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Eine Gratwanderung

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Von: Ronny Herteux

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Daniel Mauser startet in den Morgenstunden des Freitags sein Unternehmen Triple-Everesting. Es wird ihn über mindestens 26 544 Höhenmeter am Falkenberg führen. © Ronny Herteux

Wenn Extremsportler an ihre Grenzen gehen, haben Breitensportler schon längst kapituliert. Daniel Mauser will zum Abschluss seiner Everesting-Trilogie mit einem sogenannten Triple Grenzen sprengen. Mindestens 26 544 Höhenmeter in 50 Stunden auf dem Rad, das ist das Ziel.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag im Morgengrauen fällt der Startschuss zum Unternehmen »Triple-Everesting« auf dem extra dafür abgesperrten Falkenberg in Wettenberg. Nach einem Everesting über 8849 Höhenmeter in 11:06 Stunden vor zwei Jahren und dem »Doppel« vor Jahresfrist mit 17 741 Höhenmeter nach 28:55 Stunden steht nun ein Triple-Everesting wie eine schier unmöglich zu überwindende Mauer vor Daniel Mauser. Denn das wäre schon einzigartig für Deutschland, zumal es weltweit auch eines der steilsten darstellt.

Der Gießener Assistenzarzt in der Orthopädie und Unfallchirurgie am »EV« nimmt nicht irgendeine Steigung, sondern den Falkenberg in Wettenberg unter die Räder, ein extrem kurzer wie knackiger Abschnitt über 300 m Länge mit 50 Höhenmetern bei 14,9 Prozent Durchschnittssteigung. Hatte er im Vorjahr noch 374 Auf- und Abfahrten zu bewältigen gehabt, sollen es diesmal über 550 bis zum Sonntag werden - also dreimal den Mount Everest hoch.

Dieses Vorhaben wird nicht nur eine körperliche Grenzerfahrung, sondern vermutlich auch ein psychischer Drahtseilakt. Und so wird der 37-jährige Mauser zu keiner Zeit am Falkenberg allein unterwegs sein und auch nachts stets von medizinischen Fachkräften aus seinem Bekannten- und Kollegenkreis betreut werden. Denn sollte der Extremsportler einmal nicht mehr Herr seiner Sinne sein, also eine Art Notfall eintreten, sind entsprechende Maßnahmen bin hin zur Aufgabe des Triple-Everestings einzuleiten. So muss es auch verabredet sein.

Schließlich stehen für den Familienvater bis zu 390 Kilometer auf der Zweitagesordnung, die auch zwei volle Nächte beinhaltet. »Ich habe keine zeitliche Vorgabe, rechne jedoch mit plus/minus 50 Stunden für das Triple«, weiß Mauser, das sein Vorhaben mit Mammutauf- oder Herkulesaufgabe nur unzureichend beschrieben wäre. Wir haben ihn dazu befragt:

Ist das Triple nun das Ende Ihrer Everesting-Trilogie? Ein vierfaches dürfte schon körperlich kaum noch darstellbar sein.

Ja, das Ganze am Falkenberg wäre eine Trilogie, was ein großer Ansporn darstellt. Ein Ende der Everesting-Unternehmungen ist es nicht unbedingt - jedoch ist ein Vierfaches nicht geplant. Die Vorbereitungen hierfür sind mit Familie und Beruf sehr aufwendig, kompliziert und strapazieren vor allem die familiäre Situation zeitweise sehr. Aus diesen Gründen kann ein Vierfaches ausgeschlossen werden. Es gab schon vierfache Everesting, jedoch muss hierbei viel mehr Augenmerk auf Pausen gelegt werden, was die Herausforderung deutlich mehr in die Länge zieht. Dies entspricht nicht unbedingt meiner Herangehensweise.

Sie sind seit Monaten auf dem Falkenberg unterwegs und haben meist Trainingseinheiten von über 2000 Höhenmetern gefahren. Für das Triple gibt es keine Erfahrungswerte, werden da Grenzen verschoben. Und was, wenn Sie über die Grenzen hinaus müssen?

Für mein Triple hoffe ich nicht, dass ich an meine Grenze stoße. Ich werde mein bisheriges Maximum bezüglich der zu fahrenden Zeit überschreiten, jedoch hoffe ich, dass es mir möglich sein wird aufgrund meiner intensiven Vorbereitung und der zeitlichen Einteilung. Mit dem Double würde ich am Vormittag fertig, somit habe ich beim Triple einen hellen Tag noch vor mir, was für die Psyche sehr gut ist.

Sie stellen diese Aktion in den Dienst der »Tour der Hoffnung«. Für Sie als Mediziner und Familienvater ein besonderes Bedürfnis, den Kampf gegen den Krebs bei Kindern zu unterstützen?

Die Aktion mit der Tour der Hoffnung zu verbinden war relativ bald klar, da ich mit Wolfgang Rinn einen der Organisatoren kenne. Die Tour ist natürlich sehr unterstützenswert. Wenn Kinder betroffen sind, ist das sehr schlimm, das Leben liegt vor ihnen, sie sind unbeschwert und tragen solch eine Bürde oder verlieren ihr Leben - bei Kindern ist eine Tumorerkrankung für mich als Arzt, aber auch als Vater besonders schlimm. Nachdem wir schon 2021 beim Double überwältigt von der Unterstützung für eine junge Familie waren, war es klar, dass auch dieses Mal wieder für eine gute Sache gefahren werden sollte. Nachdem der erste Spendeneingang von einer betroffenen Familie kam, die ein Kind aus diesem Grund verloren hatte, bin ich sehr froh, dass es das Event und den Zweck der Tour der Hoffnung gibt - und ich bin froh, ihn unterstützen zu können. Natürlich hoffe ich, dass wir es schaffen, eine großen Beitrag leisten zu können.

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