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Für Kerstin Uhlig und Angelika Ballerstaedt weit mehr als nur ein Hobby

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Im Wasser fühlen sie sich am wohlsten: Kerstin Uhlig (unten) und Angelika Ballerstaedt von der SG Wetterau im Usa-Wellenbad. FOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Die Sportlerinnen der SG Wetterau hatten einst schon abgeschlossen mit dem Schwimmen. In einem Gespräch in einem Friedberger Café erklären sie, wie und warum sie zurückgefunden haben.

(vre). Mit ihren gewonnenen Medaillen könnten sie zu Hause ganze Vitrinen füllen oder die heimischen Wände schmücken. Mit zahlreichen Podestplätzen bei den verschiedensten Wettkämpfen sorgen Kerstin Uhlig (61 Jahre) und Angelika Ballerstaedt (59) von der SG Wetterau seit Jahren im Schwimmsport für Aufsehen - und sind dabei stets bescheiden geblieben. Erst kürzlich sind beide bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften der Masters in der Altersklasse 60 jeweils zu Gold geschwommen, Ballerstaedt über 200 m Rücken, Uhlig über 200 m Brust. Wir haben das SGW-Duo in einem Friedberger Café getroffen.

Dass beide Schwimmerinnen ihren Sport mehr als lieben, ihn regelrecht leben, wird sofort klar, wenn sie darüber reden. Uhlig, die 2010 Vizeweltmeisterin in Göteborg über 50 m Brust (Masters) wurde, spricht mit einem Eifer über ihren Sport, dass das Gefühl aufkommt, dass sie gar nicht mehr damit aufhören möchte. Mit leuchtenden Augen erklärt sie, wie sie damals in Kindheitstagen in der DDR mit sieben Jahren angefangen hat. »Über die Sportschule ging es dann weiter nach oben. Ich habe das dann sechs Jahre als Hochleistungssport gemacht.« Doch mit 16 Jahren war plötzlich Schluss. Andere Dinge wie das Abitur oder die Berufswahl waren in dem Moment wichtiger. Sie nimmt einen großen Schluck von ihrem Eiscafe und fährt fort: »25 Jahre habe ich dann gar keinen Sport oder gar etwas mit Schwimmen gemacht.«

Doch dann kam es, wie es kommen musste. Durch ihre Kinder, die dann auch im Schwimmen aktiv waren, kam Uhlig zurück zu dem Sport, den sie heute wieder so liebt. »Außerdem wollte ich für meine eigene Fitness etwas tun und es dauerte nicht lange, da wollten die Kinder nicht nur zum Wettkampf gefahren, sondern auch als Kampfrichter bei Wettkämpfen unterstützt werden, und irgendwann wurde dann im Verein auch jemand im Vorstand gesucht. Und so kam eins zum anderen. Ich habe auch schnell wieder reingefunden.« Uhligs Vereinskollegin Angelika Ballerstaedt, fügt hinzu: »Kerstin konnte die Technik ja auch perfekt, sie hat das ja schon früh gelernt.«

Dies war bei Ballerstaedt, die in der Friedberger Stadtverwaltung arbeitet, anders. Die gebürtige Hessin fing im jugendlichen Alter von zwölf Jahren mit dem Schwimmsport an. Doch auch bei ihr war mit 16 Jahren wieder Schluss - vorerst. »Mit 43 Jahren habe ich wieder angefangen«, sagt sie etwas nachdenklich und überlegt, während sie die Sahne von ihrem kleinen Löffel ableckt.

»Irgendwie haben mir die anderen Sportarten, die ich ausprobiert habe, alle keinen richtigen Spaß gemacht. Im Vergleich zu Kerstin bin ich bei mir die einzige Schwimmerin in der Familie geblieben. Beim individuellen Bahnen ziehen, hat mich dann irgendwer mal angesprochen, ob ich nicht im Verein mitschwimmen will, und so kam das dann.«

Heute wollen und können sich beide Frauen ein Leben ohne Schwimmen kaum noch vorstellen: »Schwimmen macht im guten Sinne süchtig. In jedem Urlaub suche ich sofort ein Schwimmbad«, erzählt Ballerstaedt mit einer Leidenschaft und mit den Händen gestikulierend, dass sofort deutlich wird, dass sie am liebsten gleich wieder ins Wasser springen möchte.

Neben dem Spaß und der Liebe zu diesem Sport sagt Uhlig aber ganz klar, dass sie sich dadurch auch fit halten will, neben dem Schwimmen auch mal joggt. »Wenn ich gar nichts mache, rosten die Knochen. Man selbst hat natürlich auch schon das eine oder andere Wehwehchen gehabt. Gesund bleiben wollen wir ja alle. Und Schwimmen kann jeder bis ins hohe Alter« - im Vergleich zu vielen anderen Sportarten, wo oftmals ab Mitte 30 Schluss ist. Denn beim Schwimmen werden nicht nur die Knochen und Gelenke geschont, sondern zugleich auch die Kondition und die Beweglichkeit gefördert. »Manche, die beispielsweise beim Joggen eine Verletzung davongetragen haben, fangen im Alter noch mit dem Schwimmen an«, ergänzt Ballerstaedt. »Auch kann man sich im Alter immer noch verbessern. Es kommt auf die Regelmäßigkeit an. Meine Bestzeit in der Jugend war schlechter als sie es heute ist.«

Kerstin Uhlig, die sich mittlerweile schon über den Ruhestand freut und früher bei einem Finanzdienstleister tätig war, führte viele Jahre als Vorsitzende den SC Bad Nauheim, ist jetzt noch als Sportwartin und seit zwei Jahren auch als Trainerin aktiv - und das mit vollem Tatendrang und großer Leidenschaft. Dabei will sie den Kindern und Jugendlichen vor allem eins mit auf den Weg geben: Zielstrebigkeit und die Lust zur Leichtigkeit an der Bewegung. »Es muss nicht jeder Olympiasieger werden, aber die Mädchen und Jungen sollen wissen, warum sie es tun, sich auch mal verausgaben, Grenzen ausloten, aber auch einfach Spaß am Sport, an der Bewegung haben. Auch hier ist das Miteinander wichtig. Schwimmen gehört zu den trainingsintensivsten Sportarten. Da gehört neben dem Einsatz der Aktiven vor allem auch das Zusammenspiel von vielen Eltern und Trainern dazu. Diese Gemeinschaft ist einfach belebend.« Angelika Ballerstaedt unterbricht sie mit einem Lächeln im Gesicht: »Eine bessere Trainerin kann sich der Verein gar nicht vorstellen.«

Ledecky und Phelps als Vorbilder

Auf die Frage nach ihren Vorbildern antwortet Ballerstaedt sofort, während Uhlig noch überlegt: »Bei mir ist das Katie Ledecky, die Frau ist der Hammer. Aber natürlich war es auch Michael Phelps.« Mit einem bestätigenden Nicken stimmt ihr ihre Teamkollegin zu.

Beim Thema rund um die Corona-Pandemie wird ebenfalls deutlich, dass beide Wetterauerinnen nichts unversucht ließen, um trotz geschlossener Schwimmbäder sportlich aktiv zu bleiben. Während Uhlig versuchte, mit Laufen und Videotraining fit zu bleiben, ist Ballerstaedt mit Neoprenanzug als Langstreckenschwimmerin im eiskalten See geschwommen und hat sich im heimischen Garten einen eigenen Pool aufgebaut. »Es ging einfach nur um das Gefühl zu schwimmen. Das ist so notwendig, um auch mal den Alltagsstress zu meistern. Man fühlt sich einfach so viel besser, wenn man nach dem Training weiß und empfindet, es hat sich gelohnt, sich zu aktivieren. Ziele und Erfolge im Wettkampf sind für die Motivation auch wichtig, aber eigentlich nur sekundär.«

Auch wenn der Schwimmsport, das Training und die Wettkämpfe oftmals viel Zeit in Anspruch nehmen, wollen die beiden Schwimmerinnen der SG Wetterau ihren Sport gegen nichts auf der Welt eintauschen. Denn für beide ist es weit mehr als nur ein Hobby, es ist Teil ihres Alltags. Sie lieben und leben diesen Sport mit allem, was dazu gehört: Freude an der Bewegung, Überwindung, Fitness, Erfolg, und sich in jedem Fall aktiv zu fühlen.

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Angelika Ballerstaedt und Kerstin Uhlig (v. l.) sind so oft es geht im Schwimmbad, um ihrer großen Leidenschaft nachzugehen. FOTO: NICI MERZ © Nicole Merz
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Kerstin Uhlig schwimmt am liebsten Kurzstrecke. 2010 wurde sie über 50 m Brust Masters-Vizeweltmeisterin. NIC © Nicole Merz

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