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Dragoslav »Stepi« Stepanovic und Jürgen Sparwasser plaudern beim Kneipp-Seminar

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Von: Christoph Sommerfeld

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Sportliche Talkrunde in der Trinkkuranlage (v. l.): Achim Bädorf, Thomas Jöllenbeck, Uwe Lange, Dragoslav Stepanovic, Jürgen Sparwasser, Bernd Heynemann und Lutz Ehnert. © Christoph Sommerfeld

Das Kneipp-Seminar hatte dieses Jahr eine sportliche Note. »Lebbe geht weider« lautete ein Motto in der Trinkkuranlage in Bad Nauheim. Da durfte der Urheber dieses Satzes natürlich nicht fehlen.

Dragoslav Stepanovic genießt Kultstatus in Hessen. Er ist eine Art lebende Kunstfigur. Wer ihn nicht als ehemaligen Fußballtrainer kennt, sondern nur durch sein legendäres Bonmot »Lebbe geht weider«, hält ihn wohl eher für einen Comedian. Diese Weisheit steht seit der verpatzten Meisterschaft von Eintracht Frankfurt 1992 in Rostock für einen lockeren Umgang mit (sportlich) schlechten Nachrichten, für das Aufstehen nach dem Umfallen und damit für das positive Gegengewicht in einem eher negativen Umfeld. Und so war »Stepi« auch die schillernste Figur auf dem Podium des Konzertsaals der Trinkkuranlage am vergangenen Donnerstag. Im Rahmen des Bad Nauheimer Kneipp-Seminars hatte der Kneipp-Verein zum »Immer aktuellen Sportstudio« geladen. In Abwesenheit von Martin Guth übernahmen Dr. Lutz Ehnert und Achim Bädorf die Moderation.

Stepanovic erinnert oft unfreiwillig an den einen oder anderen Unterhaltungskünstler, dessen Worte und Gebärden den Zuhörern und Zuschauern schon das Schmunzeln ins Gesicht treiben, obwohl die Pointe noch weit entfernt ist. Mit seinem Dialekt, einer unnachahmlichen Mischung aus jugoslawisch und hessisch, ist er für jedes Event eine Bereicherung. Und so spielte sich der 74-Jährige die Bälle mit den anderen Gästen hin und her.

Heynemann plädiert für VAR-Challenge

Den ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann ließ »Stepi« wissen, dass das Eintracht-Spiel in Rostock noch mal wiederholt werden sollte - dieses mal aber mit Video Assistant Referee. Die weitere Diskussion zum VAR verlief dagegen erstaunlich seriös. »Ich habe mit dieser Regel so meine Probleme«, erklärte Heynemann. »Der Schiedsrichter auf dem Platz ist nicht mehr der Chef. Der Kölner Keller spielt die Strafraum-Polizei und diktiert quasi, was los ist.« Der Magdeburger übte nicht nur Kritik, sondern hatte auch einen Verbesserungsvorschlag zu bieten: »Ich plädiere für eine Art Challenge, wie man sie aus anderen Sportarten kennt. Der Trainer hat zum Beispiel dreimal die Möglichkeit, eine Situation noch mal vom VAR überprüfen zu lassen. Fällt die Entscheidung zu seinen Gunsten aus, behält die Mannschaft die drei Challenge-Optionen. Wenn nicht, verbleiben nur noch zwei.«

Universitäts-Professor Dr. Uwe Lange, in der Kerckhoff-Klinik für Rheumatologie und Physische Medizin verantwortlich, brach als ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter eine Lanze für die Unparteiischen. »Jeder Spieler macht Fehler, also dürfen auch die Schiedsrichter Fehler machen.«

Mit Jürgen Sparwasser hatte der Kneipp-Verein zudem den früheren Fußball-Nationalspieler der DDR schlechthin aufs Podium gebeten. Der Ex-Stürmer des 1. FC Magdeburg hatte 1974 im WM-Vorrunden-Spiel gegen die Bundesrepublik das Siegtor erzielt und damit Berühmtheit erlangt. Was die wenigsten wissen: Sparwasser lebt seit 34 Jahren in Hessen. Er flüchtete 1988. Kurz nach der Wende übernahm er das Traineramt beim SV Darmstadt 98, heute wohnt er in Dortelweil.

An das Sparwasser-Tor erinnern sich viele Westdeutsche ungern, dabei kann es durchaus als Initialzündung für das damalige Team der BRD verstanden werden. »Erst nach der Vorrunden-Niederlage ist Bernd Hölzenbein in die Mannschaft gekommen. Und sie hätten als Vorrunden-Erster in der Zwischenrunde die schwerere Gruppe bekommen«, blickte Sparwasser zurück. »Franz Beckenbauer hatte nach dem Titelgewinn gesagt: ›Gib dem Sparwasser die 23. Medaille‹«, erinnerte sich auch Ehnert.

Während seiner Trainerzeit in Darmstadt begegnete der DDR-Held auch Schiri Heynemann, der einst einen Elfmeter gegen die 98er gepfiffen hatte. Weiter vertiefen wollte das Sparwasser aber nicht und sagte nur: »Die Darmstädter wussten nicht, wo sein Auto stand.«

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