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TSV Griedel: Handball-Landesliga im Livestream

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Von: Michael Nickolaus

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Modell mit Zukunft?!: Der TSV Griedel überträgt die Heimspiele seiner Herren-Mannschaft in der Handball-Landesliga via Livestream in die Wohnzimmer. © Timo Jaux

Der TSV Griedel überträgt seine Herren-Heimspiele in der Handball-Landesliga per Livestream im Internet. Das Angebot, mit dem die Pandemie-Beschränkungen überbrückt werden sollten, kommt gut an und soll nun ausgebaut werden.

Der Amateur-Sport, davon ist Jürgen Weiß überzeugt, werde in den kommenden zehn Jahren neue Wege gehen müssen. Der Handball-Abteilungsleiter des TSV Griedel meint Zuschauer- und Sponsoren-Pflege gleichermaßen wie die Akquise von Mitgliedern und Ehrenamtlern, und er ist immr für eine Idee gut. Das sogenannte Entenrennen, das inzwischen in der 17. Auflage durchgeführt wurde, hat der 64-Jährige im Butzbacher Vorort etabliert, im Projekt »Demo’S - Sport stärkt Demokratie« der Sportjugend Hessen ist der TSV Griedel seit 2016 Modellverein, und bezüglich der Vermarktungsflächen in der kreiseigenen Sporthalle Butzbach wurde vor vielen Jahren bereits das Schulamt mit ins Boot geholt. Das sind nur drei Beispiele. Jetzt geht der Klub mit der Liveübertragung der Heimspiele der Herren in die Wohnzimmer der Handball-Interessierten als einziger Klub der Landesliga voran und sieht sich durch die Zahl der Zugriffe bestätigt.

Zwischen 300 und 500 Aufrufe sind bei YouTube registriert. »Viel positives Feedback«, sagt Weiß, habe man erhalten. Von der älteren Generation, die - besorgt vor einer Corona-Infektion - die Spiele der zweithöchsten Herren-Mannschaft aus der Wetterau nicht aus der Sporthalle verfolgen möchte, ebenso von den jeweiligen Gast-Vereinen, deren Anhängerschaft das Angebot gerne konsumiert.

Die eigentliche Anstoß: Auf Grund der Pandemie-Beschränkungen hatten zeitweise maximal 100 Zuschauer die Spiele in der Sporthalle in Butzbach verfolgen können. Der TSV hat allein 80 Dauerkarten-Besitzer. »Wir wollen die Handball-Interessieren abholen, ein alternatives Angebot machen, um die Nähe zu unseren Zuschauern in dieser Zeit zu halten und unseren Werbepartner Blickkontake verschaffen.«

Im Oktober 2020, zum einzigen (Heim-)Spiel der Saison gegen den TV 05/07 Hüttenberg II, war erstmals eine Kamera aufgestellt worden. Von »damals schlechter Übertragungs-Qualität«, spricht Weiß heute rückblickend. Bei der »Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenant« - diesen Hinweis hatte der TSV bekommen - konnten Anträge auf Förderung gestellt werden. Weiß-Tochter Viktoria übernahm den Papierkram. Keine acht Wochen später war alles genehmigt, mit eigenen Geldern wurden rund 11 000 Euro in die Technik investiert. Drei Kameras fangen das Spiel ein, hinter der Tribüne dient ein Stehtisch mit Monitoren und Mischpult als Regie-Bereich. Lars Moscherosch, dem Klub verbunden, leitet das Streaming-Team, behält zwischen Knöpfchen, Bildschirmen und Reglern den Überblick, Timm Weiß übernimmt zumeist die Moderation, mitunter gesellt sich ein weiterer Experte dazu, um Abwechslung zu schaffen und Perspektiven zu wechseln. Nach dem Spiel kommen die Trainer zum Statement zusammen; Pressekonferenz auf Landesliga-Level eben.

Filmen müsse man die Partien doch ohnehin, erklärt Weiß. Dazu seien Vereine ab der Herren-Landesliga aufwärts vom Verband verpflichtet. Im Videoportal »Sportlounge« stehen die Aufnahmen den Vereinen zur Verfügung.

Das Landesliga-Alleinstellungsmerkmal in Mittelhessn erklärt der TSV-»Mr. Handball«, mit dem finanziellen Aufwand und der Manpower, die erforderlich sei. »Man braucht Ehrenamtliche, die das machen wollen - auch kontinuierlich. Das ist - da die Aufgaben ohnehin oft auf wenige Schultern verteilt sind - für viele Klubs schwer zu stemmen.« Ohnehin seien doch pro Herren-Heimspiel alles in allem zehn Mitglieder eingebunden. Natürlich hätten auch die Herren II und auch die Landesliga-Damen ebenso wie die Floorball-Abteilung des Klubs schon nach Übertragungen gefragt - »aber das muss eben auch personell alles umgesetzt werden«. Und das beginnt schon bei Auf- und Abbau sowie dem Transport des Equiments.

In dieser Saison sind die Übertragungen kostenfrei. Zur kommenden Saison »müssen wir aber einen Obolus verlangen«, sagt Weiß angesichts von Aufwand und Ertrag. Dann sollen auch Werbespots eingebaut werden. Das langfristige Ziel: die Präsentation der Sponsoren ausbauen und zusätzlich Einnahmen generieren. Man müsse als Verein immer mit dem Wandel der Zeit gehen, sich öffnen für Neues, dürfe die Mitglieder aber nicht überfordern, sagt Jürgen Weiß.

Am Sonntag (15 Uhr), mit dem Heimspiel gegen die HSG VfR/Eintr. Wiesbaden in der Aufstiegsrunde der Landesliga Mitte, wird die Reihe der Übertragungen fortgesetzt. Zu sehen ist die Partie bei YouTube unter dem Stichwort TSV Griedel.

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