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»Keine Perspektive mehr«: Warum der SV Steinfurth seine Mannschaft zurückgezogen hat

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Von: Leon Alisch

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Daniel Walter (rechts) war vor seiner Verletzung Dreh- und Angelpunkt beim SV Steinfurth. In dieser Woche wurde die Mannschaft aus dem Rosendorf nach dem dritten Nichtantritt aus der Wertung der Gruppenliga genommen. © Andreas Chuc

Der SV Steinfurth ist in der Vergangenheit zwischen Kreisoberliga und Gruppenliga gependelt. Jetzt musste der Klub aus dem Rosendorf die erste Mannschaft zurückziehen.

Im Jahr 2020 war der SV Steinfurth in die Fußball-Gruppenliga aufgestiegen. Die Rosendörfler hatten die Kreisoberliga dominiert, nicht verloren und waren völlig verdient eine Etage nach oben geklettert. Was folgte, war viel Zeit im Tabellenkeller. Magere zwei Siege gelangen der Mannschaft, Personalsorgen waren omnipräsent, und der junge Kader schien nicht gruppenligatauglich. Doch war der Weg bewusst gewählt worden. Die Spieler sollten Erfahrung sammeln. Eine Bühne sollte geboten werden.

Vor einigen Tagen ist diese Bühne abgebaut worden. Durch den dritten Nichtantritt die Mannschaft aus der Gruppenliga Frankfurt-West zurückgezogen worden. Der erneute Nichtantritt war eine Entscheidung, die man mit der Mannschaft am vergangenen Sonntag getroffen hatte. »Wir haben es mit allen Mitteln bis zum Ende versucht. Aber es gab einfach keine Perspektive mehr. Und schlussendlich macht es auch den Gegnern keinen Spaß, wenn wir mit einer solch dünnen Mannschaft anreisen«, sagt der Spielausschussvorsitzende Torben Müller.

Bereits vergangene Woche hatte Trainer Süleyman Karaduman das Handtuch geworfen und sein Amt zur Verfügung gestellt.

Vor der Saison war in Steinfurth die Entscheidung getroffen worden, nicht freiwillig in der Kreisoberliga anzutreten. »Der Rückzug war nie ein Thema«, hieß es. Und jetzt? »Im Nachhinein betrachtet lässt sich natürlich sagen, dass es nicht die richtige Entscheidung war und wir besser in der KOL angetreten wären. Aber zum damaligen Zeitpunkt war es richtig«, findet Müller. Und lange Zeit verlief die Runde relativ nach Plan. Erst nach der Winterpause konnte man Abgänge, Verletzungen und abiturbedingte Ausfälle nicht mehr kompensieren.

Auch Daniel Walter zählt zu jenen verletzten Spielern. Im Oktober vergangenen Jahres riss er sich das Kreuzband und muss seitdem zuschauen. Hin und wieder schlüpfte er in die Trainerrolle und hätte die Mannschaft nach dem Abgang Karadumans interimsweise an Spieltagen gecoacht. »Dass nach dem Trainerabgang ein Spieler übernimmt, ist jetzt keine Situation, die man gerne hat. Wir haben dann versucht, noch einen letzten Impuls zu generieren, aber am Ende waren es einfach zu viele Faktoren«, sagt er.

Und wie macht man jetzt weiter? Die Spieler der A-Mannschaft, überwiegend noch aus der A-Jugend, werden in die Reserve in der Kreisliga A integriert. Torben Müller betont hier allerdings: »Die etatmäßigen Reservespieler werden in den Spielen Vorrang erhalten«. Damit möchte man nicht zuletzt verhindern, dass man aufgrund der Verstärkung aus der Gruppenligatruppe »böse Blicke« kassiert. Gleichzeitig soll den Spielern weiterhin die Möglichkeiten geboten werden, auf dem Platz zu stehen. Ein Dilemma.

Längerfristig benötigt man Neuzugänge. Auch von extern. Dennoch bleibt die Jugendarbeit ein wichtiger Pfeiler. »Der Grundgedanke besteht weiter, der Verein lebt von seiner Jugend. Gleichzeitig müssen wir auch erfahrene Spieler akquirieren«, sagt Müller. Für die Kreisoberliga baut man darauf, dass ein Grundgerüst bestehen bleibt. Man befindet sich im Austausch mit den Spielern - möchte wieder mehr über die Gemeinschaft kommen, den Spaß betonen - und in der Kreisoberliga nochmal neu anfangen. »Vielleicht bietet die KOL auch eine bessere Bühne für Spieler aus der zweiten Mannschaft, die den Sprung nach oben schaffen«, mutmaßt Walter.

Womit wir wieder am Anfang wären: Zwei Jahre ohne sportlichen Erfolg, mit dünnem Kader und zu vielen Problemen in der harten Gruppenliga-Welt waren zu viel für den SV Steinfurth. Wird die Kreisoberliga nun ein weiches Kissen, dass die Mannschaft bettet und zurück zum Erfolg führt? Beispiele aus der Vergangenheit haben gezeigt: Nicht immer. Man muss sich wieder finden, vor allem eine Kaderbreite zurückerlangen. Der Vorteil des SV Steinfurth: Man hat Zeit. Zeit, wieder zurück zu einer stabilen Mannschaft zu finden und ohne Sorgen in die neue Saison zu gehen.

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