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Nach Flut an Absagen: So reagiert der Kreisfußballausschuss

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Von: Michael Nickolaus

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Karl-Ernst Kunkel ist seit dem vergangenen Herbst Kreisfußballwart in Friedberg. FOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Kreisfußballwart Karl-Ernst Kunkel spricht im Interview über Fairplay, Solidarität und künftige Strafen.

(mn). Karl-Ernst Kunkel spricht von »großen Bauchschmerzen«, von einer »Charakter-Frage«. Die Zahl der Spielabsagen im Fußballkreis Friedberg hat - gerade in den vergangenen Wochen - völlig neue Dimensionen angenommen. »Da müssen wir reagieren und entgegegensteuern«, sagt der Kreisfußballwart. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der Melbacher über den Fairplay, über Sanktionen und die Solidargemeinschaft im Amateurfußball.

Wie wird die Entwicklung der vergangenen vier bis sechs Wochen im Kreisfußballausschuss bewertet?

Wir sind darüber extrem sauer. Das ist unfair; dem jeweiligen Gegner als auch der Liga gegenüber, weil es vielfach Einfluss nehmen kann. Teilweise werden Spiele abgesagt, die sicher nicht hätten abgesagt werden müssen. Da nimmt man gegen stärkere Mannschaften lieber null Punkte und drei Gegentore in Kauf, als sich mit dem Risiko einer höheren Niederlage dem sportlichen Wettbewerb zu stellen. Gerade die Spiele von den jeweiligen Top-Mannschaften wie Kaichen, Dorheim und Rodheim wurden zuletzt mehr und mehr von den Gegnern abgesagt. Aktuell haben wir rund 80 Nicht-Antritte. Gewöhnlich liegt diese Zahl klar unter 50. Da müsen wir reagieren und entgegensteuern.

Inwiefern führen Sie die Absagen auf die Pandemie und den Spielrhythmus zurück?

Wir hatten einen milden Winter. Da sind mir noch ganz andere Jahre in Erinnerung, in denen sich die Zahl der Spiele im Frühjahr deutlich gehäuft hatte. Am Spielrhythmus und der Zahl der Partien sollte es also nicht liegen. Corona kann durchaus eine Rolle spielen. In diesen Monaten hat vielleicht der eine oder andere die Lust etwas verloren, sind die Kader in der Tiefe nicht mehr so besetzt.

Haben Sie denn auch in irgendeiner Weise Verständnis?

Das Verständnis ist sehr gering. Das ist auch eine Charakter-Frage. Die heutige Generation ist auch eine andere als zu meiner aktiven Zeit. Da gab’s einen Spielplan - und diese Termine waren gesetzt. Heute gibt’s ein anderes Freizeitangebot, da haben die Spiele nicht mehr die Priorität. Dennoch gibt’s beispielsweise in der C-Liga die Möglichkeit, im Norweger-Modell zu spielen. Aber auch das wird nicht immer angenommen.

Wie lässt sich dem Trend entgegenwirken? Mit Appellen? Mit Sanktionen?

Natürlich appellieren wir zunächst einmal an die Fairness. Das fängt bei der Torschützenliste an. Da kann ein Spieler vielleicht kein Torjäger in seiner Liga mehr werden, weil der Gegner erst gar nicht antritt. Mehrfach wurden Vereine um ihr Spiel zum Titelgewinn gebracht. Wer auf dem Spielfeld den letzten Schritt zur Meisterschaft macht, der feiert doch ganz anders als zu Hause auf der Couch. Da werden Klubs und Spieler um seltene, für manchen vielleicht einmalige Momente gebracht. Anderserits kann auch der Abstiegskampf beeinflusst werden. Dann kommt noch die Lustlosigkeit dazu, Auswärtsspiele zu bestreiten. Das ist unsolidarisch. Zwar gibt es Geldstrafen, aber auch das interessiert die wenigsten. Das Kreissportgericht kann dann zwar Urteile sprechen, ist aber nicht zuständig für die Abwicklung.

Wie sind Spielabsagen generell geregelt?

Bis zwei Tage vor dem Spiel sind Absagen möglich. Man spricht dann von einem genehmigten Nicht-Antreten, sofern der Klassenleiter zustimmt. Das ist zugleich straffrei. Bislang wurde das auch mehr oder weniger so durchgewunken. Das werden wir künftig nicht mehr machen, sondern die Gründe prüfen. Trifftige Argumente kann es immer geben, aber das muss eben auch transparent nachvollziehbar sein. Da werden wir natürlich weiterhin im Sinne der Vereine agieren. Auch ist es eine Option, die Geldstrafen zu erhöhen. Diese Entscheidung obliegt dem Kreissportgericht.

Welche weitere Handhabe gibt es?

Das ist nur wenig möglich. Die Satzung steht über allem. Punkteabzüge beispielsweise oder höhere Spielwertungen als 0:3 sind nicht aktuell auf Kreisebene nicht umzusetzen. Allerdings werden wir uns Gedanken machen, ob wir beim nächsten Verbandsfußballtag Anträge in diese Richtung stellen werden.

Bröckelt die Solidargemeinschaft im Amateurfußball?

Das Miteinander ist schlechter geworden. Das lässt sich sicher sagen. Ich habe auch schon erlebt, dass ein Verein den Gegner um eine Spielverlegung um zwei Tage auf den nächsten Trainings-Dienstag gebeten hat. Das wurde abgelehnt. Ebenso gab’s eine Absage, weil ein Klub einige Stunden zu spät angekündigt hatte, im Norweger-Modell spielen zu wollen. Das ist zwar legitim, doch, wenn man gerne Fußball spielt, dann spielt man doch auch zu neunt, egal, wann der Gegner anruft.

Spielt der Erfolg von Eintracht Frankfurt ebenfalls eine Rolle?

Wenn die Eintracht spielt, haben’s manche Klubs schwer, eine Mannschaft zu stellen, da fünf, sechs Leute ins Stadion fahren oder das Spiel im TV verfolgen. Die Wertigkeiten haben sich verschoben.

Ist der Trend, Spiel abzusagen, auch im Nachwuchs-Spielbetrieb erkennbar?

Da gab es bislang keine fünf Urteile in diesem Zusammenhang. Viele Spiele werden im Dialog verlegt. Da klappt die Kommunikation offenbar besser als bei den Aktiven.

In den »Friedberger« Ligen waren die Vorentscheidungen außergewöhnlich früh gefallen. Inwiefern hat dies Einfluss genommen?

Es ist richtig, dass sich die Absagen gerade in den vergangenen Wochen gehäuft haben. Aber, ich spiele doch Fußball, weil es mir Sapß macht und höre nicht auf, nur weil ich nicht mehr Meister werden kann. Ein Fußballer in dieser Liga sollte doch gerne zu seinem Sport gehen und nicht weil er muss. Und dann habe ich doch auch den Ehrgeiz, eine Saison zu Ende zu spielen.

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