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Stephan Flauder ist nicht nur Kapitän, sondern mit Einsätzen in allen Punktspielen auch der Dauerbrenner beim OFC. IMAGO

OFC-Motor läuft fast durchgehend rund

(jmo). Ein bemerkenswertes erstes Halbjahr hat Kickers Offenbach in der Fußball-Regionalliga Südwest hinter sich - und angesichts von nur zwei Zählern Rückstand auf die Tabellenspitze (bei einem Spiel weniger) ein spannendes zweites Halbjahr vor sich.

Aus der ursprünglichen Devise, den Kader der Vorsaison punktuell zu verstärken, wurde schließlich doch ein formidabler Umbau. 14 Spieler gingen, 13 Neue kamen hinzu. OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik hatte als Grund dafür den Wunsch nach einem breiteren Kader genannt. Was anfangs für das eine oder andere Sandkörnchen im mannschaftlichen Getriebe gesorgt hatte, entpuppte sich im Laufe der Saison als wichtig und richtig. Je besser das neu formierte Team und Trainer Sreto Ristic zueinander fanden, umso besser lief es für viele Neue. Osarenren Okungbowa etwa hatte als Sechser einen schweren Stand, überzeugte dann aber als Innenverteidiger nach den Ausfällen von Malte Karbstein und Moody Chana.

Das große Problem der vergangenen Runde löste sich beim OFC scheinbar nach zwei Spielen in Luft auf. In Partien gegen die Topteams hatten die Kickers 2020/21 regelmäßig schlecht ausgesehen. Nun aber gewannen sie zum Auftakt 1:0 gegen den FC Homburg - und 2:1 in Elversberg. Die Euphorie war groß, erhielt aber einen ersten Dämpfer durch das 1:2 gegen den SSV Ulm.

Im September stotterte der OFC-Motor erheblich. Nur zwei Siege gab es in sechs Partien. Dafür aber nach dem 0:2 beim FSV Mainz 05 II auch noch eine 0:1-Pleite gegen Schlusslicht Schott Mainz. Danach war ordentlich Druck auf dem Kessel. Die Trainerfrage wurde gestellt - und vom Präsidium eindeutig beantwortet. »Es ist allen bewusst, dass wir schnellstmöglich aus diesem Tal rausmüssen. Allerdings ist aktuell keinem damit geholfen, einen Schuldigen zu suchen«, sagte Präsident Joachim Wagner. Der Vertrauensbeweis sollte sich schnell auszahlen.

Der Oktober war dann wahrhaft golden: Das 2:0 in Pirmasens hatte Ristic noch als »kleinen, aber wichtigen Schritt« bezeichnet. Es folgten fünf weitere Siege - und eine makellose Gesamtbilanz in diesem Monat mit 18 Punkten und 20:1 Toren. Höhepunkt war der 4:0-Erfolg gegen den TSV Steinbach Haiger. Bis Weihnachten kamen in sechs weiteren Partien zwölf Zähler hinzu. Beim 2:3 in Großaspach und beim 0:1 in Ulm schlug sich der phasenweise klar überlegene OFC gewissermaßen selbst.

Die turbulenten Tage nach der Schlappe gegen Mainz produzierten einige Aufregungen. Höhepunkt war eine Pressekonferenz vor dem Spiel in Pirmasens, in der Stephan Flauder erst ein flammendes Plädoyer für mehr Zusammenhalt hielt, dann aber Fans und Presse kritisierte. Knapp zwei Monate später produzierten die Kickers längst wieder positive Emotionen. Nach dem überzeugenden 3:1 gegen Titelkonkurrent SV Elversberg feierten 5173 Zuschauer am Bieberer Berg ein Team, das mit Vorstellungen wie jenen unter Beweis stellte, reif zu sein für die Meisterschaft und die Rückkehr in die 3. Liga.

Taktik im Mittelfeld erfolgreich geändert

Trainer Ristic zählt zweifellos zu den Gewinnern in Offenbach, weil er zeigte, dass er auch Krisen moderieren kann. Er veränderte die taktische Ausrichtung seines Mittelfeldes, weg von einem starren Sechser mit Osarenren Okungbowa, hin zu einer flexiblen Raute mit Tunay Deniz als defensivem Taktgeber, der zu Vorjahresform und Torgefahr fand. Gleiches gilt für Denis Huseinbasic und Florent Bojaj. Sie alle profitierten auch vom Aufschwung eines Mannes, der als Letzter der 13 Neuen gekommen war: Rafael Garcia. Der Linksaußen ist mit fünf Toren und sechs Vorlagen zu einem wichtigen Faktor geworden.

Dejan Bozic entwickelte sich schnell zu Offenbachs Mann für besondere Momente. In den ersten sieben Partien erzielte er fünf der acht OFC-Tore, darunter das 2:1 in Elversberg. Der schönste seiner acht Treffer war das Führungstor per Fallrückzieher beim 2:0 gegen Astoria Walldorf.

Zu den wenigen Verlierern dürfte Davud Tuma gehören: In der letzten Saison noch in 34 von 42 Spielen aufgeboten, kommt er seit der Verpflichtung von Garcia kaum zum Zuge. In elf Partien blieb der Linksfuß ohne Torbeteiligung. Ein Wechsel im Winter ist nicht ausgeschlossen.

Als Dauerbrenner beim OFC kann definitiv Torwart und Kapitän Stephan Flauder gelten. Er fehlte in keinem Punktspiel, pausierte nur im Hessenpokal einmal. Getoppt wird er nur von Sebastian Zieleniecki. Der Pole hat seit seinem Wechsel im Winter 2020 keine Minute Einsatzzeit beim OFC verpasst.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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