_20211119_ECN_BTT_018_20_4c_2
+
Die Roten Teufel haben in diesen Tagen reichlich Grund zur Freude.

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Ein DEL2-Rekord und das gewisse »Wie«

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
    schließen

Jetzt wird’s doch langsam unheimlich. Die Wetterau feiert die stärksten und erfolgreichsten Roten Teufel seit deren Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga 2 zur Saison 2013/14.

Längst Liga-Rekordhalter mit einer Serie von acht »Dreiern« aus den ersten acht Auswärtsspielen (das hatte in der DEL 2 zuvor kein anderer Klub auch nur annäherend geschafft), zuletzt sechmal hintereinander siegreich, dazu die Offensivspieler mit den individuell stärksten Statistiken in den eigenen Reihen - Tabellenführer mit großem Spaß-Faktor. »In der Vergangenheit haben wir gefühlt immer dann verloren, wenn wir den nächsten Schritt hätten gehen können. Ich kann das so sagen, denn ich war immer dabei«, sagt Harry Lange, der Chef-Trainer und -Kaderplaner beim EC Bad Nauheim, nach einer englischen Neun-Punkte-Woche (5:2 gegen Kaufbeuren, 4:2 gegen Bayreuth, 3:1 in Kassel). »Wir werden natürlich auch wieder andere Phasen erleben, aber der Eindruck aus den ersten 16 Spielen lässt erhoffen, dass sich die Mannschaft noch weiter entwickeln kann.«

Vor allem, das »Wie« gefällt Lange, dem Chef-Debütanten. »Die Jungs glauben an unser System, und sie zeigen, dass sie auch gewinnen wollen.« Ein Beispiel: Taylor Vause, der sich am Sonntag auch als Top-Scorer nicht zu schade war, einen Schlagschuss zu blocken. Der Puck, krachend von Joel Keussen abgegeben, traf den Kanadier aus wenigen Metern am Knie. Nach kurzer Behandlung konnte Vause die Partie fortsetzen. Bis zum Eistraining am Dienstagabend hofft man nun auf Entwarnung von medizinischer Seite aus. »Wenn ich alleine aus den geblockten Schüssen ein Video schneiden würde, hätte dieser Clip eine Länge von vier oder fünf Minuten«, sagt Lange.

Jedes Spiel sei eng, jedes Spiel sei nur schwer zu gewinnen. »Die Jungs sind momentan bereit, diesen hohen Preis zu zahlen.« Aber es werde auch wieder schlechtere Phasen geben, weiß der Coach aus seiner Erfahrung. Aktuell blickt die Liga allerdings mit großem Respekt in die Wetterau. »Wir können von Bad Nauheim lernen«, räumte Tim Kehler, der Trainer des Vorjahres-Finalisiten Kassel Huskies, ein

Rund 300 Fans aus Mittelhessen hatten die Mannschaft vor Ort am Auepark in Kassel unterstützt, zu Hause im VIP-Raum des Colonel-Knight-Stadion zitterten die Kommanditisten und der »Club 1946« der Spielbetriebs GmbH mit ihrer Mannschaft. Der EC Bad Nauheim hatte diese Unterstützer eingeladen, gemeinsam mit dem verletzten Andreas Pauli, mit den Markenbotschaftern Ralf Pöpel, Dieter Jehner, »Pilo« Knihs und »Tiger« Müller wurde das Derby im Livestream verfolgt. Die Stimmung unter den rund 40 Gästen war natürlich großartig. Vielleicht falle der eine oder andere Puck derzeit für die Kurstädter, vielleicht habe die Mannschaft hier und da etwas Glück, dass »hinten die Latte im Weg steht und man vorne selbst einen Konter verwandelt. Aber einen solchen Lauf, den muss man sich auch erst erarbeiten«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer. Er sieht den Augenblick als »Genugtung« für alle Mitarbeiter, Partner und Fans. »Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dies erleben zu können.«

Der GmbH-Chef zeigt mitsich mit nun zwölfjähriger Erfahrung zugleich als Realist. »Wie ich bei einer Talfahrt nicht in ein Loch falle, werde ich jetzt bei einem Höhenflug auch nicht abheben. Um unsere Ziele zu erreichen, werden wir 80 Punkte brauchen. Und was wir haben, kann uns keiner nehmen. Aber die Saison ist eben noch lang.« Weiter geht’s am Freitag mit dem Heimspiel gegen Bad Tölz.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare