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Rote Teufel als Vorreiter

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Die Roten Teufel Bad Nauheim preschen vor: Als erster Verein in Hessen bietet der Eishockey-Klub nun auch ein eigenes Training nur für Mädchen an. Ziel ist, eigene Mannschaften aufzubauen.

(pm). Die Eisfläche bleibt im Colonel-Knight-Stadion nie lange frei. Die Roten Teufel nutzen die kurze Länderspielpause der Eishockey-Profis und gehen während der freien Eiszeit neue Wege. Als erster Verein in Hessen bieten die Roten Teufel nun auch Mädchen ein eigenes Training an. Heute werden sämtliche Mädchen, die im Verein schon trainieren und spielen, eine erste gemeinsame Eiszeit verbringen. Gut 20 Mädchen haben sich angemeldet, um aus allen Altersklassen gemischt zusammen zu trainieren. Künftig soll diese Einheit regelmäßig stattfinden.

»Wenn wir alle Mädchen zusammenzählen, die bei uns in Laufschule, U7, U9, U11 und U13 spielen, dann kommt da schon eine beeindruckende Zahl zusammen«, sagt Jens Mörschel, der sportliche Leiter und dritte Vorsitzende des Nachwuchsvereins. Dabei laufen sie nicht einfach nur mit. »In manchen Mannschaften zählen die Mädchen schon heute zu den Leistungsträgern.« Das überrascht allerdings nur auf den ersten Blick, denn gerade junge Mädchen stehen den Jungs körperlich nicht nach, sind in der Regel aber den Jungs desselben Alters mental eindeutig voraus.

Das will der Verein nun fördern und besonders in den unteren Jahrgängen Mädchen gezielt ansprechen. Anfangs ist geplant, dass die Mädchen in den unteren Jahrgängen zusammen mit den Jungs trainieren und spielen. Doch später sollen in den oberen Altersklassen eigene Mädchen-Mannschaften entstehen. Vor allem, wenn die Jungs in die Pubertät kommen, fällt es vielen Mädchen schwer, körperlich mitzuhalten. Da bieten sich dann eigene Mädchenmannschaften an.

Auch der Deutsche Eishockey Bund (DEB) hat Mädchen als neue Zielgruppe entdeckt. Dazu hat sicher die Begeisterungswelle beigetragen, die im Fußball die Frauennationalmannschaft bei der WM diesen Sommer ausgelöst hat. Auch im Eishockey gibt es Vereine, die schon Mädchenmannschaften aufstellen. Doch ist ihre Zahl noch relativ gering. In der Frauen-Bundesliga treten sechs Mannschaften gegeneinander an. »Wir sind der erste Verein in Hessen, der damit beginnt, ein eigenes Training für Mädchen anzubieten«, sagt Mörschel.

Viele Vereine scheuen bisher den Aufwand. Trainingskonzepte und die internen Regeln müssen angepasst werden. So gilt es beispielsweise, klare Vorgaben zu treffen: Wer darf wann in die Kabine gehen, wenn Mädchen dabei sind? Wie stark sollen Mädchen und Jungs getrennt werden? Welche Regeln gelten für die Duschen? Für all diese Fragen haben die Roten Teufel ein Konzept entwickelt, das nun Schritt um Schritt verwirklicht werden soll.

Die größte Herausforderung ist jedoch, Eiszeiten freizumachen, damit die Mädchen regelmäßig gemeinsam trainieren können und auch so etwas wie Girls Power entwickeln. »Solange wir nur im Colonel-Knight-Stadion trainieren können, sind wir in unseren Möglichkeiten sehr eingeschränkt«, räumt denn auch Mörschel ein. »Sobald aber ein neues Stadion mit zwei Eisflächen steht, können wir mit Mädchen-Eishockey richtig loslegen, und darauf bereiten wir uns jetzt schon vor.«

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