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Streit um das Burgfeld: Erste Konsequenzen und Kritik

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Von: Michael Nickolaus

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Streit ums Burgfeld: Beim VfB Friedberg hat der abteilungsleiter Konsequenzen gezogen. FOTOS NICI MERZ © Nicole Merz

Der Streit um die Belegung des Burgfeldes hat beim VfB Friedberg zu ersten Konsequenzen geführt; verbunden mit deutlicher Kritik an die Entscheidungsträger der Stadt.

Malte Strothmann ist als Abteilungsleiter Fußball beim Kreisoberligisten VfB Friedberg zurückgetreten. Ein Abschied mit Ansage. Ein Abschied mit Zündstoff. Per Email an Bürgermeister Dirk Antkowiak und Sportamtsleiter Holger Kopsch stellte der der 34-Jährige seine Entscheidung in den Zusammenhang mit dem Umgang beim Thema Türk Gücü Friedberg. Die Hessenliga-Mannschaft bestreitet ihre Heimspiele und einen Teil ihrer Trainingseinheiten künftig auf dem Burgfeld (wir berichtete). Aber auch drüber hinaus übt er heftige Kritik an den politischen Entscheidungsträgern der Stadt.

»Die Stadt hat es sich über Jahre hinweg bequem gemacht und die Verantwortung immer wieder von sich geschoben. Im Grundsatz geht’s mir aber um Wertschätzung, um Respekt vor ehrenamtlicher Tätigkeit«, sagt das VfB-Urgestein. Im Oktober 2017 hatte Strothmann die Abteilungsleitung übernommen.

Die Kritik-Liste ist lang und liegt unserer Redaktion vor. »Eine wichtige Aufgabe des Abteilungsleiters ist die Koordination mit den anderen burgfeldansässigen Vereinen und mit der Stadt Friedberg. Ich bin nicht mehr bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich möchte mich wieder auf die ehrenamtliche Arbeit konzentrieren, die den Fußballsport für die Friedberger und Friedbergerinnen weiterbringt. Insbesondere nun, da die Stadt einen Mäzenverein fördert«, beginnt Strothmann seine Erläuterung an die Adresse der politisch Verantwortlichen der Kreisstadt.

Die Entscheidung, Türk Gücü ab der bevorstehenden Saison Trainings- und Spielzeiten auf dem Burgfeld zu gewähren, gehe auf Kosten eines Vereins, der sich mit viel ehrenamtlicher Arbeit für alle Friedberger, sprich nicht nur Herren-, sondern auch für Jugend, Frauen- und Mädchenfußball einsetze, schreibt er. Sie gehe auf Kosten eines Vereins, der sich um die kooperative und konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Vereinen und anderen Institutionen auf dem Burgfeld gekümmert habe und trotz unzähliger Probleme und Querschläger der Stadt bis jetzt alles souverän hinter den Kulissen gelöst hätte. »Es ist eine sportpolitische Ausrichtung, in der ich mich nicht ehrenamtlich als Abteilungsleiter im Verein betätigen möchte. In meinem Amt habe ich immer versucht unter enormen Zeitaufwand konstruktiv Probleme zu lösen, Streitigkeiten zu schlichten und zu vermitteln. Im Angesicht der Konstellation auf dem Burgfeld ist dies nun eine Aufgabe der Unmöglichkeit«, schreibt Strohtmann weiter. Er bemängelt zugleich eine Perspektivlosigkeit. »Mit ihrer Entscheidung erhöhen Sie für uns die bereits extrem hohen Hürden für gute und nachhaltige Jugendarbeit und damit auch für die Zukunft für die Fußball-Infrastruktur der Kernstadt.«

Im Lösungsvorschlag seien weder Wochentagsspiele von Türk Gücü noch witterungsbedingte Platzsperren vorgesehen, zudem werde keine langfristige Lösung präsentiert. »Jeder rationale Mensch weiß, dass die Entwicklung der Kaserne dafür nicht herangezogen werden kann.« Lange genug - sieben Jahre hatte Türk Gücü nach dem Umzug aus Ossenheim in Rosbach gespielt - hätte die Stadt Zeit gehabt, Lösungen zu finden.

»Ich habe Verständnis, dass ein Hessenligist auf dem Burgfeld spielen möchte. Doch jetzt macht die Stadt ihr eigenes Problem zum Problem der dort ansässigen Vereine. Viele Jahre hatte man Zeit. Doch nichts ist passiert. Offenbar hatte man gelaubt, dass sich das Problem von selbst löse.«

Die Umzug des aktuell erfolgreichsten Fußball-Klubs im Kreis auf das Burgfeld, die zugleich einzige hessenliga-taugliche Anlage im Stadtgebiet, hat für Strothmann nun das Fass zum Überlaufen gebracht. »Vieles ist schon in der Vergangenheit inakzeptabel gelaufen. Aber wir haben’s geschluckt, haben uns gekümmert, haben’s geregelt, ohne das an die große Glocke zu hängen«, sagt der Strothmann im Gespräch mit unserer Redaktion. »Wir sind immer Kompromisse eingegangen. Und natürlich muss man diese auch in den eigenen Reihen verkaufen, was nicht immer gut ankommt.«

Die Nachfolge Strothmanns ist noch nicht geklärt. Er selbst will den Nachwuchs, die Frauen und die Mädchen weiter unterstützen. »Ich habe mich immer gerne und mit vollem Einsatz in meinem Amt eingesetzt für meinen Lieblingssport, den Fußball. Gerne habe ich das für alle Friedberger und Friedbergerinnen jeder Herkunft, Alters und Geschlechts getan und versucht, das bestmögliche Angebot zu ermöglichen. Ich werde daher weiter kämpfen, dass Kindern, Jugendlichen, Herren und Frauen ein gutes Fußball-angebot gemacht werden kann. Ich werde auch darum kämpfen, dass sich die sportpolitische Ausrichtung unserer Stadt ändert.«

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