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Friedberger Handballer ziehen um

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Von: Christoph Sommerfeld

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Die Handballer der TG Friedberg können derzeit nicht die Halle am Seebach nutzen und müssen sich vorübergehend mit der etwas kleineren Steinkopf-Halle in Ockstadt arrangieren. © Andreas Chuc

Die TG Friedberg fühlt sich heimisch in der Sporthalle am Seebach, kann diese nun aber aufgrund der Flüchtlingssituation in der Wetterau nicht nutzen.

Nach zwei Jahren Corona freuten sich die knapp 1800 Mitglieder der Turngemeinde Friedberg im bevorstehenden Frühjahr eigentlich auf neue Möglichkeiten der Bewegung. Mit Online-Kursen, improvisierten Aktionen auf der Seewiese und diversen unkonventionellen Angeboten hatte sich einer der größten Wetterauer Sportvereine über Wasser gehalten, um im Rahmen der politisch avisierten Lockerungen nun ein Stück sportliche Normalität zu erhaschen. Für viele Sportler der Turngemeinde hat sich dieser Wunsch aber erstmal zerschlagen, da die Philipp-Dieffenbach-Halle vom Landkreis Wetterau zur Bewältigung der Flüchtlingssituation genutzt wird.

Das trifft besonders die TGF-Handballer hart, die sich in der Halle am Seebach wie zu Hause fühlen, ihre Heimspiele austragen, trainieren, aber auch Hausmeisterdienste leisten. »Wir reden von 14 Mannschaften mit über 300 Kindern und Jugendlichen und noch mal 100 Erwachsenen«, erklärt der Vorsitzende Klaus Heuser. Am ersten Wochenende, an dem die Halle gesperrt war, hatte der Verein freitags eine Information vom Sportamt der Stadt bekommen, die die Zuteilung der im Kreiseigentum stehenden Friedberger Hallen organisiert. An jenem Wochenende musste der Club die angesetzten Heimspiele allesamt absagen. Für das vergangenen Wochenende konnte bereits mit der städtischen Steinkopf-Sporthalle in Ockstadt ein alternativer Spielort gefunden werden. »Da muss ich das Friedberger Sportamt loben. Auch die anderen Vereine haben sich sehr kooperativ gezeigt«, sagt Heuser, der sich ausdrücklich von einer allgemeinen Kritik an der neuen Nutzung distanziert. »Ich verstehe nur nicht, wieso den Behörden immer gleich die Sporthallen einfallen, wenn es darum geht, Unterkünfte für Geflüchtete zu finden. Die Seebachhalle ist sehr stark ausgelastet. Ich denke, man hätte dafür andere Gebäude finden können«, meint der TGF-Vorsitzende.

Die kreiseigene Dieffenbach-Halle war zunächst zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aus der Ukraine erklärt worden, als Anlaufstelle aber im Laufe dieser Woche wieder geschlossen worden, da die Notunterkunft in Nidda vorerst genügend Kapazitäten bietet. Wie der Landkreis zu verstehen gab, muss die Sperrung der Halle am Seebach für den Schul- und Vereinssport aber bis auf Weiteres bestehen bleiben, bis man die Entwicklung abschätzen kann. Alternativen in Sachen Unterbringung sieht man beim Wetteraukreis derweil nicht. »Es musste eine Fläche gewählt werden, auf die der Kreis unmittelbar Zugriff hat. Dies beschränkt die Auswahl auf die Schulsporthallen, da der Wetteraukreis außerhalb der Schulen in der Regel über keine eigenen Immobilien verfügt«, teilte Petra Schnelzer von der Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage mit. Sie wies zudem auf die zentrale Lage und die leichte Andienbarkeit für die notwendige Logistik hin.

Wie Holger Kopsch, Leiter der Sportabteilung der Stadt Friedberg, zu verstehen gab, ist die TG Friedberg Hauptbetroffener der vorübergehenden Hallenschließung am Seebach. »Beim Trainingsbetrieb der TG-Handballer müssen wir sehen, dass innerhalb der Abteilungen getauscht wird, aber auch mit anderen Vereinen in anderen Hallen. Hauptziel ist es, den Spielbetrieb für die TG Friedberg aufrecht zu erhalten«, sagt Kopsch.

Eng wird’s beim Landesliga-Spiel

Mit den Frauen- sowie Jugendteams der TGF-Handballer sowie den Herren II hat das am vergangenen Wochenende schon mal geklappt und soll sich auch heute und morgen so fortsetzen. Ein bisschen eng könnte es werden, wenn die Friedberger Landesliga-Männer am 2. April ihre Heimpartie austragen wollen. »Wir hatten an manchen Tagen vor Corona bis zu 300 Zuschauer bei den Heimspielen und profitieren auch vom Essens- und Getränkeverkauf an den Spieltagen«, macht Heuser klar. In der Steinkopf-Halle sind solche Besucherzahlen nicht möglich. Dennoch sei man dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und werde sich arrangieren.

»Wir sind ja gar nicht unzufrieden. Wir belegen mit den Basketballern, den Badmintonspielern und der Judo-Abteilung beispielsweise die Henry-Benrath-Halle und die Adolf-Reichwein-Halle. Dennoch sind durch die aktuelle Situation viele Mitglieder betroffen, und man macht sich schon Sorgen, dass der Verein womöglich einige Austritte verkraften muss«, relativiert Heuser, der sich nicht zuletzt aufgrund der Hausmeister- und Hallenvermittlerdienste des Vereins eine Vorab-Kontaktaufnahme durch den Kreis gewünscht hätte, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Diesbezüglich wollten die Behörden keine Angaben machen.

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