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Ein Ober-Mockstädter ist Videoanalyst der Eintracht-Helden

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Das Videoanalyse-Team nach dem großen Triumph auf dem Siegerpodest (von links): Marco Russ, Sebastian Saglimbeni, Marco Schuster, Niklas Lanwehr und Timmo Hardung (Leiter der Lizenzspielerabteilung). © Eintracht FOTO: EINTRACHT FRANKFURT

Der Ober-Mockstädter Sebastian Saglimbeni erlebt den Frankfurter Europa-League-Sieg hautnah mit.

Ober-Mockstadt/Frankfurt. So wirklich greifbar, gesteht Sebastian Saglimbeni, sei das alles noch immer nicht. Im Juli vergangenen Jahres war der aus Ober-Mockstadt stammende 27-Jährige nach rund zwei Jahren vom Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald als Videoanalyst zu den Profis der Frankfurter Eintracht übergesiedelt. Den Triumph von Sevilla, den Titel in der Europa League hat er so freilich aus nächster Nähe miterlebt, das Elfmeterschießen bis zum ebenso entscheidenden wie erlösenden Schuss von Rafael Borré Arm in Arm mit Cheftrainer Oliver Glasner am Spielfeldrand verfolgt. »Ich schaue mir täglich irgendwelche Bilder an, die entstanden sind. Ich bin auf jeden Fall extrem dankbar, ein Teil davon gewesen zu sein«, betont Saglimbeni.

Sein Tätigkeitsbereich bei den Profis ist freilich nicht mehr so global wie jener am Riederwald. Dort war der Sportwissenschaftler dafür verantwortlich, sowohl die eigenen Spiele und Spieler als auch den Gegner zu analysieren. In der Bundesliga, keine Frage, gibt es nicht nur zusehends größer werdende Trainerteams, auch dahinter steht eine beträchtliche Anzahl von Mitarbeitern. Vier Videoanalysten sind bei den Frankfurtern an Bord. Zwei, darunter Saglimbeni, kümmern sich um die Eigenanalyse, zwei, darunter Ex-Profi Marco Russ, zeichnen für die Gegneranalyse verantwortlich.

Während der Spiele auf der Tribüne

Gemeinsam mit Marco Schuster, dem Leiter Video- und Spielanalyse bei der Eintracht, verfolgt Saglimbeni das Verhalten der eigenen Spieler, ja der ganzen Mannschaft auf dem Platz auf Schritt und Tritt. »Während der Spiele schauen wir von der Tribüne aus, was man anpassen kann. Mein Chef ist da per Funk im stetigen Austausch mit den Trainern. Wir erhalten verschiedene Kameraeinstellungen, setzen in unserer Software direkt Zeitstempel, suchen Szenen heraus, werten bestimmte Szenen, kommentieren diese und erstellen daraus eine Präsentation für die Halbzeitanalyse, die mein Chef dann in den ersten ein, zwei Minuten der Halbzeitpause in der Kabine immer noch kurz mit den Trainern abspricht«, erzählt Saglimbeni, der von Kindesbeinen an Eintracht-Fan ist und in Ober-Mockstadt über viele Jahre selbst als Kreisligafußballer unterwegs war.

Unter der Woche indes ist das Analysten-Duo nahezu jeden Tag auf dem Trainingsplatz dabei. »Wir schauen, dass die Prinzipien, die der Trainer vorgibt, auch umgesetzt werden, beispielsweise wie wir uns aus Drucksituationen heraus lösen wollen, wie wir Pressing spielen oder wie wir das Umschaltspiel gestalten.« Aus dem entstandenen Filmmaterial erhält entweder Trainer Glasner eine Zusammenstellung, auch individuelle Bilder für einzelne Spieler und bestimmte thematische Schwerpunkte stehen alternativ auf der Tagesordnung.

Austausch mit Oliver Glasner

Es steht außer Frage, dass all das ein tiefergehendes Verständnis dafür erfordert, was sich der Übungsleiter von seinem spielenden Personal wünscht, dass ein enger Austausch unerlässlich ist. »Oli (Glasner; d. Red.) ist sehr zugänglich, er weiß um den Mehrwert, wenn wir Analysten seine Ideen genau kennen. Er nimmt uns da unglaublich gut mit, wir sind in jeder Besprechung dabei, er erklärt, was er sich weshalb wie wünscht und kommuniziert offen mit dem ganzen Team«, schildert Saglimbeni. Wöchentlich sitzen alle Trainer und Analysten zusammen, um Szenen durchzusprechen. »Ich habe bei ihm vom fußballtaktischen Verständnis her insgesamt nochmal extrem viel dazugelernt.«

Dass Glasner in den Tagen nach dem Sevilla-Triumph im Bierkönig von Mallorca mit Strohhut, Trikot und Sonnenbrille vom Fußballlehrer zum Feierbiest mutierte, auch das hat Saglimbeni hautnah mitbekommen. Denn: Er war dabei. »Das war eine spontane Aktion, die sich auf dem Rückflug aus Sevilla ergeben hat. Wir waren mit 20 Mann dort«, lacht er. »Das war ein schöner Saisonabschluss. Dieser Teamspirit zeichnet uns einfach aus. Bei uns geht es extrem herzlich zu, wir sind wirklich ein Team. Das hat es mir in meiner ersten Saison natürlich einfacher gemacht.«

Nun aber steht erst einmal die Sommerpause an - auch für Saglimbeni. Erst wenn der amtierende Europa-League-Sieger am 27. Juni die Vorbereitung auf die neue Saison startet, muss der Videoanalyst wieder ran. »Ich kann jetzt etwas runterkommen, auch mal etwas Abstand zum Fußball gewinnen«, sagt er. Wohlwissend, dass im Alltagsgeschäft an einen Rhythmus mit freien Wochenenden freilich nicht zu denken ist, dass Sonntage - ob wegen Spieltagen oder Spielnachbereitungen - während der Saison in aller Regel handelsübliche Arbeitstage sind. »Daher werde ich die freie Zeit nutzen, um viel mit meiner Freundin und mit Freunden zu machen, in Urlaub zu fahren und zu entspannen.« Und vielleicht auch, um den Sieg von Sevilla ein Stück weit zu realisieren.

Von Florian Deis

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Sebastian Saglimbeni mit dem Pokal. © Eintracht FOTO: EINTRACHT FRANKFURT

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