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EC Bad Nauheim: Hinten kompakt, vorne schludrig

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Von: Michael Nickolaus

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Im Slot vor dem Tor kann es schon mal ungemütlich werden. Hier wird Stefan Reiter (EC Bad Nauheim) von Frankfurts Kyle Sonnenburg attackiert. © Jürgen Keßler

Chancen ja, Tore nein. Offensiv fehlt dem EC Bad Nauheim die Leichtigkeit. Dafür stehen die Roten Teufel defensiv kompakt. Am Dienstag geht’s für den Eishockey-Zweitligisten nach Bad Tölz.

Drei Punkte gewonnen, oder drei Zähler weggeworfen? Harry Lange, der Trainer des EC Bad Nauheim, spricht von »Stolz«, zugleich aber auch von »Verärgerung«. Seine Mannschaft hatte am Wochenende gegen Dresden (2:1 nach Verlängerung) und in Frankfurt (1:2 nach Verlängerung) zweimal positiv überrascht, sich aber nicht im gebührenden Maß belohnt. Vor allem das »Wie« am Sonntag beim Derby am Main schmerzte. »So dürfen wir das nicht aus der Hand geben«, sagt Lange, nachdem seine Mannschaft kurz vor Schluss bei eigener Überzahl den Ausgleich kassiert hatte und sich in der Verlängerung einen weiteren taktischen Lapsus geleistet hatte. Den Blick richtete der Coach aber schon wieder nach vorne. Am Dienstag (19.30 Uhr) spielen die Hessen in Bad Tölz - und der Rang-Siebte der Deutschen Eishockey-Liga 2 soll auf Distanz gehalten werden.

Die Ausgangslage: »Dass wir trotz der Ausfälle von drei Stamm-Verteidigern so aufgetreten sind, spricht für die Qualität der Mannschaft. Aber in Bad Tölz beginnt alles wieder bei Null, da können wir uns nicht auf dem Wochenende ausruhen«, sagt Lange. In 120 Wochenend-Minuten gegen zwei Top-Klubs hatte Bad Nauheim lediglich zwei Gegentore bekommen. »Die Jungs haben das mannschaftlich-kompakt gut gemacht.« Ein Lob gab’s für Mick Köhler, der als Verteidiger ausgeholfen hat, und Leo Hafenrichter, der erst sein sechstes Spiel bei den Profis bestritten hat und den verbliebenden Stamm-Verteidigern Pausen ermöglichte. Ein Dauerzustand darf dies allerdings nicht sein. In der Personalie Philipp Wachter gibt’s Hoffnung auf ein Comeback Ende des Monats, sofern sich der Trend bei den erforderlichen medizinischen Werten fortsetzt. Zudem halte man - wie viele andere auch - auf dem Markt die Augen offen.

Offensiv fehlt dagegen nach wie vor die Leichtigkeit, die die Mannschaft in den ersten Saisonwochen hatte. In den letzten sieben Partien erzielte Bad Nauheim nur zweimal mehr als zwei Tore. »Ja, wir müssen wieder mehr auf ein dreckiges Tor hinarbeiten, einen Treffer erzwingen wollen. An Chancen mangelt es uns nicht - wir müssen das eben auch ausnutzen.«

Diesbezüglich dürften insbesondere bei Jordan Hickmott die Ohren klingeln. Seine Bilanz aus den vergangenen nunmehr 18 Begegnungen: ein Tor und sechs Vorlagen; ein für einen Kontingentspieler bescheidenes Scoring.

Turbulente Tage in Tölz: Der Sport steht bei den Löwen aktuell im Hintergrund. Mitte der vergangenen Woche war zunächst Simon Rentel entlassen worden. Dem Pressesprecher wird - wie aus einem Bericht des Tölzer Kurier hervorgeht - vorgeworfen, Internas gesammelt und in einem 24-seitigen Dossier gespickt mit angeblichen Verfehlungen von Geschäftsführer Jürgen Rumrich bei ECT-Präsident Hubert Hörmann vorstellig geworden zu sein. »Loyalität nach außen, Kritik nach innen, das ist völlig in Ordnung. Aber seinen Chef auszuspionieren und bei mir anzuschwärzen, das geht überhaupt nicht«, wird Hörmann in dem Artikel zitiert. Am Wochenende hat sich überraschend Birgitt Breiter aus der Geschäftsstelle verabschiedet. Fünf Jahre lang hatte die Fachanwältin für Insolvenzrecht den Klub begleitet.

Sportlich gab’s am Wochenende zwei Niederlagen. Einem 2:3 nach Verlängerung in Kaufbeuren war eine 1:5-Niederlage gegen Crimmitschau gefolgt. Neu im Kader ist Pascal Aquin, der von Schlusslicht Selb nach Bad Tölz gekommen war, um dem Kader etwas mehr Tiefe zu geben. Zurück im Aufgebot sind Thomas Merl und Thomas Brandl.

Die Corona-Transfers: Die Beispiele Freiburg (vier Verteidiger, acht Stürmer beim 0:9 gegen Heilbronn) und Selb (fünf Verteidiger, sechs Stürmer beim 0:5 in Dresden) dienen als Warnung. In den Playoff- und Playdown-Serien kann ein kleiner Kader eine Mannschaft die Saison sportlich ruinieren. Frankfurt hat in der vergangenen Woche mit Brett Breitkreuz und Nathan Burns den Kader ergänzt. Die Lizenzierung von Adam Mitchell zeichnet sich ab Die Löwen müssten - wenn alle Profis fit sind - aufgrund der Ü23-Regel dann gleich mehrere Spieler auf der Tribüne sitzen lassen, wollen mit Blick auf den angestrebten Aufstieg aber kein Risiko eingehen. Ergänzt haben nun auch Wölfe Freiburg ihre Lizenzspielerliste. David Danner wurde reaktiviert, aus der eigenen Ib-Mannschaft wurden Ivan Rösch und Tobias Kunz »hochgezogen«.

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