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»In die Illegalität getrieben«

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(cd). Aus Sicht der Offenbacher Kickers klangt es wie ein Aprilscherz und zwar wie ein schlechter: Der OFC sollte am Samstag zu der Partie beim Bahlinger SC antreten, obwohl das Stadt-Gesundheitsamt aufgrund einer Corona-Welle »ein komplettes Spiel-, Trainings- sowie Zusammenkunftsverbot« verhängt hat, das bis 5. April für die Lizenzspieler-Mannschaft sowie den Trainer- und Betreuerstab gilt.

Das hatte die Spielkommission der Fußball-Regionalliga Südwest am Freitagnachmittag entschieden. Thomas Sobotzik, der Geschäftführer des OFC, bezeichnete den Beschluss als »Skandal« und drohte mit Klage. Die Regionalliga Südwest GbR sieht sich aber nach eingehender Prüfung des Falls im Recht. Die Fronten zwischen beiden Seiten sind zum wiederholten Mal verhärtet. Letztlich konnte die Partie auf Grund der Witterungsbedingungen nicht stattfinden.

Die Regionalliga Südwest GbR argumentiert, dass die Anordnung, in der Form, wie sie vom Gesundheitsamt erlassen wurde, »rechtswidrig« sei und sich zudem nur auf das Offenbacher Stadtgebiet beziehe. Da es sich um ein Auswärtsspiel in Bahlingen handele, stehe der Austragung der Partie nichts entgegen. Sobotzik war nach der Entscheidung zunächst sprachlos (»Mir fällt dazu nichts ein«), wurde dann aber deutlich: »Das ist eine Schande für den Fußball.«

Juristische Lücke

Dass der Erlass des Gesundheitsamtes sich nur auf Offenbach beziehe, sei »formal« zutreffend. Es widerspreche jedoch dem »Geist der Anordnung«, auf die Austragung der Partie zu pochen. Zumal es dem OFC-Team aus »infektiologischen« Gründen untersagt worden sei, zusammenzukommen.

»Die Regionalliga nutzt eine juristische Lücke und treibt und in die Illegalität«, so Sobotzik. »Um die Partie auszutragen, müssten wir gegen die Anordnung verstoßen. Wir müssten Material aus dem Stadion holen und die Spieler in den Bus zwängen, was uns beides verboten ist.« Der OFC-Geschäftsführer fühlt sich genötigt und denkt über eine Strafanzeige nach.

»Die einzige Wahl, die wir haben«, stellt Sobotzik klar, »wäre es, nicht anzutreten. Dann würde das Spiel als verloren gewertet werden.« Angesichts der Tatsache, dass der OFC als Dritter noch realistische Titel- und Aufstiegschancen hat, ist das aber keine Option. Allerdings: Die Voraussetzungen dafür, dass die Kickers in Bahlingen punkten, waren mit Blick auf die Personalsituation gelinde gesagt nicht rosig. Es sind offenbar mehr als zehn Spieler, darunter zahlreiche Stammkräfte, positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Da die Verletzten (zuletzt neun) formell als »einsatzfähig« gelten, standen den Kickers zumindest den Statuten zufolge genug Akteure zur Verfügung, um antreten zu müssen. Der Kader sei »relativ groß« und die U19 in der Bundesliga spielfrei, argumentiert die Regionalliga: »Jeder Verein hat sein Päckchen zu tragen.«

Sobotzik bringt diese Argumentation zur Weißglut. Er verweist darauf, dass viele U19-Talente gar nicht auf der »Spielberechtigungsliste« der Regionalliga stünden. Zudem sei von dieser mit keinem Wort der Gesundheitsaspekt erwähnt worden. Die gegnerischen Spieler und das Unparteiischen-Gespann seien wohl nicht begeistert, wenn sie gegen ein Team antreten müsse, das aus Spielern bestehe, die als »Gefährder« eingestuft wurden. »Es geht auch ums Menschsein«, betonte der Geschäftsführer.

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