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Sarah Bormann: Vor dem Kampf um den WBC-Silver-Titel

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Box-Weltmeisterin Sarah Bormann aus Nidderau will am Samstag in Ludwigshafen ihre Position festigen. © Red

Sarah Bormann aus Nidderau boxt in Ludwigshafen gegen die Mexikanerin Elizabeth Lopez Corzo. Dabei geht es um den WBC-Silver-Titel im Minimumgewicht.

(cd). Für ihren Manager Rainer Gottwald ist die Sache klar: Sarah Bormann von der TG Hanau sei derzeit »die beste deutsche Boxerin«. Denn: »Sie ist in der Lage, in drei Gewichtsklassen zu boxen und zu gewinnen.« Allerdings hat den WBC-Titel im Minimumgewicht weiterhin eine andere Deutsche inne: die 30 Jahre alte Tina Rupprecht aus Augsburg. Die Nidderauerin Bormann versucht seit über zwei Jahren vergeblich, sie herauszufordern. Im Interview spricht die 32-Jährige über diese Konstellation, ihre am Wochenende in Ludwigshafen anstehende Titelverteidigung (WBC-Silver) sowie das Leben als boxende Bäckerei-Verkäuferin.

Sarah Bormann, Sie sind offizielle Profi-Boxerin. Darunter stellt man sich eigentlich jemanden vor, der mit Sport seinen Lebensunterhalt verdient.

Die Zeiten, in denen man in Deutschland als Profi vom Boxen leben konnte, sind vorbei. Das war bei Henry Maske und Regina Halmich noch der Fall, aber danach ging es bergab. Ich arbeite 45 Stunden pro Woche in der Bäckerei. Dazu kommen 25 bis 30 Stunden pro Woche Training. Da bleibt nicht viel Freizeit.

Was treibt Sie an?

Ich denke, das hat alles mit der Einstellung zu tun. Es gibt Leute, die sich nur auf den Sport konzentrieren können und trotzdem Tag und Nacht trainieren. Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich dennoch jeden Morgen Joggen gehen.

Zu Ihrem Trainingsprogramm gehört auch Schwimmen. Was hat es damit auf sich?

Da ist eine ganz andere Atemtechnik gefragt, beim Bahnentauchen muss man zum Beispiel die Luft anhalten. Es hilft mir und ist zum Beispiel gut für die eine Minute Pause, die ich beim Boxen zwischen den Runden habe.

In anderen Sportarten finden Weltmeisterschaften nur alle paar Jahre statt. Für Sie steht nun nach nur vier Monaten bereits der nächste WM-Kampf an.

Ja, und ich bin froh darüber. Nach 2019 herrschte ja corona-bedingt ein bisschen Stillstand. 2021 hatte ich nur einen Kampf. Das ist mir zu wenig. Mir wäre es lieb, wenn ich dreimal im Jahr boxen könnte. Eventuell ergibt sich im Dezember noch eine Möglichkeit.

Auf den Kampf um den WBC-Gold-Titel im Minimumgewicht gegen Tina Rupprecht müssen Sie aber wohl weiter warten.

Das Problem ist, dass sie erst einen Vereinigungskampf gegen eine Weltmeisterin eines anderen Verbandes absolvieren will. Und Vereinigungskämpfe gehen stets vor. Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als meinen WBC-Silber-Titel zu verteidigen, um meine Position als Pflichtherausforderin zu festigen.

Die Chance, den WBC-Titel zu holen, wird Ihnen seit über zwei Jahren verwehrt. Wie belastend ist das für Sie?

Ich warte einfach so lange, bis ich die Nummer eins bin. Bei der International Boxing Federation ist es ähnlich. Ich muss geduldig bleiben.

Welchen Stellenwert hat vor diesem Hintergrund Ihr Kampf am Samstag?

Es ist gut, wieder in den Ring zu steigen. Jeder Kampf beschert einem wertvolle Erfahrungen. Und jeder Sieg festigt meine Position.

Sie treffen auf Elizabeth Lopez Corzo. Was erwartet Sie in diesem Duell?

Sie kommt wie meine letzte Gegnerin aus Mexiko, mit dem Unterschied, dass sie Rechtsauslegerin ist. Mexikanerinnen arbeiten viel nach vorne. Sie ist jedoch mit 1,45 Metern sehr klein, das macht es schwieriger. Da muss man gut vorbereitet sein.

Wie kann das gelingen?

Ich habe im Training gegen gute Jugendliche geboxt, die kleiner sind. Das kann man mit ein bisschen Sparring simulieren. Und bei Übungen am Sandsack muss man sich weiter unten orientieren.

In Offenbach haben Sie zuletzt vor der Haustür geboxt. Müssen Sie sich in Ludwigshafen umstellen?

115 Kilometer Entfernung sind nicht die Welt. Ich werde auch dort von Familie und Freunden unterstützt, es werden aber natürlich nicht so viele sein wie zuletzt in Offenbach. Aber mir ist es eigentlich egal, wo ein Kampf stattfindet. Hauptsache, ich habe die Chance, mich auf hohem Niveau zu messen.

Hoch ist nicht nur das Niveau, sondern auch die Kosten. Ein WM-Kampf kostet schnell mal mehr als 20 000 Euro. Wie regeln Sie die Finanzierung?

Ja, da fällt einiges an - zum Beispiel für Offizielle und deren Unterkunft. Für den WM-Gürtel muss ebenfalls gezahlt werden. Das macht aber zum Glück alles mein Manager. Er kümmert sich unter anderem um Sponsoren. Im Boxen geht das nur mit vielen Gönnern.

Einige von Ihrem Manager betreute Boxer haben kürzlich ein Trainingslager absolviert. Sie waren nicht dabei. Warum?

Bei mir ging es einfach nicht. Ich muss arbeiten. Für meine Kämpfe bekomme ich zwar von meinem Arbeitgeber frei, aber der Großteil des Urlaubs geht dennoch für das Boxen drauf. Ich hatte mir aber mal eine Woche richtigen Urlaub gegönnt, um den Kopf freizubekommen.

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