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Jerry Pollastrone stimmt nach dem Freitag-Erfolg gegen Bayreuth die Welle vor der Fan-Kurve im Colonel-Knight-Stadion an.

EC Bad Nauheim

EC-Trainer Lange: »Viele haben noch gar nicht erkannt, wie gut Jerry wirklich ist«

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Das System, die Tabellenposition und der Faktor Erfahrung: Stürmer Jerry Pollastrone erklärt, warum der EC Bad Nauheim derzeit so erfolgreich ist.

Jerry Pollastrone hatte bislang im Schatten gestanden; von Top-Scorer Taylor Vause, von Top-Torjäger Tristan Keck. »Ich glaube, viele Menschen haben noch gar nicht erkannt, wie gut er wirklich ist«, sagt Harry Lange, sein Trainer. »Wie er Scheiben behauptet, wie er Lösungen im Eins-gegen-Eins findet, wie er Pucks rausbringt, wie er seine Nebenleute einsetzt.« Am Freitag - Pollastrone hatte zum 4:2-Endstand gegen Bayreuth getroffen - wurde der US-Amerikaner aufgefordert, die obligatorische Welle anzustimmen. Am Sonntag, beim 3:1 in Kassel, war er - wie Nebenmann Jordan Hickmott - an zwei der drei Treffer seiner Mannschaft beteiligt. Im WZ-Interview spricht der 35-Jährige über Derbys, über die Tabellenposition, den Faktor Erfahrung und erklärt, warum die Roten Teufel derzeit so erfolgreich sind.

Jerry Pollastrone, Sie haben während Ihrer Laufbahn schon viele Derbys gespielt. Wie erleben Sie die Duelle der hessischen Mannschaften?

Das waren bislang großartige Spiele, und wir haben eine großartige Unterstützung unserer Fans. Das hilft gerade auswärts, wo es noch schwerer ist, Spiele zu gewinnen. Unsere Fans sind laut, geben uns Energie.

Sie stehen erstmals in der DEL2 unter Vertrag; in Bad Nauheim, wo man zumeist mittlere Tabellenregionen gewohnt ist. Wie beurteilen Sie - von außen kommend - den aktuellen Erfolg?

Ich kannte natürlich die Reputation der Roten Teufel, wusste, wo die Mannschaft in der Vergangenheit zu finden war. Aber, ganz ehrlich: Ich hatte vom ersten Tag an ein gutes Gefühl. Wie ich die Jungs in Villach erlebt und bei deren ersten Spiel von der Tribüne gesehen habe, da dachte: Okay, wir haben hier eine Gruppe wirklich guter Jungs zusammen. Jeder vertraut dem System von Harry Lange und Hugo Boisvert. Gewinnen ist nie einfach, egal, auf welchem Level. Da braucht man Spieler, die wirklich gewinnen wollen, die ihr Ego hinten anstellen, die sich dem Team unterordnen, wie wir das tun. Und es funktioniert.

Was ist das Geheimnis des Systems?

Natürlich haben die Coaches das Rad nicht neu erfunden. Jeder hält sich an die Vorgaben, und mit jedem Erfolg wächst natürlich das Vertrauen. Um Spiele zu gewinnen, muss man sich auf die Vorgaben einlassen. Und bei uns ziehen alle in die gleiche Richtung.«

Im Vorjahr war der Kader - bedingt durch Ergänzungsspieler aus Köln - sehr jung. In dieser Saison zählen die Roten Teufel zu den Mannschaften mit dem höchsten Altersdurchschnitt. Welchen Einfluss hat dies; gerade in engen Spielen?

Viele von uns haben über viele Jahre schon in den unterschiedlichsten Ligen gespielt. Und wir alle wurden schon in alle erdenklichen Situationen geworfen, haben alles schon erlebt. Natürlich hilft es, in engen Spielen zu wissen, was zu tun ist, was nötig ist, um Partien zu gewinnen. Wir älteren Spieler versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es gibt Situationen im Spiel, da kannst zu ein gewissen Risiko eingehen. Und dann gibt’s Momente, da ist’s das Risiko nicht wert, da muss man das Spiel einfach halten. Und die jungen Spieler ziehen da mit.

Sie haben inzwischen gegen jeden Gegner schon mindestens einmal gespielt. Wohin kann der Weg führen, wenn die Mannschaft von Ausfällen verschont bleibt?

Wir haben gezeigt, dass wir mit allen Top-Mannschaften mithalten können. Aber wir sollten nicht zu weit vorausschauen, sondern Tag für Tag und Training für Training nehmen. Und wir dürfen mit dem Erreichten nicht zufrieden sein. Anfangs haben wir vielleicht überraschen können. Inzwischen hat sich aber herumgesprochen, dass wir ein gutes Team sind. Die Gegner sind darauf eingestellt, also müssen wir uns weiter verbessern.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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