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Was läuft gut? Was läuft schlecht? So plant der EC Bad Nauheim

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Von: Michael Nickolaus

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Ehrenrunde im Colonel-Knight-Stadion: Durchschnittlich 2257 Zuschauer konnten die Roten Teufel zu ihren neun Hauptrundenspielen begrüßen. Die Zahlen bewegen sich auf dem Level der Vor-Corona-Hebrst-Monate. © Andreas Chuc

Was läuft gut? Was muss besser werden? Wo steht der EC Bad Nauheim? In der Länderspielpause der Deutschen Eishockey-Liga 2 beantworten wir hier die wichtigsten Fragen.

Die einen zieht’s nach Bayern, wo die Mehrheit der deutschen Profis im Kader der Roten Teufel ihre Wurzeln hat. Andere planen Sightseeing-Kurztrips ins benachbarte Ausland. Coach Harry Lange assistiert derweil beim Deutschland-Cup. Der Trainingsbetrieb beim EC Bad Nauheim ruht in dieser Woche, ehe am Sonntag die Vorbereitung auf die Woche mit den Spielen in Freiburg (15. November), gegen Selb (18. November) und in Regensburg (20. November) beginnt. - Die heißen Themen:

?Wo stehen die Roten Teufel, und was lassen die Eindrücke für den weiteren Saisonverlauf erwarten?

Die Roten Teufel belegen Platz fünf. Nur ein Punkt fehlt zu Rang drei. Damit ist die Mannschaft deutlich besser platziert, als dies angesichts der DEL2-unwürdigen Saison-Vorbereitung zu erwarten war. Nach einer vierwöchigen Trainings(tor)tour und deutlich weniger Eiszeiten als in der Vorbereitung üblich konnten die Teufel erst eine Woche vor dem Hauptrundenstart in Bad Nauheim auf das Eis. Der Start (vier Niederlagen, zwei Punkte) war entsprechend holprig. Den Über- und Unterzahl-Formationen fehlte die Abstimmung. Mit zwei Serien (einmal vier Spiele in Folge, einmal über fünf Partien) sind die Hessen in der Tabelle (zwischenzeitlich auf Rang vier) geklettert. Seit dem neunten Spieltag ist Bad Nauheim immer unter den Top Ten zu finden. Die Qualifikation zu den (Pre-)Playoffs hat Priorität. Kabinenintern wird die direkte Viertelfinal-Qualifikation angestrebt.

?Was lief während der 17 Hauptrunden-Spiele gut?

Das Spiel gewinnt zunehmend an Struktur und Konstanz. Die Mannschaft findet ihre Identität 2022/23. Wichtig: Der Kader scheint breit aufgestellt (auch dank der Kooperation mit Köln) und ermöglicht nahezu durchgehend eine Rotation mit vier Reihen. Aufwärtstrends sind in den Über- und Unterzahl-Quoten zu erkennen. Im Powerplay konnte die Richtlinie von 20 Prozent übertroffen werden, in Unterzahl schlägt sich der Trend statistisch noch nicht nieder.

?Was muss im weiteren Saisonverlauf besser werden?

Die Eindrücke und Tendenzen müssen sich festigen und bestätigt werden; gerade in punkto Konstanz über 60 Minuten. Zudem fehlt mitunter die Balance zwischen Vollgas-Forechecking und einer passiv-abwartenden Spielweise.

?Wer ist der Gewinner des ersten Saisonviertels, wer ist der Verlierer?

Aus der Reihe derer, die positiv überraschen, stechen zwei Namen hervor: Mick Köhler und Fabian Herrmann. Köhler, ein gelernter Stürmer, interpretiert seine Abwehrposition sehr offensiv, scheint überall auf dem Eis zu finden. Mit seiner Wucht, Dominanz und Stabilität ist er aus der Defensive nicht mehr wegzudenken. Überrascht hat der jüngste Entwicklungsschub von Fabian Herrmann. Der schmächtige Außenstürmer hat seine Chance genutzt und sich aktuell in den beiden Scoring-Reihen festgespielt. Sechs Treffer hat Herrmann bereits erzielt, so viele wie in der kompletten Vorsaison.

Einen klassischen Verlierer gibt es nicht, gewiss aber Spieler, die noch nicht das auf’s Eis bringen, was man in der Vorsaison von ihnen gesehen hatte. Das hat aber auch seine Gründe. Beispiel Kevin Schmidt. Der Verteidiger plagt sich in dieser Saison gleich mit mehreren kleinen Verletzungen herum und stand in den ersten Spielen neben sich. Jetzt, auf dem aufsteigenden Ast, wird er durch eine Knie-Operation zurückgeworfen. Der DEL2-Verteidiger der Jahres 2021/22 hat den schwächsten Plus-Minus-Wert der Mannschaft, ist als Abwehr-Chef aber unumstritten. Statistisch unauffällig spielt auch Christoph Körner, zwischenzeitlich durch eine Handverletzung gehandicapt, dann in einer Rolle, die naturgemäß mit unauffälliger Statistik einhergeht. Das Team-Gefüge profitiert aktuell vom Rollentausch Herrmann/Körner. Unauffällig und noch zu fehlerbehaftet agiert im ersten Saisonviertel Verteidiger Philipp Wachter, der die zweite Saisonhälfte der Vorsaison verletzungsbedingt verpasst hatte.

?Wie war die Einkaufspolitik? Wer hat eingeschlagen, wer nicht?

Fünf Neue haben den Kader gegenüber der Vorsaison nur geringfügig verändert. Rihards Babulis ist die neue Nummer zwei. Der 19-Jährige bestreitet seine erste Profi-Saison, deutet sein Potenzial an, wenn auch aktuell noch ohne Sieg (zwei Spiele von Beginn an). In der Verteidigung erfüllt Marius Erk die in ihn gesetzten Erwartungen; mit Verlässlichkeit, geringer Fehlerquote und dem einen oder anderen körperlichen Akzent. Vorne ist Michael Bartuli kein klassischer Neuzugang, er hat als Förderlizenzler bereits für die Roten Teufel gespielt. Bartuli spielt unerschrocken im Zweikampf, ist unbequem als Gegenspieler in der vierten Reihe und hat aus dieser Position bereits fünf Scorerpunkte verbuchen können. Spät dazu gestoßen ist David Cerny. Nach gutem ersten Eindruck blieb er als Außenstürmer unauffällig. Jetzt, als Center der vierten Reihe, ist er ein Gewinn für den Kader. Allen voran steht Tim Coffman. Der US-Amerikaner zeigte nach unauffälliger Vorbereitung, dass er dem Spiel mit Toren, Vorlagen und Erfahrung seinen Stempel aufdrücken kann.

?Wie läuft die Kooperation mit Köln?

An den Schnittstellen zu Köln sitzen mit Matthias Baldys (DEL) und Patrick Strauch (Nachwuchs) zwei Funktionäre mit Teufel-Vergangenheit. Das erleichtert die Kommunikation. Köln hat einen großen Pool an Talenten. In der Regel spielen drei Spieler fest in Bad Nauheim. Durch die außergewöhnliche Ausfallsituation in Köln (fünf Stürmer fehlten zeitgleich) hatte der DEL-Klub kürzlich seine Stürmer vorübergehend zurückbeordert.

?Was ist personell aktuell geplant?

Sollte Kevin Schmidt doch länger ausfallen, müssten die Roten Teufel reagieren. Zudem muss eine Lösung gefunden werden, sollte Rihards Babulis für die U20-WM nominiert werden. Er würde vom 12. Dezember bis 5. Januar 2023 fehlen. Natürlich hoffen die Roten Teufel, diesen Zeitraum mit Niklas Lunemann an der Seite von Felix Bick überbrücken zu können. Lunemann, im Vorjahr ein Einsatz für Bad Nauheim, ist von Köln aktuell an Oberliga-Kooperationspartner Duisburg verliehen. Viele Gespräche im größeren Kreis müssten geführt werden. Neben Babulis zählt auch Kevin Niedenz zu den U20-WM-Kandidaten.

?Wie wird personell langfristig geplant?

Mitte November, Länderspielpause - das ist die Zeit, die personellen Anker für die nächste Saison zu setzen. Einzig Taylor Vause verfügt über einen Kontrakt für die Spielzeit 2023/24. Keine Frage, Spieler wie Felix Bick, Kevin Schmidt, Patrick Seifert, Marius Erk, Mick Köhler, Fabian Herrmann, Marc El-Sayed oder auch Tobias Wörle können das Fundament für eine weitere Saison bilden und bieten sich für zeitnahe Gespräche an.

Vertraglich offen ist auch die Zukunft von Harry Lange. Dass seine Arbeit, seine Erfolge wahrgenommen und wertgeschätzt werden, zeigt aktuell seine Berufung zum Assistenztrainer der österreichischen Nationalmannschaft beim Deutschland-Cup. Den Auftrag, mit Lange die Schlüsselposition als Kaderplaner und Trainer zu besetzen, haben die Gesellschafter der Geschäftsführung erteilt.

?Wie entwickeln sich die Zuschauerzahlen?

Die Zuschauerzahlen im Profisport entwickeln sich überwiegend rückläufig. In Bad Nauheim ist dieser Trend noch nicht zu spüren. Durchschnittlich 2257 Zuschauer haben die neun Heimspiele im Colonel-Knight-Stadion gesehen; das ist vergleichbar mit Vor-Corona-Herbst-Monaten. »Wir haben eine enge und emotionale Verbindung zu unseren Fans«, sagt Andreas Ortwein, der zusammen mit Tim Talhoff die Geschäfte der Spielbetriebs GmbH führt. Durch die Nutzung vom »Vereinsheim« des Nachwuchsvereins konnten die VIP-Kapazitäten erweitert werden; auf nun rund 200 Plätze. Dreimal schon in dieser Saison waren die Roten Teufel in diesem Preissektor ausverkauft. Die laut Saison-Etat angestrebten Sponsoring-Einnahmen wurden schon jetzt - und damit außergewöhnlich früh - erreicht. »Momentan hat man den Eindruck, jeder will mit uns zu tun haben«, sagt Talhoff.

?Wer sind die Überraschungen der DEL 2, wer enttäuscht?

Kaufbeuren hatte man als Tabellenführer zur Deutschland-Cup-Pause sicher nicht auf der Rechnung. Allein zu Platz drei haben die Allgäuer ein Zehn-Punkte-Polster aufgebaut. Die Eisbären Regensburg als Aufsteiger auf Platz sieben - das war so auch nicht zu erwarten. Maßlos enttäuscht haben bislang die Bayreuth Tigers. In der Wagnerstadt wurde einmal mehr kräftig investiert und inzwischen sogar nachgebessert. Allerdings haben die Tigers nur einen einzigen »Dreier« geholt (insgesamt nur sieben Zähler). Der Rückstand zu Rang zehn beträgt schon jetzt 15 Punkte.

Individuell hat DEL2-Neuzugang Tor Immo auf sich aufmerksam machen können. Mit zwölf Treffern und 13 Assists liegt der Finne aus den Reihen der Freiburger Wölfe auf Platz zwei der Scorerwertung hinter Tyson McLellan (zwei Tore, 24 Vorlagen).

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