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Projekt Hoffnung in Gießen

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Die Gießen 46ers starten am Samstag mit einem Gastspiel bei den Eisbären Bremerhaven in die neue Zweitliga-Spielzeit. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga geht man in der ProA zum zweiten Mal an den Start. 2015 war der Wiederaufstieg gelungen.

Jetzt geht es ans Eingemachte für die Gießen 46ers. Nach dem zweiten Bundesliga-Abstieg nach 2013 muss man nun in der zweiten Basketball-Bundesliga ProA einen Neuaufbruch starten - und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Hinter dem Verein liegen vier harte Jahre mit mehreren Wechseln auf Trainer- und Managerposten. Als Coach tritt der erfahrene Branislav »Frenki« Ignjatovic in die Fußstapfen von Pete Strobl, der das Ruder im letzten Pleiten-Pech-und-Pannen-Jahr nicht herumgerissen bekam. Geschäftsführer und Sportdirektor blieb Sebastian Schmidt, der aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. Ein Neustart war nach dem Abstieg für den 36-Jährigen erforderlich, der dafür zuerst Klarheit auf dem Trainerposten schaffte. Kaderzusammenstellung und Saisonvorbereitung schüren bei den Fans Aufbruchsstimmung. Statt dem Prinzip »Hoffnung« stehen die Weichen auf »Projekt Hoffnung«.

Kommen/Gehen: Der Kader wurde auf fast allen Positionen runderneuert. Neben Perspektivspielern wie Finn Döntgens blieb allein Maximilian Begue an der Lahn. Nach dem schwachen Abschneiden der Vorjahre ist das allerdings keine schlechte Nachricht in den Ohren der 46ers-Fans. »Ein Neustart war nötig«, erklärt Manager Sebastian Schmidt. Sein Augenmerk lag dabei zunächst auf einem geeigneten Mann für den Trainerposten.

Mehrere Kandidaten standen auf der Liste des 36-Jährigen: »Als sich aber abzeichnete, dass es für ›Frenki‹ in Heidelberg nicht weitergeht, war er unser Wunschkandidat.« Ignjatovic zelebriert einen defensiven Spielstil, wie man ihn in der Osthalle lange nicht gesehen hat. »Daran werden sich die Fans erst gewöhnen müssen«, sagte er nach dem Testsieg über die Pointers Anfang September. Geht die Strategie so auf, wie in der Saisonvorbereitung, dürfte die defensive Marschroute in Mittelhessen aber eher offene Türen einrennen. Stellvertretend steht dafür Center Stefan Fundic. Mit einer Körperlänge von »nur« zwei Metern ist der Serbe recht klein. Hustle und - man kann das nicht anders sagen - »Reboundgeilheit« von Fundic sorgten in den Tests für Verzückung auf den Rängen. Mit Roland Nyama und Aufbauspieler Jordan Barnes, der in Paderborn zuletzt Fabelzahlen auflegte, hat man zwei weitere Trümpfe in der Hinterhand.

Stärken/Schwächen: Unterm Brett wirkten die 46ers in der Vorbereitung unterbesetzt. Ignjatovic vertraute hier nicht allein auf den Einsatzwillen seiner Schützlinge. Stattdessen wurde mit Igor Cvorovic ein weiterer Innenspieler aus Montenegro an die Lahn geholt, der mit seinen 2,06 Metern buchstäblich Länge in den Kader bringen soll. Der Center kam aber erst in der Woche vor dem ersten Spiel in Gießen an und muss noch integriert werden. Die Rotation ist darauf angewiesen, dass alle möglichst fit bleiben. Ein Qualitätsgefälle in der »zweiten Fünf« ist nicht von der Hand zu weisen. Viele Nachwuchsspieler aus der eigenen Jugend werden das alleine nicht auffangen.

Die Fans: Die erfolglosen Jahre haben Narben hinterlassen. Gepaart mit der Pandemie, die die Auslastungszahlen in fast allen Sportarten drückte, ist das bedrohlich. Nach dem Wiederaufstieg strömten 2015 im Schnitt 3500 Menschen in die Osthalle. Im Corona-Jahr 2020 waren es noch 3200. Es folgte eine Saison ohne zugelassene Fans, was zur Entwöhnung führte. 2022 kamen im Schnitt nur 1300 Leute zu den Spielen der 46ers, wobei die Kapazität massiv schwankte. Was Hoffnung macht, ist die Tatsache, dass ausgerechnet zum letzten Heimspiel gegen Chemnitz erstmals wieder über 2000 Fans ihren Weg in die Halle fanden. Der harte Fankern ist den 46ers treu geblieben. Ob diese Zahl dauerhaft bestätigt werden kann, wird eine der großen Fragen der Saison sein.

Der Trainer: Ignjatovic ist ein Trainer der alten Schule. Zuletzt coachte er acht Jahre lang den USC Heidelberg, zuvor war er sechs Jahre in Kirchheim. Der 56-Jährige ist ein Freund der offenen Worte. Als das letzte Testspiel in Hagen knapp verloren wurde, schien ihm das fast in die Karten zu spielen. »Es war eine Niederlage zur richtigen Zeit«, so der Coach, der die Erwartungen klein zu halten versucht: »Ich will niemandem das Träumen verbieten, aber ich wäre mit einem einstelligen Tabellenplatz zufrieden. Das wäre Belohnung für die Gießener Fans, denen sportlich nicht viel geboten war.« Der Routinier kennt die Mentalität der »Gießener Typen«: »Sie wollen Leute, die kämpfen.« Gleichzeitig warnt er: Die Verletzungen in der Saisonvorbereitung kosteten Körner. Regelmäßiges Training im Fünf-gegen-Fünf war die Ausnahme.

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