1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

So lief der Hessenpokal-Abend von Türk Gücü Friedberg

Erstellt:

Von: Michael Nickolaus

Kommentare

_1724-7968-03_041122_4c
Im Laufduell: Dominik Wanner von Kickers Offenbach (links) und Daniel Henrich, Kapitän von Türk Gücü Friedberg. © Timo Jaux

1700 Zuschauer, Flutlicht, Kickers Offenbach! Diesen Hessenpokal-Abend wird man bei Türk Gücü Friedberg nicht vergessen.

(mn). Eine gute Stunde nach dem Schlusspfiff war die Grillkohle dann verglüht. Die letzten türkischen Köfte wurden noch verteilt. Am Catering-Eck auf dem Burgfeld kamen sie noch einmal zusammen. Trainer Enis Dzihic, der Sportliche Leiter Sinan Karanfil, Vereins-Chef Ramazan Kaplan und natürlich auch der eine oder andere Spieler. Hinter Türk Gücü Friedberg lag das größte Match der 34-jährigen Klubgeschichte. 1700 Menschen hatte die Pokal-Begegnung mit dem Regionalligisten Kickers Offenbach am Dienstag mobilisiert. So viele Zuschauer hatte ein Pflichtspiel in der Wetterau zuletzt in den 1990er-Jahren angelockt, damals in Bad Vilbel und Klein-Karben. Stolz sei man, sagte Furkan Kaplan, der Pressesprecher - trotz der 1:3-Niederlage. »Heute gehen wir mit einem Lächeln nach Hause.«

Binnen vier Jahren hatte Türk Gücü Friedberg nach dem Hessenliga-Aufstiegsspiel 2018 gegen den FSV Fernwald (2:1) und dem Vorjahres-Pokalspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden (1:0) für das dritte regionale Fußball-Fest gesorgt. »Respekt, was Ihr hier auf die Beine gestellt habt! Wir haben uns als Klub sehr wohl und als Gäste willkommen gefühlt. Und sportlich wurde uns alles abverlangt«, resümierte Ersan Parlatan, der OFC-Trainer mit türkischen Wurzeln.

Das frühe Gegentor habe den OFC »wachgerüttelt« und die Mannschaft daran erinnert, »die Bedingungen anzunehmen«, meinte der Gäste-Coach. Der tiefe Platz hatte unter den Augen von Ex-OFC-Profi Sead Mehic, Verbandsfußballwart Thorsten Bastian und Kreisfußballwart Karl-Ernst Kunkel kaum spielerische Aktionen, kaum Kombinationsfußball zugelassen. Vieles lief über Einzelaktionen oder Standard-Situationen.

»Pokal-Sensationen lassen sich nicht beliebig wiederholen. Da muss alles passen, da braucht man das Quäntchen Glück. Und man hat heute schon Unterschiede gesehen. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen«, bilanzierte derweil Sinan Karanfil. Mit dem ersten und für längere Zeit einzigen Torschuss, einem Elfmeter, waren die Gastgeber durch Toni Reljic in Führung gegangen (6.). Offenbach bestimmte danach das Spiel, Friedberg stand auf dem Burgfeld, das kaum Ballstafetten zuließ, tief und versuchte, mit langen Bällen auf Noah Michel immer wieder Nadelstiche zu setzen. Eine Standard-Situation war dem Ausgleich vor der Pause vorausgegangen.

Nach exakt einer Stunde war der Ball dann nach einem Konter zu Eray Eren gekommen, dessen Schuss strich haarscharf am langen OFC-Eck vor. Hier hätte die Partie kippen können. Ein Michel-Treffer wurde anschließend wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen. Quasi im Gegenzug, wieder nach einer Standardsituation, übernahm der OFC die Führung, traf schließlich vorentscheidend zum späteren Endstand. Erst jetzt waren die rund 600 bis 700 OFC-Fans auf der Gegengerade einmal deutlich zu hören. »Wir haben alles versucht. Wir haben eine gute Leistung gezeigt. Wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn wir ein zweites Mal in Führung gehen«, orakelte Alit Usic. Der 33-Jährige ist das TGF-Urgestein, von der Kreisoberliga an hat er den Klub begleitet, den Vorjahres-Pokalcoup hatte er nur als Zuschauer verfolgen können.

Apropos Zuschauer: Zweimal wurde im Türk-Gücü-Block gezündelt, nach den (Abseits-)Torerfolgen. Kaplan und Karanfil wiesen ihre Landsleute zwar rasch zurecht, der Hessische Fußball-Verband reagiert gewöhnlich aber recht empfindlich auf das Abbrennen von Pyrotechnik.

Für den Tabellen-Zweiten der Hessenliga gilt es nun, den Schalter wieder auf das Alltagsgeschäft umzulegen. Am Sonntag geht nach Walldorf. »Das ist jetzt meine Aufgabe, den Spielern zu vermitteln, mit der gleichen Einstellung in das Spiel zu gehen. Und das werden sie. Die Jungs haben Charakter und sind intelligent genug, das Pokalspiel abzuhaken.«

Auch interessant

Kommentare