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Burggymnasium-Schulsportleiter mahnt: »Gefahr des Bewegungsmangels zu erkennen«

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Von: Michael Nickolaus

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In der Halle des Burggymnasiums in Friedberg: Schulsportleiter Thorsten Brennemann. © Nicole Merz

Thorsten Brennemann, Schulsportleiter am Burggymnasium in Friedberg, spricht über Sportunterricht unter Pandemie-Bedingungen, Folgen für die Kinder und Jugendlichen und nimmt Vereine in die Pflicht

Thorsten Brennemann ist Fußball-A-Lizenz-Trainer, ehemaliger Schulsportkoordinator für den Wetteraukreis, Lehrer für Sport, Deutsch und Geschichte sowie Schulsportleiter am Burggymnasium in Friedberg. Im Interview spricht der 54-jährige Oberstudienrat über Sportunterricht unter Pandemie-Bedingungen, Folgen für die Kinder und Jugendlichen und nimmt Vereine in die Pflicht.

Thorsten Brennemann, wie haben Sie die vergangenen beiden Jahre mit Präsenz- und Distanz-Unterricht, gerade im Fach Sport, erlebt?

Natürlich favorisiere ich den Präsenz-Unterricht und bin - mit Ausnahme der Monate Dezember und Januar - eigentlich immer mit den Kursen draußen an der Luft. Distanz-Unterricht im Sport ist mehr das Vermitteln von Trainingstipps. In der Anfangsphase haben einige Kollegen noch versucht, sportliche Aufgaben zu stellen und diese per Video zu kontrollieren. Das ist aber auf Grund der Aufsichtspflicht sehr problematisch.

Wie hat Distanz-Unterricht dann ausgesehen?

Für die Leistungskurse gab es im Prinzip zwei Optionen: Video-Unterricht oder eine Aufgabenstellung, die im Anschluss schriftlich kontrolliert wurde.

Ronny Zimmermann, beim Deutschen Fußball-Bund als Vizepräsident unter anderem für Kinder- und Jugendfußball zuständig, fordert mehr Sport in der Schule. Was halten Sie von dieser Aussage?

Ich befürworte das. Eine dritte Sportstunde oder zweimal zwei Stunden in der Woche halte ich für angemessen. Adipositas wird zunehmend zum Problem. Die Ernährung ist in vielen Fällen nicht optimal. Die neuen Medien spielen zudem eine Rolle. Wir sind früher einfach nach draußen, haben uns bewegt, heute wird viel Freizeit am Handy oder der Konsole verbracht. Da ist eine Kompensation durch Sportunterricht erforderlich. Eine Doppelstunde wöchentlich ist sehr wenig.

Was ist die größte Herausforderung unter den behördlichen Einschränkungen?

Am Burggymnasium ist unter diesen Umständen die Sporthalle ein spezifisches Problem. Sie ist sehr klein und alt. Da wünschen wir uns seit längerer Zeit schon einen Neubau. Das Testen betrifft uns als Sportler meist weniger, da vor der ersten Unterrichtsstunde getestet wird.

Inwiefern geht Unterrichtszeit, beispielsweise beim Schwimmunterricht, verloren?

Für Schulen, die den Transport gewährleisten müssen, kann dies ein Problem sein, da steht oftmals weniger Zeit zur Verfügung. Das ist aber keine Problematik, die durch die Pandemie aufgekommen ist. Wir hingegen können unsere 45 Minuten gänzlich zum Schwimmen nutzen. In dieser Stelle möchte ich die Betreiber des Usa-Wellenbads loben. Die Zahl der Klassen hat sich reduziert, ein Kreisverkehr vom Einlass bis zum Auslass ist eingerichtet. Das funktioniert gut.

Wie werden Schülerinnen und Schüler nach eine Covid-Erkrankung wieder in den Sportunterricht integriert?

Grundsätzlich ist ein Freitesten erforderlich. Darüber hinaus ist eine Entscheidung individuell zu treffen. Wenn Beschwerden da sind, versuchen wir natürlich, das zu berücksichtigen. Sollte ein Schüler aus Sorge nicht am praktischen Unterricht teilnehmen wollen, werden Theorie-Aufträge erteilt. Ich persönlich hatte bislang nur einen solchen Fall.

Wie hat sich der Unterricht in der Sporthalle gestaltet? Spüren Sie mittlerweile eine Rückkehr zur Normalität?

Das größte Problem waren die Abiturprüfungen in den Leistungskursen. Eine Leichtathletikprüfung an der frischen Luft war möglich. Abstände konnten gewahrt werden, Zuschauer waren nicht zugelassen. Die Spielsportarten waren jedoch reglementiert, eine gewöhnliche Prüfung war nur in Rückschlagspielen wie beispielsweise Badminton möglich. Im Fußball oder Handball mussten die Prüfungen modifiziert werden. Doppelpässe mit anschließendem Torabschluss waren möglich; Eins-gegen-eins-Situationen haben wir weggelassen. Auch im Prüfbereich II, dem gruppentaktischen Verhalten, mussten wir Konstellationen finden, die kein unmittelbares Zweikampfverhalten entstehen lassen. Bereich III, das Zielspiel, wurde gestrichen. Hier wurde sportartspezifisch die Theorie geprüft. Natürlich ist das für die Schüler unerfreulich, die ihre praktischen Fähigkeiten zeigen wollten; möglicherweise auch, um schlechtere Theorieleistungen ausgleichen zu können.

Wie sind die Schülerinnen und Schüler mit Maske- und Abstandsregeln umgegangen?

Auf dem Burgfeld in Friedberg beispielsweise stehen Desinfektionsmittelspender. Man kann allerdings niemanden zwingen, diese zu nutzen. Grundsätzlich sind einige Schüler sensibilisiert, tragen Maske, andere wiederum nicht, sehen es als Befreiung, sich auch mal ohne Maske bewegen zu können. Das Problem sehe ich nicht auf dem Sportfeld, sondern in der Umkleidekabine. Hier lässt sich das Maskentragen nicht lückenlos kontrollieren.

Welche Folgen sehen Sie für den Sport?

Ich sehe die Vereine gefordert, noch mehr Angebote zu offerieren, wenn die Normalität wieder einkehrt. Speziell in der Mittelstufe ist es wichtig, am Ball zu bleiben. Seitens des Landessportbundes gibt es ein entsprechendes Programm Schule & Verein, das diesbezügliche Kooperationen fördert.

Machen sich zwei Jahre unter Pandemie-Bedingungen auch in den sportlichen Leistungen bemerkbar?

Ja, wenn auch im Sport nicht so extrem wie in anderen Fächern. Die allgemeine Gefahr des Bewegungsmangels ist aber zu erkennen. Wer nicht raus konnte, hat sich eher mit E-Sport an der Konsole beschäftigt.

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