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Leistungsbooster Musik

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Kopfhörer auf, Musik an und schon kann es losgehen. Viele Sportler, wie hier der deutsche U15-Box-Meister Vadim Moskoglo (r.) vom Boxring Wölfersheim mit seinem Trainer Ahmet Özcorapci, motivieren sich beim Sport zusätzlich durch ihre Lieblingssongs. © Red

Dröhnende Beats, wummernde Bässe oder einfach nur rockige Songs? Viele Menschen schwören beim Sport - sei es beim Joggen durch den Wald oder beim Gewichte stemmen im Fitnessstudio - auf das Hören von Musik. Der Effekt: Die Motivation soll gesteigert werden und somit auch die Leistungsbereitschaft.

Trainingssachen an, Kopfhörer auf und los gehts. Für viele Sportler gehört die Musik zum Training dazu wie die Laufschuhe oder der Pulsmesser. Besonders beim Joggen oder im Fitnessstudio dürfen dröhnende Beats oder hämmernde Bässe bei vielen Sportlern nicht fehlen. Denn dadurch soll es zu einem Motivationsboost kommen, die Gewichte noch höher gestemmt und die Laufstrecke noch schneller absolviert werden.

Und in der Tat kann Musik bei einigen Sportarten zu einem regelrechten Anstieg der Motivation und damit auch der körperlichen Leistung führen, wie bereits verschiedene Studien belegt haben. »Es kann sogar zu einer Leistungssteigerung von bis zu 25 bis 30 Prozent kommen«, berichtet Sportwissenschaftler Darnell Peoples, der seit 2010 als Personaltrainer im heimischen Raum Coachings anbietet.

Claudia Bullerjahn, Professorin am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen, erklärt den positiven Effekt von Musik auf den Körper: »Je nachdem, welche Musik gehört wird, werden verschiedene Hormone ins Blut abgegeben. Wird sanfte und ruhige Musik gehört, wird in der Regel Noradrenalin ausgeschüttet, wodurch der Blutdruck stabilisiert wird und sich der Körper so beruhigt. Bei schneller und aggressiver Musik wird dagegen zumeist Adrenalin ausgeschüttet, was wiederum zum Ansteigen des Blutdruckes und zur Mobilisierung des Körpers führt.« Adrenalin steigert bekanntlich die Leistungbereitschaft des Körpers, wodurch das Herz des Sportlers schneller schlägt. Somit steigt auch der Blutdruck an, sodass mehr Blut in Muskeln und Organe geleitet wird. Zudem wird mehr Sauerstoff ins Blut selbst transportiert. Es ist also durchaus möglich, bessere Ergebnisse zu erzielen.

Generell verbinden wir mit Musik bestimmte Emotionen und Stimmungen, die je nach Musikrichtung mehr oder weniger gesteuert werden können. Beim Sport ist das Ziel demnach, durch die Beats für eine positive Beeinflussung von Körper, Geist und Seele zu sorgen und somit die eigene Leistung kurzzeitig steigern zu können.

Doch ist bei Weitem nicht jede Musik auch für jede Sportart geeignet, nicht jede Musik kann zu einer Leistungssteigerung führen. So wird beispielsweise im Fitnessstudio und beim Krafttraining auf Songs gesetzt, die den Trainierenden einen Ansporn geben sollen, um noch mehr an die körperlichen Grenzen zu gehen. »Hier wird sehr viel Hip-Hop gespielt, aber die Musik kann auch in Richtung Techno gehen, wo es mehr Beats gibt. Generell ist Musik im Sport für die Motivation ganz wichtig. Es kommt zwar auch auf die jeweilige Musik drauf an, aber die richtigen Lieder können enorm pushen«, so Darnell Peoples. »Beim Personal-Training läuft die Musik dann im Hintergrund, da kommt es auch immer auf die Wünsche der Kunden an«, ergänzt er.

Beim Krafttraining steht vor allem das »Erregungspotenzial der Musik im Vordergrund. Dies kann für die meisten Personen bei harten, lauten und schnellen Musikstilen am besten ausgeschöpft werden«, berichtet Bullerjahn.

Ahmet Özcorapci, Trainer und Vorsitzender des Boxrings Wölfersheim, gibt an, dass bei ihm im Training immer Musik gespielt wird: »Wir spielen sehr viel Hip-Hop und auch motivierende Musik, um die Jungs mental zu unterstützen, sie zu pushen und ihnen zusätzliche Power zu geben. Diese können sie dann auf den Sandsack übertragen und im Takt mitboxen. So gelingt es nicht nur 100, sondern auch mal 110 Prozent zu geben.«

Als besonders gutes Beispiel nennt Özcorapci hierfür das Lied »Eye of the Tiger« aus dem Film »Rocky III«. »Auch wenn die Jungs vor Wettkämpfen stehen, sagen wir ihnen immer, dass sie ihre Lieblingsmusik vorher mitnehmen und alles andere um sich herum ausschalten sollen, um so wirklich im Tunnel zu sein.«

Beim Ausdauertraining wie Joggen, Radfahren oder auch bei Fitnesskursen wie beispielsweise Aerobic kommt es dagegen vor allem darauf an, dass das Tempo der Musik an die jeweilige Person angepasst ist. »Dabei ist es wichtig, dass der Grundschlag der Musik zur Lauf- bzw. Bewegungsgeschwindigkeit passt. Ein Richtwert sind hier ca. 125 bis 140 Schläge pro Minute«, so Claudia Bullerjahn weiter.

Dabei komme es jedoch immer auch auf die subjektive Empfindung des Sportlers an. Ist mit Hilfe der Musik aber erst einmal der richtige Rhythmus beim Joggen gefunden, wird das Laufen entspannter, die Atmung passt sich an, wird ausgeglichener und der Fokus kann ganz auf den Sport gelenkt werden. Auch scheint es dadurch für die Sportler weniger anstrengend zu sein.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch jene Sportler, die für ihre Aktivitäten keine oder nur sehr selten Musik nutzen: »In der Laufgruppe hören wir beim gemeinsamen Training keine Musik, da wollen wir uns auch unterhalten«, sagt Philipp Ratz, Abteilungsleiter-Lauf vom TSV Nieder-Mörlen. »Auch wenn ich alleine laufe, nutze ich ebenfalls keine Musik. Ich laufe ohne Musik, damit ich die Natur sehen und fühlen kann, meinen Kopf frei bekomme und Stress abbauen kann. All dies würde mir nicht so gut gelingen, wenn Musik mein Lauftraining begleiten würde. Das letzte Mal mit Musik Laufen war ich vor über 50 000 Laufkilometern - noch mit einem tragbaren CD-Spieler«, fährt er lachend fort.

Selbst wenn die Musik beim Sport nicht für jeden eine große Rolle spielt, sicher ist, dass sie für viele Personen essenziell ist und dadurch meist nicht nur ein regelrechter Motivations-, sondern oftmals auch ein Leistungsboost erfolgen kann.

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