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»Es geht nur mit Professionalisierung«

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Andreas Hain HTTV-Präsident © Red

(op). Andreas Hain gehört zu jener Spezies, für die das Glas immer halb voll ist. »Wenn ich pessimistisch wäre, müsste ich zurücktreten«, sagt der Präsident des Hessischen Tischtennis-Verbandes (HTTV), der sich voraussichtlich im Juni nach eineinhalb Jahren coronabedingtem Aufschub erneut zur Wahl stellen wird. Im Interview spricht der gebürtige Seligenstädter (55) über die Folgen von Corona in seinem Sport.

Er erläutert die Beweggründe für den Abbruch der Saison auf Landesebene - und erklärt, wie der Verband sich nun für die Zukunft aufstellt.

Herr Hain, was unterscheidet einen Oberliga- von einem Bezirksligaspieler?

Der Bezirksligaspieler spielt meist in einer Halle mit vielen anderen. Der Oberligaspieler tritt nur mit seinem Team an, alles geht professioneller zu. Zudem sind Oberligaakteure meist zwischen 20 und 40 Jahren alt, die Bezirksligaspieler aber oft älter, die fallen so eher in die Risikogruppe.

Und deshalb hat der HTTV sich für einen Abbruch der von ihm organisierten Ligen entschlossen. Wie war die Reaktion darauf?

Wir hatten zwei Vereine und zwei einzelne Spieler zu verzeichnen, die sich beschwert haben - vor allem, weil es ihnen um die Jugend ging. Aber die meisten wollten nicht weiterspielen.

Welche Folgen hat der zweite Saisonabbruch für das hessische Tischtennis?

Das kann man heute noch nicht sagen. Im Hochleistungsbereich trifft es uns nicht. Treffen wird es uns bei den Talenten, die wegen Corona gar nicht mit Tischtennis begonnen haben werden. Aber das wird alle Sportarten in zwei Jahrgängen betreffen. Unser Problem ist die zweite Garde unter den Nationalkadern, die hatten eindeutig zu wenig Wettkämpfe. Die Topleute dagegen haben sogar noch profitiert. Sie hatten die doppelte Anzahl an Einheiten.

Viele Sportarten beklagen mittlerweile Mitgliederverluste. Können Sie beziffern, wie groß der Schwund im hessischen Tischtennis ist?

Wir haben etwa 20 Prozent weniger Jugendmannschaften im Vergleich zur Saison 2020/21. Zusammen mit dem Aktivenbereich sind es zehn Prozent weniger an Mannschaften. Es waren aber auch viele dabei, die gesagt haben: Wir spielen nicht, weil wir Angst vor der Ansteckung haben. Die Frage ist: Wie viele von denen bekommen wir wieder zurück? Und wie viele haben sich in ihrer Freizeit anders orientiert?

20 Prozent weniger Jugendteams ist schon eine alarmierende Zahl. Finden Sie nicht?

Ja, auf ohnehin schwachem Meldeniveau sind das noch einmal weniger Mannschaften. Aber was willst du machen, wenn über Wochen die Hallen und Sportstätten geschlossen sind?

Welche Ideen hat der HTTV, um diesem Trend entgegenzuwirken?

Grundsätzlich ist es so: Wo ein gut strukturierter Verein ist, da sind die Hallen voll. Wir als Verband versuchen, neue Wege zu beschreiten, haben dazu 200 000 Euro investiert und vier neue Hauptamtliche eingestellt, die in acht Kreisen arbeiten sollen. Wir haben dabei bewusst vor allem Kreise ausgesucht, in denen Tischtennis schwach besetzt ist. In manchen gibt es nur fünf, sechs Jugendmannschaften. Dort wollen wir ansetzen.

Was erwarten Sie sich von diesen Kreisbeauftragten?

Diese Hauptamtlichen sollen in den Vereinen Training organisieren, Lehrgänge veranstalten, Trainer besorgen, Freizeiten organisieren - und das eben kreisweit. Wir versprechen uns viel davon, weil wir denken, dass es nur mit Professionalisierung geht, weil sich die Arbeitswelt verändert hat. Welcher Arbeitnehmer kann heute schon zweimal die Woche ab 17 Uhr ein Tischtennistraining leiten? Wir haben Vereine, da läuft es super, im Kreis Offenbach etwa beim TTC Langen, um mal ein Beispiel zu nennen. Aber es gibt eben auch Vereine, in denen es nicht so läuft, denen es vor allem an Verantwortlichen fehlt, an Strukturen, an Mitarbeitern. Da setzen wir mit der Professionalisierung an. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt, dann ziehen wir eine Bilanz.

Virologen gehen davon aus, dass uns Corona noch einige Jahre begleiten wird. Müssen Hallensportarten wie Tischtennis da nicht völlig neu denken?

Ich gehe davon aus, dass wir künftig Corona genauso behandeln werden wie die Grippe. Alles andere halte ich für nicht länger durchführbar. Wir glauben, dass wir eine normale Runde spielen können, müssen aber vielleicht flexibler sein in der Wettspielordnung.

Wäre es denkbar, Tischtennis nur von April bis Herbst zu spielen?

Die Problematik ist doch die: Breitensport findet in den Sommerferien nicht statt. Auch in den Osterferien geht keiner in die Halle. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass wir eine Saison nur bis Mitte November spielen, dann über die kritischen Monate Dezember bis Februar pausieren. Vielleicht müssen wir da den Spielrhythmus etwas anpassen.

Im Juni plant der HTTV einen Verbandstag mit Neuwahlen. Werden Sie für weitere drei Jahre kandidieren?

Ja, ich bin ja mittlerweile eineinhalb Jahre als Nicht-Gewählter weiter im Amt (lacht). Wir mussten den Verbandstag coronabedingt mehrmals absagen. Aber wir wollen uns eben an diesem Tag, der ohnehin nur alle drei Jahre stattfindet, nicht in einer Videokonferenz unterhalten, sondern das Ganze als Präsenzveranstaltung durchführen. Unser gesamtes Präsidium stellt sich wieder zur Verfügung. Ich selbst bin jetzt 55 Jahre alt, werde das Amt sicher nicht machen, bis ich 70 bin. Aber aktuell kann ich mir das noch gut vorstellen. Zumal ich optimistisch bleibe.

Woraus ziehen Sie Ihren Optimismus?

Weil Tischtennis ein attraktiver Sport ist, den viele betreiben können. Wir wollen beispielsweise künftig stärker jene Sportler ansprechen, die ihre Disziplinen mit 30, 35 Jahren nicht mehr so ausüben können, aber weiterhin Wettkampfsport machen wollen. Da sehen wir viel Mitgliederpotenzial.

Wo wollen Sie den hessischen Verband in drei Jahren sehen?

Im Spitzenbereich weiterhin da, wo wir sind - an der Spitze. Im Nachwuchsbereich wäre es gut, wenn wir wieder über steigende Mitgliederzahlen sprechen könnten. Wenn wir die Zahl der Vereine konstant halten können, wäre das ebenfalls sehr positiv. FOTO: OP

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