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EC Bad Nauheim: Von Mut, Risiko und Enttäuschung

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Von: Michael Nickolaus

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Michael Bartuli (rechts, im Zweikampf mit Maximilian Söll aus Krefeld) hat zwei der sechs Wochenend-Tore der Roten Teufel erzielt. © Andreas Chuc

Der taktische Kniff vom Freitag und das Debakel vom Sonntag sind die zentralen Themen beim EC Bad Nauheim. So erklärt Trainer Harry Lange das Wochenende.

Erfrischend mutig oder doch viel zu riskant? Im Umfeld des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim war der taktische Kniff, in der Verlängerung der Partie gegen Krefeld (5:6 n.V.) den Torwart durch einen weiteren Feldspieler zu ersetzen, das zentrale Diskussions-Thema über das Wochenende; zumindest bis Sonntagabend. Da warf das Debakel der Roten Teufel in Crimmitschau eine ganz andere Frage auf. Wie konnten die Mannschaft von Harry Lange dort nur mit 1:8 untergehen? »Echt bedient« sei er, sagte der Trainer am Montagmorgen.

Klare Worte werden in erster Linie mit den Schlüsselspielern gesucht werden müssen. Die waren - bei aller Begeisterung über den Gesamt-Auftritt am Freitag gegen den DEL-Absteiger - am Sonntag nämlich nur im negativen Sinne auffällig. »Den einen oder anderen habe ich so noch nie eine Scheibe verlieren sehen«, sagt Lange angesichts der Turnover von Taylor Vause und Kevin Schmidt, die die Niederlage eingeleitet hatten. Unglücklich wirkte da auch Felix Bick, der zweimal mit freien Schüssen aus kurzer Distanz kontrontiert worden war und dann bei einem abgefälschten Puck nicht mehr reagieren konnte. »Die Jungs haben ›Bicki‹ auch nicht geholfen«, sagt Lange. Dass Crimmitschau in der Anfangsphase gefühlt mit jedem Schuss zu einem Treffer gekommen war, eigeninitiativ gar nicht viel tun musste, passte da irgendwie ins Bild.

Kevin Schmidt, in der Vorsaison zum DEL2-Verteidiger des Jahres gewählt, ist statistisch mit minus sechs (stand bei sechs Gegentreffern mehr auf dem Eis als bei Toren der eigenen Mannschaft) aus dem Wochenende gegangen. Jerry Pollastrone und Tim Coffman folgen mit minus fünf. Insbesondere der bullystarke Neuzugang kann seine Fähigkeiten noch nicht in den Dienst der Mannschaft stellen, läuft mehr nebenher, statt zu führen, hat die meisten Schüsse abgegeben, wirkt aber glücklos und ist noch ohne Scorerpunkt. Jordan Hickmott wiederum, jetzt anstelle von Tristan Keck, auf der bevorzugten Flügelstürmer-Position kann von Taylor Vause als Nebenmann nicht nocht wie erhofft profitieren, was schon am kommenden Wochenende zu einer Umstellung führen könnte.

Und so sind es die Reihen drei und vier, die positiv herausstechen. David Cerny fügte sich nach nur drei Trainingseinheiten laufstark ein, dahinter hat die vierte Formation mit Michael Bartuli (2) und Pascal Steck bezeichnenderweise aktuell die Hälfte aller Wochenend-Treffer erzielt.

Am Freitag, nach dem Krefeld-Spiel, hatte sich alles um die in Bad Nauheim zuvor nie in der Verlägerung praktizierte taktische Variante, den Torwart vom Eis zu nehmen, gedreht. Damit hatte Lange das Publikum wie auch den Gegner überrascht. »Wir hatten in den vergangenen Wochen sehr viel über diese Option gesprochen und das auch trainiert«, sagt Lange. Im Spiel Drei-gegen-drei sehe er einen Marcel Müller, den Top-Star der Krefeld Pinguine, zum einen lieber mit Defensivaufgaben beschäftigt, außerdem wolle er den Mut vorleben, den er von seiner Mannschaft fordere. Und schließlich habe die Bilanz im Penaltyschießen während der Vorbereitung (nur ein Tor bei sechs Versuchen) eine Rolle bei der Entscheidung gespielt. »Jetzt, da es nicht geklappt hat, stehe ich da wie ein Trottel«, sagt Lange. In der Vorsaison hatten Klubs der Kontinental Hockey League in Russland mit dieser Taktik (und deren Erfolg) für Aufmerksamkeit gesorgt, am Freitag war DEL-Klub Ingolstadt damit ebenso glücklos wie Bad Nauheim. Ralf Pöpel, Ex-Profi und heute Markenbotschafter der Roten Teufel, lobte Lange für dessen Mut. »Die Jungs haben geile 60 Minuten gezeigt, waren besser, waren euphorisiert. Ein Punkt war sicher. Wann will man das probieren, wenn nicht am ersten Spieltag?«

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