1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Bälle, LK-System, kompakte Saison: Alles zum Tennis-Sommer in der Wetterau

Erstellt:

Von: Michael Nickolaus

Kommentare

_1617-7328-05_280422_4c
Tennis-Idylle: Auf der Anlage des Ober-Mörler TC wird im Sommer unter anderem in der Südwest- und der Hessenliga um Punkte und Matchgewinne gespielt. © Timo Jaux

Von der Tennis-Bundesliga bis zur Kreisliga B. Vom Profi-, über den Leistungs- bis hin zu Breitensport. Der Sommer 2022 bildet in der Wetterau das komplette Spektrum ab.

An diesem Wochenende beginnt Saison. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

?Wo kann ich als Zuschauer den besten Sport sehen?

In Bad Vilbel. Das gilt für den Damen- wie für den Herren-Bereich. Die Damen-Mannschaft, 2019 Deutscher Meister, spielt in der Bundesliga. Allein neun Top 200-Spielerinnen wurden gemeldet; an der Spitze Jelena Ostapenko, aktuell die Nummer elf der Weltrangliste. Zum ersten von nur drei Heimspielen ist am 6. Mai ab 13 Uhr Aufsteiger Vaihingen zu Gast.

Die Herren des TC Bad Vilbel sind in die drittklassige Regionalliga aufgestiegen. Das erste Heimspiel, zu Gast ist Nachbar Bad Homburg, ist für den 9. Juli terminiert.

In der Altersklasse Herren 50 (hier ist die Regionalliga die höchste Spielklasse) hat der Klub nahezu ein Abonnnement auf den deutschen Titel. Das Team um den ehemaligen Grand Slam-Sieger Paul Haarhuis spielt am 21. Mai erstmals zu Hause, gegen Baden-Baden.

?Warum beginnt die Saison so früh? Was spricht für eine geteilte Saison, was spricht für einen kompakten Sommer?

2022 wird eine kompakte Runde ausgespielt, die - sofern das Wetter mitspielt - noch vor den (vergleichsweise späten) Sommerferien enden soll. Die Meinungen, ob kompakt oder durch die Urlaubszeit unterbrochen gespielt wird, gehen auseinander; Im Verband, in den Vereinen und auch unter den Spielern.

Das Klub-Leben, die Atmosphäre, Trainer und Gastronomen auf der Anlage profitieren sicher von einer geteilten Saison. Der Verein bleibe gewissermaßen in Bewegung, sagen Befürworter. Vielerorts werden abseits der Runde die Aktivitäten stark zurückgefahren. Das Problem: Die zunehmend kürzeren Tage nach den Ferien erlauben neben mindestens zwei Regelspieltagen nicht viele Ausweichoptionen, um das oftmals straffe Wochenend-Programm auf den Anlagen durchzuziehen. Terminprobleme drohen.

Eine klare, kurze Runde dürfte eher den leistungsorientierten Vereinen, die im Aktivenbereich ihre Spieler teils aus dem Ausland anreisen lassen, in der Planung helfen. Ebenso sind die auf diesem sportlichen Level aktiven Sportler selbst an kompakten Planungen interessiert.

Der HTV hat sich eine Gruppenstärke von acht Mannschaft zur Maxime gemacht. Da aktuell aber mitunter neun Teams eine Staffel bilden, werden mehr Spieltage benötigt, und die Saison beginnt früher. Mitunter ist dies noch Folge der beiden Corona-Sommer, als sich durch fehlenden Abstieg in den oberen Spielklassen Mannschaften aufgetürmt hatten, die nun sukzessive den unteren Spielklassen zugeführt werden.

?Wie ist der Tennis-Sport durch die Corona-Sommer gekommen?

Der Kinder- und Jugendbereich hat durchaus profitiert. Das ist den Corona-Privilegien einer Individualsportart geschuldet. Im HTV konnte beispielswese im vergangenen Jahr ein Zuwachs von 6500 Mitgliedern verzeichnet werden; eine Steigerug um rund fünf Prozent. Die Zahl der Mannnschaften hat sich auf Landesebene gegenüber der Vorsaison um 65 reduziert. Im Bezirk Wiesbaden (1324 Meldungen, inklusive Nachwuchs) sind 38 Mannschaften weniger gemeldet, im Kreis Wetterau/Hochtaunus (512) treten gegenüber der Vorsaison neun Mannschaften weniger an.

?Welche Altersklasse boomt? Wo sind die Zahlen rückläufig?

Ein Negativtrend zeigt sich bei den Damen 30. Hier nimmt die Zahl der Mannschaften zunehmend ab. Berufstätigkeit, vielfach begleitend zur Mutterschaft, dürfte ein wesentlicher Faktor sein. Zuwächse verzeichnen die Damen 40. In den Klassen 50 und 60 sind die Zahlen stabil.

Bei den Herren kommt die Alterklasse 55 gut an. Das wird vor allem in der AK 60 deutlich, die vergleichsweise dünn besetzt ist, weil es Spieler in die AK 55 zieht.

?Wie hat der HTV auf die Kritik an den offiziellen Bällen aus dem Sommer 2021 reagiert?

Beschwerden über den Spielball ist man Sommer für Sommer gewohnt; allerdings nicht in der Dimension von 2021. Der Ball reagiere schwerfällig, verursache Schmerzen im Schlagarm, reagiere nicht auf Spinschläge - das waren nur einige Beispiele. Der HTV hat diese Signale aufgenommen. Neben dem inzwischen weiter entwickelten Vorjahres-Modell für Turnier-Veranstalter steht ein weiterer Ball, ein traditioneller Druckball, für die Punktrunde zur Verfügung.

?Wie kommt das LK-System an? Muss nach den Vorjahres-Erfahrungen nachjustiert werden?

Die Praxis hat gezeigt: Das neue LK-System erweckt den Eindruck von Ungerechtigkeit, gerade unter der Wenig-Spielern. Die stärkeren Spieler mit niedrigem LK-Wert können sich nur schwer verbessern. Spieler mit höherem LK-Wert sollen sich entwickeln. verbessern sich schneller. Das führt unterm Strich aber auch zu Kuriositäten, wenn ein Top-Spieler seine Einzel allesamt gewinnt, von einem Teamkollegen mit zuvor schlechterem LK-Wert aber überholt wird und deshalb im internen Ranking zurückfällt. Eine Modifizierung kann aber frühestens 2023 als neue Grundlage für die Meldeliste dienen.

?Wo sollte der Deutsche Tennis-Bund dringend handeln?

Die Regularien in den Landesverbänden sind nicht einheitlich; einer Wettspielordnung des Deutsche Tennis-Bundes zum Trotz. Ein Beispiel: Fährt ein Spieler mit der Hessenliga-Mannschaft aus der Wetterau nach Kassel und kann dort aus gesundheitlichen Gründen nicht zu seinem Einzel antreten, ist er auch im Doppel nicht spielberechtigt. Wird die gleiche Partie aber unter Regionalliga-Bedingungen ausgetragen, darf der Spieler zum Doppel antreten. Diese unterschiedlichen Regularien führen zu Verdruß und Unsicherheiten unter den Mannschaftsführern.

Auch interessant

Kommentare