1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Nach Krebs-Erkrankung: Fußball-Leidenschaft als Therapie

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

_124349_4c_1
Albert Repp © Red

Albert Repp, lange Jahre für den FV Bad Vilbel in der Fußball-Oberliga Hessen am Ball, strebt nach seiner Erkrankung die Rückkehr in das Trainergeschäft an.

(fra). Auf dem Fußballplatz galt Albert Repp als filigraner Techniker. Der langjährige Hessenligaspieler machte sich als begnadeter Zehner und gefürchteter Freistoßschütze einen Namen. In den zurückliegenden Monaten war das Kämpferherz des mittlerweile 58-jährigen Trainers gefragt. Die Gegner trugen keine Fußballtrikots, sondern waren Tumore und Metastasen. Albert Repp legte sein Traineramt beim Büdinger Kreisoberligisten SG Nieder-Mockstadt/Stammheim nieder und stemmte sich gegen den Krebs. »Ich war eigentlich schon dreimal tot«, redet der Ostheimer rückblickend gefasst über eine dramatische und schwere Zeit.

Im Jahr 2016 klopfte die Krankheit erstmals an. Schwarzer Hautkrebs hieß die Diagnose. Albert Repp arrangierte sich, ließ sich geduldig behandeln. Repp ging weiter seinem Beruf als selbstständiger Landschaftsgärtner nach, übernahm als Trainer den damaligen Verbandsligisten SG Bruchköbel. Im Jahr 2021 kam es dann für den Fußballtrainer knüppeldick. Drei Gehirntumore erforderten mehrere Operationen, zwischenzeitlich fing sich Repp einen Krankenhaus-Keim ein, lag einige Zeit auf der Intensivstation, kämpfte um sein Leben. »Ohne meine Frau Kathrin und ohne meine Ärztin Frau Dr. Göppner hätte ich das alles nicht geschafft«, ist Repp über die genUnterstützung sehr dankbar.

Die Tatsache, dass sich der 58-Jährige entgegen schlimmster Befürchtungen ins Leben zurückgekämpft hat, bezeichneten seine Ärzte als kleines Wunder. »Von zehn Patienten überleben acht eine ähnlich gelagerte Diagnose nicht«, berichtet er von einem Arztgespräch. In die Klinik nach Gießen muss der Patient nur noch zu seinen regelmäßigen Nachuntersuchungen. Lange Spaziergänge mit Husky-Hündin Kyra und Fahrradfahren sind fest in den Tagesabläufen verankert. Fußballspiele hat er sich auch wieder angeschaut. »Ich will auch wieder als Trainer arbeiten, denn ich möchte meinen Abgang vom Sportplatz selbst bestimmen und das nicht eine Krankheit entscheiden lassen.«

Eine Aussage, die überrascht, schien es doch so, als sei das Engagement bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim der letzte Trainerjob des Vollblutfußballers, der angefangen über eine lange Spielertrainerzeit beim VfB Großauheim in den vergangenen Jahren überwiegend in den Kreisen Hanau, Gelnhausen und Büdingen für mehrere Vereine an der Bande stand. Er wolle sich voll und ganz auf seine Genesung konzentrieren, sagte er dieser Zeitung vor einigen Monaten. Über den Amateurfußball hat sich der langjährige Trainer in Krankenstand und Reha immer auf dem Laufenden gehalten. In der Zuschauerrolle gefällt sich Albert Repp aber allenfalls vor dem Fernsehgerät und der Samstagskonferenz der Bundesliga. Es juckt wieder in den Füßen. »Ich war 50 Jahre durch und durch Fußballer, solch eine Leidenschaft kann man nicht einfach abschütteln.« In der kommenden Saison wäre Albert Repp wieder bereit, wenn ein Verein seine Hilfe bräuchte. In den untersten Ligen möchte der frühere Spielmacher des FV Bad Vilbel aber keine Fußballer anleiten. »Gruppen- oder Kreisoberliga sollten die Vereine spielen«, hat der Übungsleiter klare Vorstellungen. Der Fußball soll den Genesungsprozess forcieren, genauso ist Repp davon überzeugt, dass ihn seine Vergangenheit als Sportler am Leben gehalten hat. »Ohne den Siegeswillen, den ich auch als Fußballer hatte, hätte ich es womöglich nicht geschafft.«

Auch interessant

Kommentare