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Volker Höpp (rechts) gibt im Hessenliga-Rekordspiel Hessen Kassels Nael Najjer die Richtung vor.

Fussball

Letzter Hessenliga-Pfiff nach 13 Jahren

Der Dauernheimer Schiedsrichter Volker Höpp hat am vergangenen Samstag sein letztes Hessenliga-Spiel gepfiffen und sichnach 13 Jahren aus der fünfthöchsten Fußball-Spielklasse verabschiedet.

Für Volker Höpp endete am Samstagnachmittag auf dem Sportgelände im mittelhessischen Steinbach ein besonderer sportlicher Abschnitt. Der 47-jährige Dauernheimer hatte in der Partie FSV Fernwald gegen Buchonia Flieletztmals als Schiedsrichter in der Fußball-Hessenliga einen Einsatz. Höpp scheidet aus, weil er die Altersgrenze erreicht hat. Ein bisschen Wehmut kommt bei ihm auf, doch anders als beispielsweise Manuel Gräfe, der sein altersbedingtes Ausscheiden als Bundesliga-Schiedsrichter gerne noch um ein Weilchen verschoben hätte, hadert Volker Höpp nicht mit den Regularien. »Ich fühle mich körperlich total fit und könnte diese Klasse sicherlich weiter pfeifen, doch als ich damals angefangen habe, gab es diese Altersgrenzen schon. Jetzt habe ich sie eben erreicht, alles gut.«

Die vergangenen 13 Jahre gehörte Höpp zur Riege der Hessenliga-Schiedsrichter. »Mit Volker Höpp scheidet ein verdienter und zuverlässiger Sportkamerad aus der Hessenliga aus, dessen Leistungen und Auftreten für jüngere Schiedsrichter immer beispielhaft war«, lobt Verbandsschiedsrichterobmann Gerd Schugard (Dipperz).

Es sei, so Schugard, alles andere als gewöhnlich, dass Schiedsrichter bis zum Erreichen der Altersgrenze in der Hessenliga aktiv sind. Viele scheiden vorher aus - die meisten davon freiwillig. »Wer sich so lange wie Volker Höpp als Schiedsrichter in der höchsten Spielklasse des Verbandes behaupten kann, der muss sein Handwerk einfach verstehen«, legt sich Schugard fest. Eigentlich wäre für Volker Höpp bereits in diesem Sommer Schluss gewesen, doch da wegen der Pandemie und dem daraus resultierenden Saisonabbruch im ersten Halbjahr keine Spiele stattfanden, erhielt der Dauernheimer trotz des bereits vollendeten 47. Lebensjahres vom Verbandsschiedsrichterausschuss noch die Vorrunde der aktuellen Saison als Zugabe obendrauf. Ein Hessenliga-Abschied ohne Spiele wäre bitter gewesen, so konnte sich Volker Höpp am Samstag in Steinbach gebührend verabschieden.

Noch gut kann sich Höpp daran erinnern, wie er im Jahr 1993 zur Pfeiferei kam. »Ich habe mich als junger Fußballer über die Leistung eines Schiedsrichters beschwert und dieser meinte, ich sollte doch selber Schiedsrichter werden und es besser machen«, lacht Höpp. An den Namen dieses Unparteiischen kann Höpp sich nach 28 Jahren nicht mehr erinnern, dafür aber an die Aussage der damaligen Niddaer Schiedsrichter-Ikone Werner Becker. Dieser erkannte Höpps Talent als Jungschiedsrichter und gab ihm die Empfehlung, zugunsten einer Schiedsrichterkarriere das aktive Fußballspielen sein zu lassen. »Ich habe zwar immer Einsatzwillen gezeigt, doch eigentlich war ich ein Mitläufer auf dem Platz, weil andere mit dem Ball viel stärker waren«, blickt Volker Höpp mit einem Schmunzeln auf die Anfänge seines Hobbys zurück. Schon vier Jahre später pfiff er Partien in der heutigen Gruppenliga, im Jahr 1999 folgte der Aufstieg in die Verbandsliga. Höpp schaute genau hin, war wissbegierig. Vor der eigenen Haustüre lernte er viel von Matthias Kristek, auf der Bundesligaebene zählte Knut Kircher zu seinen Vorbildern.

Unzählige Spiele im Jugend- und Seniorenbereich hat der Schiedsrichter seither gepfiffen, zwei davon sind ihm in besonderer Erinnerung geblieben. Im Jahr 2005 leitete Volker Höpp ein Freundschaftsspiel des Bundesligisten VfB Stuttgart in Ober-Schmitten und vor zwei Jahren war er auserkoren, das »Rekordspiel« im Kasseler Auestadion zu pfeifen. Über 15 000 Zuschauer weilten seinerzeit beim beworbenen Hessenliga-Derby zwischen dem KSV Hessen Kassel und dem KSV Baunatal auf den Rängen.

Danken möchte Höpp den Arbeitskollegen des Therapiezentrums Weber in Kohden. Manche Spielansetzung sorgte schließlich für innerbetrieblichen Umplanungsbedarf.

Volker Höpp schaute in all den Jahren nicht nur auf die eigene Schiedsrichter-Karriere, sondern engagierte sich auch in der Büdinger Kreisschiedsrichter-Vereinigung. Dort war der Dauernheimer unter anderem stellvertretender Schiedsrichterobmann und Kreislehrwart.

Welchen Rat hat er für jüngere Kollegen? »Als Schiedsrichter sollte man meinungsstark, aber auch selbstkritisch sein.« Als Lehrwart bleibt der Physiotherapeut der Büdinger Vereinigung erhalten, auch auf Verbandsebene ist der 47-Jährige im Lehrwesen tätig.

Da Höpp weiterhin Spiele bis zur Gruppenliga leiten darf, könnte er dort für junge Talente eine Art Mentor sein. »Seine Expertise ist für uns sehr wertvoll. Volker ist ein sehr akribischer Schiedsrichter, der auf dem Platz mit den unterschiedlichen Charakteren sehr gut zurechtkommt«, beschreibt Kreisschiedsrichterobmann Sebastian Poth seinen langjährigen Kollegen, der aktuell neben Regionalliga-Schiedsrichter Marius Ulbrich (Büdingen) und der in der zweiten Frauenfußball-Bundesliga zum Einsatz kommenden Julia Boike (Altenstadt) ein Aushängeschild der Büdinger Vereinigung ist. Und auch ohne künftige Einsätze in der Hessen- und Verbandsliga wird Volker Höpp das bleiben.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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