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Sportschützenteam Wetterau will den Titel - und den Aufstieg

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Von: Dieter Pfeiffer

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Der Münzenberger Luc Dingerdißen geht auf Setzplatz fünf für das Team Wetterau an den Schießstand. © Dieter Pfeiffer

Mit dem Team Wetterau könnte die Region bald um einen Bundesligisten reicher sein. Die Schützen um Luc Dingerdißen kämpfen am Wochenende um die perfekte Saison in der 2. Luftgewehr-Liga.

Das Sportschützenteam Wetterau kann Geschichte schreiben. Am Sonntag steht für die heimische Luftgewehr-Mannschaft das Finale in der 2. Bundesliga West an. Als ungeschlagener Spitzenreiter ist das Ziel klar: Die Weste soll blütenweiß bleiben.

Als Sieger der Hessenliga war man vor zwei Jahren erst aufgestiegen. Nachdem im letzten Jahr die Saison komplett durch den Deutschen Schützenbund abgesagt wurde, konnte das Team erst in der laufenden Saison in der neuen Klasse antreten - und sorgte als Aufsteiger gleich für Furore. Keine Begegnung ging bisher verloren. Damit geht das Team Wetterau als Tabellenführer in das letzte Match der Saison, das am Sonntag (ab 10 Uhr) in Frankfurt stattfindet.

Der Rundenabschluss sollte eigentlich in der Mehrzweckhalle im Butzbacher Stadtteil Kirch-Göns durch das Team Wetterau ausgerichtet werden. Daraus wird aber nichts. »Wir hätten uns gerne vor heimischem Publikum präsentiert, aber wegen Corona war die gesundheitliche Sicherheit von Sportlerinnen, Sportlern und Zuschauern nicht planbar. Kurzfristig wurden daher die Wettkämpfe nach Frankfurt ins Leistungszentrum des Hessischen Schützenbundes verlegt - leider ohne Zuschauer«, teilte Vereinsvorsitzender Ralf Winter mit.

Dort hat das Team Wetterau seinen letzten Wettkampf gegen den SV Erdbach zu absolvieren, aktuell Tabellenletzter. Der zweite hessische Verein der Liga konnte bisher keinen Wettkampf gewinnen. Die gesundheitsbedingten Ausfälle von drei Stammschützen waren nicht zu verkraften, bei einigen Begegnungen fehlte dann auch das Quäntchen Glück. In Frankfurt will Erdbach das Match auf den Setzplätzen eins bis fünf mit Anne Schäfer, Merle Baucke, Irina Lauer, Fabienne Plaum und Lena Beul bestreiten.

Wenngleich die Wetterauer auf dem Papier Favorit sind, stehen die Chancen für die Truppe aus dem Lahn-Dill-Kreis nicht ganz so schlecht. Merle Baucke und Anne Schäfer sind in dieser Saison eine starke Stütze für die Mannschaft. Baucke konnte als noch junge Schützin viele Erfahrungen sammeln und ihr Potenzial mit einem bisherigen Wettkampfschnitt von 392,17 Ringen unter Beweis stellen. Becker war wie gewohnt auf einem hohen Niveau unterwegs und konnte sich in dieser Runde noch steigern auf einen Schnitt von derzeit 392,83 Ringen. Beide Schützinnen erzielten zuletzt sogar ein Ergebnis von 396 Ringen.

Erstmals in Frankfurt eingesetzt werden muss Irina Lauer, die bisher aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten konnte. Als gemeldete Stammschützin muss sie einen Wettkampf bestreiten, sonst gilt das Team als nicht komplett angetreten und hat kampflos verloren. Mannschaftsführerin Fabienne Plaum hat mit ihren zwei besten Ergebnissen von 391 und 392 Ringen gezeigt, dass sie kämpfen kann. Fünfte Schützin ist die junge Lena Beul, die in den bisherigen Wettkämpfen immer an der 390 gekratzt hat und sicherlich in der Lage ist, diese Schallmauer zu durchbrechen.

Alle Erdbacherinnen können unbeschwert in den Wettkampf gehen. Bei einem Sieg wäre für den SVE zumindest die Relegation sicher, je nachdem wie Hilgert und Emsdetten abschneiden. »Große Chancen auf den Klassenerhalt rechnen wir uns nicht aus, aber es ist für den kleinen Verein etwas besonderes, in der zweithöchsten Liga überhaupt dabei zu sein«, sagt Mannschaftsführerin Plaum.

Ende Januar geht’s um den Aufstieg

Beim Team Wetterau denkt man indes schon weiter. Die Truppe um Lokalmatador Luc Dingerdißen und Olympionike Julian Justus will nicht nur mit weißer Weste Meister werden, auch der Aufstieg in die 1. Bundesliga Nord soll gelingen. Die Teilnahme am Aufstiegskampf in Hannover am 30. Januar hat der Verein schon in der Tasche. Die Teams auf den beiden vordersten Tabellenplätzen nehmen teil. Selbst wenn die Wetterauer gegen Erdbach verlieren sollten, werden sie als Rangzweiter immer noch gesetzt sein für den Showdown Ende Januar. Nach dem Highlight am Main steht in drei Wochen für die heimischen Schützen also der nächste Höhepunkt an.

Schwerpunkt Ausbildung

Der Durchmarsch ins Oberhaus wäre ein Riesenerfolg für den Club, der erst 2011 gegründet wurde, um speziell Nachwuchsschützen auszubilden. Das ist auch heute noch primärer Zweck des Vereins, der seinen Hauptstützpunkt im Leistungszentrum Ebersgöns hat, das dem örtlichen Schützenverein gehört. Kooperationsclubs in verschiedenen Disziplinen des Pistolen- und Gewehrbereichs sind insbesondere der SV Ebersgöns, SV Steindorf, SV Griedel, ZSG Steinfurth und die SG Büdingen.

Aber auch weitere Schützenvereine aus ganz Hessen gingen und gehen bei Meisterschaften bis hin zu den Deutschen Kooperationen mit dem Team Wetterau ein. Dabei starten Nachwuchsschützen aus verschiedenen Clubs in einer Mannschaft, die sonst nur Einzelstarter wären. Dadurch werden die Siegchancen erhöht. Die Teams starten dann im einen Jahr für einen der beteiligten Vereine, im nächsten Jahr für einen anderen. Dass dieses Konzept erfolgreich ist, zeigen viele Titel und Medaillen.

In Rundenwettkämpfen startete die erste Luftgewehr-Mannschaft einst in der untersten Klasse des damaligen Schützenkreises Friedberg. Es war der Beginn eines Siegeszuges durch alle Grundklassen, Kreis- und Gauklasse, über die Ober- und Hessenliga bis in die 2. Liga. Das nächste Kapitel könnte Ende Januar folgen.

Mannschaft im Porträt: Sportsoldatin, Olympionike und Eigengewächs

Das Team Wetterau tritt beim Finale in der 2. Luftgewehr-Bundesliga gegen den SV Erdbach voraussichtlich in Bestbesetzung an. Auf Position eins schießt mit Roxana Sidi eine rumänische Sportsoldatin und Nationalmannschaftsmitglied. Mit einem Wettkampfschnitt von 398,83 Ringen ist sie die treffsicherste Schützin des Teams. Zweimal schoss sie das Maximum von 400 Ringen, dreimal 399 und einmal 396 Zähler. Seit zweieinhalb Jahren gehört sie zur Mannschaft. Die 29-Jährige ist derzeit Nummer 33 der Frauen-Weltrangliste. Ihre beste Platzierung 2021 war der achte Rang beim Weltcup in Neu Delhi/Indien. Ihren bislang größten Erfolg erzielte sie 2011 bei der Junioren-EM in Belgrad mit dem Gewinn der Goldmedaille in der Disziplin Kleinkalibergewehr (50 m Dreistellungskampf).

Auf Setzplatz zwei steht Julian Justus aus Homberg. Der ehemalige deutsche Nationalmannschaftsschütze und Olympiateilnehmer (London 2012 und Rio 2016) gehört seit zweieinhalb Jahren zum Team. Seine beiden größten sportlichen Erfolge - zweimal Gold - holte er in der Disziplin Kleinkalibergewehr (50 m Dreistellungskampf; 3x 40 Schuss bzw. 3x 20 Schuss) bei den Weltcups in Beijing/China 2010 und Fort Benning/USA 2018. Verletzungsbedingt konnte er in der laufenden Saison nur zweimal antreten. Dabei erzielte er 396 und 395 Ringe.

An drei gesetzt ist der 20-Jährige Max Ohlenburger, der bisher alle Begegnungen absolvierte und einen Schnitt von 395,17 erzielte. Er gehörte der deutschen Junioren-Nationalmannschaft an, kam allerdings wegen Corona nur zu einem internationalen Einsatz. Bei der WM in Lima/Peru 2021 erreichte er mit dem Luftgewehr (10 m) und dem Kleinkalibergewehr (50 m Dreistellungskampf; 3x 40 Schuss) jeweils den hervorragenden vierten Platz bei den Junioren. Ab 2022 gehört er zum Nationalkader Gewehr/Männer. Ohlenburger besuchte im August 2016 das vom Team Wetterau durchgeführte Trainingszeltlagers und wechselte anschließend zum SV Ebersgöns und 2018 zum Team Wetterau.

Position vier ist mit Paralympic-Schützin Natascha Hiltrop besetzt. Sie hat einen Wettkampfschnitt von 391,75. Vielen dürfte sie noch in Erinnerung sein von den Paralympics 2021 in Tokio, wo sie Gold und Silber gewann und bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne trug. Es war die erste Goldmedaille für die deutschen Schützen seit 2004. Sie siegte mit dem Luftgewehr (10 m; 60 Schuss) und wurde Zweite mit dem Kleinkalibergewehr (50 m Dreistellung; 3x 20 Schuss). Für das Team Wetterau schießt sie seit drei Jahren.

Auf Setzplatz fünf steht mit dem Münzenberger Luc Dingerdißen ein Eigengewächs des Teams Wetterau. Schon im Gründungsjahr 2011 kam der 22-Jährige in den Verein. Er zeigte großes Talent und wurde Mitglied der deutschen Junioren-Nationalmannschaft. Sein größter Erfolg bisher war der vierte Platz bei den Junioren in der Disziplin Kleinkalibergewehr-Liegendkampf bei der WM in Chongwon/Südkorea 2018. Je einen fünften Rang erzielte er in der gleichen Disziplin bei der EM 2017 in Baku/Aserbaidschan und beim Weltcup in Suhl. Aus den bisherigen Wettkämpfen in der 2. Liga kann er einen Schnitt von 390,8 Ringen vorweisen.

Als Ersatzschützinnen werden Kathrin Winter aus Kirch-Göns und Yasmin Schulze (früher Griedel, aktuell Wiesbaden) vor Ort sein. Beide sind auch Gründungsmitglieder des Teams Wetterau.

Der Zeitplan

Der Saisonabschluss in der 2. Luftgewehr-Bundesliga West beginnt am Sonntag mit der Begegnung zwischen dem Team Wetterau und dem SV Erdbach um 10 Uhr. Um 11.30 Uhr tritt Emsdetten gegen Buer-Bülse an. Nach der Mittagspause um 14.15 Uhr bekommt es Kevelaer mit Inden/Altdorf zu tun, ehe Elsen und Hilgert den Tag ab 15.45 Uhr abschließen.

Eine halbe Stunde vor Wettkampfbeginn ist jeweils Standbelegung, die letzten 15 Minuten davor ist Zeit fürs Einrichten und für Probeschüsse. Pünktlich zu Wettkampfbeginn fallen die ersten Wertungsschüsse, von denen 40 in 50 Minuten abzugeben sind.

Gewertet werden die Treffer voll, also nicht - wie international und bei Meisterschaften üblich - mit Zehntelwertung. So ist eine Zehn immer eine Zehn, eine Differenzierung von 10,0 bis 10,9 findet nicht statt. Die Sportler der einzelnen Paarungen stehen je nach Setzplatz direkt nebeneinander.

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