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Der intelligente Puck

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liefert den Klubs der Deutschen Eishockey-Liga eine Flut an Daten. © Red

Der Spielpuck in der Deutschen Eishockey-Liga beinhaltet einen Chip und hat Bluetooth. Eine Datenflut soll Klubs und Fans begeistern.

In den 1980er-Jahren war das im deutschen Eishockey nicht unüblich - zumindest nicht bei Clubs, wenn sie finanziell heikle Zeiten erlebten: Flog ein Puck auf die Ränge, wurden die Zuschauer gebeten, ihn nicht als Souvenir zu behalten, sondern aufs Eis zurückzuwerfen. Motto: Dein Verein braucht jeden Pfennig.

Solche Szenen wiederholen sich in der Saison 2022/23 - auch an begüterten Standorten wie in München. Anlass ist aber nicht die wirtschaftliche Lage, sondern: Die Hartgummischeiben, die nun in der DEL eingesetzt werden, sind schlaue Teile und ihre Stückzahl limitiert. Der neue Puck beinhaltet einen Chip und hat Bluetooth. 100 Stück hat jedes DEL-Team bekommen, zehn muss es bei Spielen immer in einem Eimer bereithalten. Mit diesem Bestand muss eine Mannschaft durch die Saison kommen. Deswegen werden die Fans freundlich gebeten, einen gefangenen High-Tech-Puck (Wert 20 Euro) gegen einen normalen (2,50 Euro) einzutauschen - »dafür mit Unterschriften der Mannschaft«, so Christian Winkler vom EHC München. Der Sportdirektor, zeigt auf kleine weiße Schüsseln, die paarweise an der Decke der Münchner Olympia-Eishalle angebracht wurden: Sie sind die Empfangsstationen für die Signale des Chips im Puck - und der Chips, die, sechs Gramm leicht, in den Schulterschutz der Spieler eingearbeitet sind. Die DEL setzt erstmals und bei allen 15 Vereinen ein Tracking-System des finnischen Anbieters Wisehockey ein. Ziele: Gewinn sportlicher Erkenntnisse - und Unterhaltung der Fans.

Schon seit Generationen wird versucht, das Spielerlebnis aufzuwerten. Versuche, den schnellen Puck mit einem Schweif oder einem Blinklicht in Fernsehübertragungen sichtbarer zu machen, scheiterten an der mechanischen Anfälligkeit der Systeme. Vor 30 Jahren versagten diese Pucks schon, wenn sie an die Bande gedonnert wurden. Über Dekaden lehnten die Spieler Eingriffe an der Scheibe ab - sie fürchteten ein anderes Flugverhalten als das, das sie verinnerlicht hatten. Der neue Puck wird in Finnland bereits eingesetzt. »Ich habe mit Leuten dort gesprochen«, so Christian Winkler, »sie sagten, sie spürten keinen Unterschied.«

Dann auf ins Reich von »Big Data«. Binnen Sekunden kann nun ermittelt werden: Wie hart war ein Schuss, wie krachend ein Check, wie schnell der Stürmer, als er allen davonlief? Oder: Hatte der Torhüter keine freie Sicht, weil gegnerische Spieler vor ihm kreuzten? Das Eishockey wird mit Daten geflutet werden.

Münchens Coach Don Jackson ist offen für Technologie, »wenn sie neue Blickwinkel schafft, aus denen wir lernen können.« EHC-Kapitän Patrick Hager hält die zu erwartenden neuen Statistiken für »generell interessant. Sicher für die Fernsehzuschauer und die Medien, die aus den Dateien Geschichten ziehen können«. Zum Beispiel: Wenn ein Spieler einen Schuss blockt - welche Kräfte wirken da auf ihn ein? »Ob uns die Daten in der Vorbereitung aufs Spiel helfen«, da ist er noch unschlüssig. Beim EHC wird vor allem mit Videoanalysen und individualisierten Clips gearbeitet - schon recht fortschrittlich.

Für Mathias Niederberger als Torwart waren bislang Gegentorschnitt und Fangquote die wichtigsten Parameter. Er sagt: »Der Sport muss sich weiterentwickeln, aber man muss herausfinden, was sinnvoll ist und was man priorisieren muss.«

Einige Vereine setzten schon vor dem Abschluss der Liga mit der finnischen Firma Wisehockey auf Tracking. Die Augsburger Panther waren Pilotprojekt des Münchner Start-Ups Kinexon, das mit Funk-Chips jedes Training analysierte. Die erste Saison (2018/19) verlief erfolgreich. Augsburg hatte wenig Verletzungen und gewann den Präventionspreis der Berufsgenossenschaft, Der damalige Trainer Mike Stewart richtete die Belastung in den Übungseinheiten an den Bewegungsdaten aus, das Team, ein klassischer Außenseiter, erreichte Rang drei und stand in den Playoffs im Halbfinale.

Dass es nun ein System gibt, über das alle verfügen, eliminiert die individuellen Vorteile - könnte aber die Präsentation des Spiels aufwerten. Im Stadion werden die Blicke sich öfter auf die Anzeigetafeln richten. Dann aber obacht, wenn Pucks geflogen kommen.

GÜNTER KLEIN

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