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Mutter über Wechsel von Ausnahmetalent nach Berlin: »Müssen Hype reduzieren«

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Von: Michael Stahnke

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Josi Neumann tauscht demnächst das Trikot des TSV Langstadt mit dem des TTC Berlin eastside. IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Josephina Neumann hat sich für einen Wechsel nach Berlin entschieden. Das langfristige Ziel heißt Bundesliga. Mutter Cornelia Neumann-Reckziegel will zunächst einmal Druck von ihr nehmen.

Der Wechsel von Ausnahmetalent Josephina Neumann aus Petterweil zum Bundesligisten TTC Berlin eastside hat national, aber auch international für Aufsehen gesorgt, denn noch nie hat in Deutschland eine Zwölfjährige oder ein Zwölfjähriger in der Tischtennis-Bundesliga gespielt. Mutter und Mit-Trainerin Cornelia Neumann-Reckziegel spricht im Interview über die Hintergründe der Entscheidung und erklärt, warum für ihre Tochter in der neuen Umgebung nicht etwa die sportlichen Ergebnisse im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Gewöhnung und das Lernen.

Frau Neumann-Reckziegel, wie kam es zu dem Wechsel Ihrer Tochter?

Berlin ist an uns herangetreten mit dem Ziel, Josi langfristig zu fördern, um später eine Topspielerin zu haben. Somit gibt es derzeit keinen Druck. Es geht nicht um Geld, nicht um Rekorde, nicht um höher, schneller, weiter, sondern darum, einen Verein gefunden zu haben, der richtig Lust hat, Josi aufzubauen. Der Verein wird sie individuell fördern, die Arbeit des Verbandes wird davon unberührt bleiben.

Warum haben Sie mit Josi Langstadt verlassen, obwohl dies ebenfalls ein Bundesliga-Verein ist?

Weil das Konzept zur individuellen Förderung aus Berlin hochprofessionell und interessant war.

Wie kommt Ihre Tochter immer nach Berlin?

Die Verbindungen mit dem Zug oder dem Flugzeug nach Berlin sind hervorragend. Außerdem wird sie ja nicht alle Partien absolvieren und auch nicht nur die Heimspiele in Berlin.

Was steht in den nächsten Monaten im Vordergrund?

Es geht für sie nur darum, viel zu lernen. Und sie wird bei jedem Spiel und wohl auch bei vielen Niederlagen lernen. Josi wird viele internationale Einsätze haben und nach Möglichkeit auch einen langen Trainingsblock. Der langfristige Aufbau steht im Vordergrund. Die Neuordnung im Tischtennis mit den WTT-Turnieren sorgt dafür, dass der Fokus nicht mehr so sehr auf dem Mannschaftsspielbetrieb liegt. Hierbei wird Josi mit einer langfristigen Perspektive von Berlin Eastside unterstützt.

Wie kooperiert die Schule in Frankfurt?

Das klappt hervorragend. In der Schule selbst hat sie kein Tischtennis. Aber sie wird für jede Veranstaltung freigestellt, sie hat den Shuttle-Service zum Training ins Leistungszentrum des HTTV. Die Schule gibt ihr Aufgaben, die sie selbst bearbeitet, und es gibt Fernunterricht.

Wie sieht es sportlich und mental derzeit bei Josie aus?

Sie kann inzwischen ganz anders mit Niederlagen umgehen, was auch notwendig sein wird, da die beiden ersten Jahre nur zum Lernen sein werden, obwohl sie inzwischen auch unglaublich gut spielt. Wir müssen jetzt alles tun, um den Hype zu reduzieren, der aufgetreten ist. Aber auch der wird irgendwann wieder vorüber gehen, und dann ist das ganz normal. Sie hat immer noch etwas Angst, zu verlieren. Dies ist aber verständlich, denn sie ist in einer wirklich schwierigen Situation. Normalerweise bis du mit zwölf Jahren die Jägerin, aber sie ist schon die Gejagte. Und wenn sie ein Spiel verliert, wird in den entsprechenden Foren gleich darüber geschrieben. Alle können es lesen und bekommen die Niederlagen mit. Bei einem Timo Boll wussten dies zu Beginn seiner Bundesliga-Zeit immer nur sehr wenige Leute. Aber Josi hat kein Instagram, sodass sie auch nicht alles lesen muss.

Wie sind eigentlich die langfristigen Pläne Ihrer Tochter?

Sie möchte nach wie vor Profi werden. Wenn das nicht klappt, hat sie durch Tischtennis bereits jetzt so viele Dinge erlebt wie sonst wohl kaum jemand in ihrem Alter. Sie tauscht sich mit anderen Kindern, die sie auf Turnieren kennenlernt, auf Englisch aus. Und sie hat beim Kindertraining in Okarben so viel Spaß beim Balleimertraining mit den anderen Kids, dass auch im Tischtennis selbst noch andere Möglichkeiten entstehen könnten. Aber wer weiß das schon FOTO: PRIVAT

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Cornelia Neumann-Reckziegel © pv

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