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Diese Rockenbergerin geht für Eintracht Frankfurt auf Torejagd

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Sarah Preuss hat schon zehn Saisontore für Eintracht Frankfurt in der U17-Bundesliga erzielt. Weitere sollen folgen. © IMAGO

Fast täglich steht Sarah Preuss auf dem Platz. Die Rockenbergerin spielt Bundesliga-Fußball in der U17 von Eintracht Frankfurt. Ihr Alltag ist durchgeplant. Das geht nur mit Spaß an der Sache.

Sarah Preuss ist 16 Jahre alt und wohnt in Rockenberg. Sie führt nicht gerade das Leben eines normalen Teenagers. Ihre Passion ist der Fußball. Für die B-Juniorinnen der Frankfurter Eintracht geht sie in der Bundesliga auf Torejagd. Natürlich gibt es auch den Traum vom Profigeschäft. Und diesem Ziel ordnet die Stürmerin so einiges unter.

Nicht jedoch die Schule. Die besucht sie täglich bis 13.20 Uhr, manchmal auch bis 15.30 Uhr. Anschließend fährt die Zehntklässlerin mit dem Bus nach Hause, hilft ihrer Mutter beim Kochen oder steht mitunter auch alleine am Herd. Neben den Hausaufgaben kümmert sie sich nachmittags noch um ihren Hund und die vier Katzen. »Unter der Woche steht jeden Abend Training auf dem Programm. Von montags bis mittwochs am Brentanobad, tags darauf bin ich derzeit zum Rehatraining am Riederwald. Ansonsten findet donnerstags Yoga und Mentaltraining statt. Freitags folgt die Abschlusseinheit«, berichtet Sarah Preuss über ihr Pensum, das sie abspult, um am Wochenende im Spiel alles geben zu können. »Natürlich bleibt da wenig Freizeit, aber es ist nicht so, dass mir etwas fehlt. Ich bin gerne mit meinen Mitspielerinnen zusammen. Ich fühle mich wohl mit den anderen, wir lachen oft und haben Spaß.«

Die Eintracht führt aktuell die Südstaffel der U17-Bundesliga an, in der auch der Nachwuchs des SC Dortelweil um Punkte kämpft. Preuss kommt nach 16 Spieltagen auf zehn Saisontreffer und liegt - gleichauf mit Teamkollegin Valentina Bitterwolf - auf Platz fünf der Torjägerliste. Ihr Trainer Wolfgang Schmidt gerät ins Schwärmen, wenn er sich über die fußballerischen Fähigkeiten seiner Angreiferin auslässt. »Sarah ist wirklich eine verrückte Nudel. Sie hat grenzenloses Selbstvertrauen. Ihre Stärken sind ihre Schnelligkeit, ein Wahnsinnsschuss und auch das Kopfballspiel«, verrät der Coach, der vor über zehn Jahren auch die Männer des KSV Klein-Karben in der Verbandsliga trainiert hatte. »In einigen Situationen wirkt sie noch etwas unbeholfen wie ein Kind. Dadurch ist sie oft anfällig für Verletzungen. Aber wenn sie in diesen Momenten mehr nachdenken und nicht intuitiv handeln würde, wäre sie vielleicht nicht so gut. Sie ist zu 100 Prozent Sarah Preuss.«

Ihre Leidenschaft für den Fußball entdeckte die junge Rockenbergerin früh, sehr früh. »Eigentlich kicke ich schon, seitdem ich laufen kann«, sagt sie. Mit ihren beiden älteren Brüdern ging es im heimischen Garten vor dem Holzschober zur Sache. Mit vier Jahren meldeten sie ihre Eltern beim TuS Rockenberg an. Als Fünftklässlerin wechselte Preuss zur SG Melbach und entwickelte sich rasant weiter. Berufungen in die Regional- und Hessenauswahl ließen nicht lange auf sich warten. Auch für den DFB-Stützpunkt wurde sie schon gesichtet. Was noch fehlt: eine Einladung zur Nationalmannschaft.

2019 war es dann soweit. Beim Tag des Mädchenfußballs entdeckte die Eintracht das Talent aus der Wetterau. Nach einem Probetraining durfte sie die Schuhe offiziell für die Frankfurter schnüren. Über die Altersklassen U15 und U16 ging es in die Bundesliga-Mannschaft der B-Juniorinnen. Der erste Treffer in der Beletage beim 4:0 über den TSV Crailsheim im vergangenen August war ein ganz besonderer für die damals 15-Jährige. »Es war einfach ein toller Spielzug des Teams und ein überragendes Gefühl.« Auch das Kopfballtor beim 2:0-Erfolg in München beim FC Bayern bleibt in positiver Erinnerung.

Ungern denkt sie derweil an die Partie im Dezember gegen den VfL Sindelfingen zurück. Dabei zog sich Sarah Preuss einen Milzriss zu. Ihre Gegenspielerin hatte ihr den Ellenbogen in den Bauch gerammt. Sie lag zehn Tage im Krankenhaus, zwei davon sogar auf der Intensivstation. »Das ärgert mich, weil es einfach nur unsportlich war. Dieselbe Spielerin hat mich zwei Minuten später noch mal weggesägt«, blickt die Torjägerin zurück. Gut für sie, dass es die letzte Partie vor der Winterpause war. Beim Re-Start gegen den FC Donzdorf (3:0) war sie wieder mit dabei. Und am vergangenen Samstag hieß es am Ende 1:1 für Preuss und ihr Team gegen den FC Bayern.

Musikalische Spielvorbereitung

Da waren auch die Eltern von Sarah Preuss auf dem Sportplatz, die ihr den Fußball auf diesem Niveau ermöglichen. »Meine Eltern sind immer dabei, auch auswärts. Mein Vater steht dann mit der Trommel am Spielfeldrand«, frohlockt die glückliche Tochter. Und auch der tägliche Weg zum Training will bewältigt werden. Den erledigt meistens die Mutter. »Meine Mum ist auch meine beste Freundin«, sagt die Eintracht-Stürmerin.

Nur vor den Spielen möchte sie eher in Ruhe gelassen werden, hört dann im Auto auch schon ihre Musik und befindet sich im »Tunnel«. Auf den AirPods hat sie motivierende Lieder oder auch Songs, die ihr den gewissen Punch geben. »Erfolg ist kein Glück« von Kontra K steht derzeit hoch im Kurs. Natürlich gibt’s auch eine Playlist für die ganze Mannschaft. Alle Titel möchte sie nicht verraten. »Manche davon sind Glücksbringer für uns. Nicht, dass die den Gegnern noch Glück bringen«, erklärt Sarah Preuss mit einem Augenzwinkern. Also auch musikalisch wird nichts dem Zufall überlassen. 99 Prozent kennt die 16-Jährige nicht, nur 100. Sie sagt über sich selbst: »Es gibt nur ein Gas, und das ist Vollgas.«

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