

Handball sei »ohnehin eine Herbst- und Wintersportart. WM und EM werden ohnehin bei Frauen und Männern im Dezember und Januar ausgetragen. Dazu drängt Beachhandball auch ins olympische Programm«, so Michelmann.

Michael Zehner, Trainer von Handball-A-Bezirksligist TSV Södel, sieht eine mögliche Verlegung in den Winter dagegen eher kritisch: »Ich weiß nicht wirklich, was Handball mit Wintersport zu tun hat. Das ist ja eigentlich kein Zeitfenster für diesen Sport bzw. keine Sportart für die olympischen Winterspiele.«

Die Idee von Weltpräsident Hassan Moustafa einer Verlegung des Hallenhandballs vom Sommer in den Winter ist inzwischen zehn Jahre alt, sie erhielt nun aber neuen Schwung. Profitieren könnten von einer Neueingliederung die extrem beanspruchten Profis. So sieht ein von der dänisch-deutschen Tageszeitung »Flensborg-Avis« kürzlich vorgestelltes Modell vor, dass EM oder WM im Jahr der Winterspiele wegfallen. Der übervolle Terminkalender würde zumindest ein bisschen ausgedünnt werden.

Martin Schmitt, Trainer von Frauen-Landesligist TSV Griedel, sieht hier ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Handball-Profis zu entlasten: »Ich finde es grundsätzlich eine gute Idee, wenn man an die Nationalspieler denkt, da sie ja schon sehr belastet sind und so dann auch mal einen Sommer frei hätten.«

Nationalspieler Golla und seinen Teamkollegen würde dies sehr entgegenkommen: »Ich bin ein Spieler, der gerne alle Turniere spielen will und ich genieße jeden Auftritt mit der Nationalmannschaft, aber drei Turniere in 13 Monaten waren extrem«, sagte der deutsche EM-Allstar. Der Kreisläufer der SG Flensburg/Handewitt spielte im zurückliegenden Jahr neben Meisterschaft, Pokal und Champions League im Verein auch WM, Olympische Spiele und EM mit der Nationalmannschaft. Michael Zehner sieht in der Belastung der Nationalspieler durch den vollen Terminkalender ein generelles Problem: »Die Belastung der Profis liegt aus meiner Sicht auch daran, dass die Terminkalender im Allgemeinen so vollgestopft sind und es generell so viele Turniere gibt.«

Umgesetzt werden könnte die Idee frühestens zu den Winterspielen 2030, da WM und EM bis 2028 - dem Jahr der übernächsten Sommerspiele - vergeben sind. Ab 2030 müssten der europäische Verband EHF und der Weltverband IHF alle vier Jahre im Wechsel auf ein Turnier verzichten. »Als Fan würde ich das aber auch akzeptieren, wenn mal eine WM oder EM weniger stattfinden würde«, berichtete Griedel-Coach Martin Schmitt.

Dänemarks Trainer Jacobsen hält es für »eine gute Idee, wenn man im Olympiajahr mit einem großen Turnier aussetzen würde. Die Frage ist zudem, ob man es mit dem Spielkalender auf Vereinsebene hinbekommt.« Rein technisch sei eine Verlegung machbar, sagte EHF-Präsident Michael Wiederer »Flensborg-Avis«: »Rückflüsse an die Klubs und Verbände und dementsprechend auch Spielergehälter würden von einem anderen Austragungsrhythmus allerdings beeinflusst werden.« Das würde am Ende dann bedeuten: Weniger Turniere, weniger Geld.

IMG-20220203-WA0000_0402_4c_1
Michael Zehner © Red
_1575-7121-07_040222_4c
Martin Schmitt © Timo Jaux

Auch interessant

Kommentare