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Die Eintracht und Dreieich

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Rudi Bommer kennt die Eintracht und den SC Hessen Dreieich bestens. © Imago Sportfotodienst GmbH

(op). Eintracht Frankfurt darf mit der U23 in der neuen Saison in der Fußball-Hessenliga einsteigen und wird auch auf den FV Bad Vilbel und Türk Gücü Friedberg treffen, sollte den beiden Wetterauer Clubs der Klassenerhalt gelingen. Gleichzeitig wird der SC Hessen Dreieich seine Mannschaft zurückziehen. Über die Perspektiven des SCH und der U 23 der Eintracht sprachen wir mit Rudi Bommer (64).

Der Ex-Nationalspieler hat beide Vereine schon trainiert.

Herr Bommer, Ihr Ex-Verein SC Hessen Dreieich wird seine Mannschaft aus der Hessenliga zurückziehen. Hat es Sie überrascht?

Nein. Von Anfang an war beim SC Hessen eine Kooperation mit der Eintracht angedacht. Wir sollten schon damals das Schiff in die Richtung drehen, dass die Eintracht einsteigt, das war immer die Intention von Hans Nolte. Als ich im Dezember zum letzten Mal in Dreieich war, war klar, dass bald etwas passieren würde.

Der SC Hessen ist kein normaler Verein. Ein Mann, Sponsor Hans Nolte, hat den Höhenflug ermöglicht, und jetzt den Rückzug angeordnet. Wie haben Sie den Macher des SC Hessen erlebt?

Wir haben uns jede Woche abgesprochen. Es war natürlich nicht einfach. Wir waren nicht immer einer Meinung. Aber diese Reibung hat auch Energie geschaffen, die uns nach vorne gebracht hat. Und einen Vorteil darf man bei dieser Konstellation nicht vergessen: Es gab und gibt in Dreieich kein Gremium, das alles diskutiert. Kurze Wege, schnelle Entscheidungen.

Können Sie sich in Ihrer langen Laufbahn bei einem Ihrer Vereine an eine ähnliche Konstellation erinnern?

Ja, beim MSV Duisburg war es ähnlich. Da hat der Sponsor und Boss Walter Hellmich auch alles entschieden. Und wir sind in die Bundesliga aufgestiegen. Auch bei den Eintracht-Amateuren 1994/95 war es ähnlich. Damals gab es mit Lothar Greuel einen Verantwortlichen. Und wir sind aufgestiegen. Das Gegenbeispiel war 1860 München in der 2. Liga. Da musste der Verwaltungsrat gefragt werden, der Sponsor, und noch der Oberbürgermeister Ude, weil der Löwen-Fan war.

Wäre der SC Hessen in anderer Konstellation zu retten gewesen?

Die Frage stellt sich nicht, denn ohne Hans Nolte wären sie niemals so weit gekommen. Und wir wären alle nicht in Dreieich gewesen. Das Konstrukt haben Nolte und Charly Körbel gebaut. Schade, dass die beiden sich am Ende überworfen haben.

Wie geht es mit dem SC Hessen Dreieich weiter?

Wenn die Eintracht das Stadiongelände kauft, existiert Hessen Dreieich nicht mehr. Schade darum. Aber die Intention von Hans Nolte geht damit auf.

Sie haben nicht nur mit Hessen Dreieich den Aufstieg geschafft, sondern auf Ihrer ersten Trainerstation 1994/95 auch mit der Amateurelf der Frankfurter Eintracht in die damalige Regionalliga...

Wir hatten damals bei einem Durchschnittsalter von 21 Jahren das Prinzip, das die Eintracht jetzt wieder aufleben lässt. Junge Talente trainieren im Bundesligateam und holen sich in der Nachwuchsmannschaft Spielpraxis. Bei mir waren das unter anderem Oka Nikolov, Thomas Sobotzik, Alex Schur, Matze Becker, Michael Anicic - alles später gute Bundesligaspieler.

Wie wichtig ist der Unterbau mit einer U23-Mannschaft für Profiklubs?

Sehr wichtig. Den Rückzug vor ein paar Jahren hat man nicht nur bei der Eintracht bereut. Die Beispiele SC Freiburg und Borussia Dortmund in der 3. Liga oder Bayern München sowie Mainz 05 in der Regionalliga zeigen, dass die U23-Teams ein Sprungbrett für Talente sind, die nach der Jugend noch ein, zwei Jahre brauchen. Und wenn sie es nicht im eigenen Verein schaffen, werden sie für gutes Geld verkauft.

Sie haben beste Kontakte nach Frankfurt, spielen in der Traditionself. Wie wird die Eintracht an die Hessenliga herangehen?

Sportvorstand Markus Krösche ist auf dem richtigen Weg. Man wird viele Spieler aus der eigenen U19, die ja in der Bundesliga vorne mitspielt, einbauen. Dazu kommen drei, vier gestandene Spieler. Man braucht ein gutes Gerippe mit Erfahrung. Da gibt es richtig gute Spieler in der 3. Liga oder Regionalliga. Dazu noch Talente aus dem Ausland, die Ben Manga schon in der Vergangenheit geholt hat. Plus natürlich Spieler aus dem Profikader, die sich in der U23 Spielpraxis holen.

Was wird das Ziel der Eintracht-»Zweiten« sein?

Die wollen natürlich oben mitspielen. Vielleicht gibt man nicht direkt den Aufstieg vor, obwohl man das ganz sicher im Blick hat.

Steht der Meister der Hessenliga-Saison 2022/23 schon fest?

Nein. Erst mal abwarten, in welcher Form die Runde abläuft, mit wie vielen Mannschaften, wie groß die Belastung wird. Die U19-Spieler müssen sich auch erst mal an die neue Klasse herantasten. Das wird eine Umstellung, von den tollen Leistungszentren auf so manchen Dorfsportplatz. Man sollte sich also davor hüten, das als Durchmarsch anzusehen.

Sie arbeiten als Experte für die 3. Liga beim TV-Sender MagentaSport. Wie gut würde der 3. Liga ein Verein wie Kickers Offenbach tun?

Sehr, sehr gut. Ich war zuletzt beim Derby Kaiserslautern gegen Mannheim vor 19 000 Zuschauern. Das geht nur bei Traditionsklubs. Da wären die Kickers eine absolute Bereicherung für die 3. Liga.

Sie waren ein Aufstiegsgarant, sind als einziger Trainer in Deutschland in die höchsten vier Spielklassen aufgestiegen. Aber zu einem Engagement bei ihrem Jugendverein Kickers Offenbach ist es nie gekommen. Warum?

Ich wollte schon als Spieler zurück zum OFC. Die wollten mich nicht, dann bin ich nach Aschaffenburg und zur Eintracht. Einer der besten Trainer meiner Karriere war Hermann Nuber. Er hat mir den letzten Schliff gegeben, um in der Bundesliga zu bestehen. Hart, aber fair. Auch als Coach hat es mit der Rückkehr nach Offenbach nicht geklappt. Wahrscheinlich hat man mich irgendwann auch aus den Augen verloren.

Nach ihrem Abschied in Dreieich im April 2019 haben Sie keinen Trainerposten mehr übernommen. Wird es den Trainer Bommer noch einmal geben?

Wenn, dann nur vor meiner Haustür im Rhein-Main-Gebiet. Ich werde nicht mehr umziehen. Es muss mich reizen und muss Spaß machen. Meine Aufgabe als TV-Experte erfüllt mich völlig.

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