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TTC OE Bad Homburg: Umweg über die 2. Liga wäre »kein Beinbruch«

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Sven Rehde © Red

Sven Rehde, Sportlicher Leiter des Tischtennis-Bundesligisten TTC OE Bad Homburg, spricht über Abstiegskampf und Champions League.

In diesem Monat hätte Tischtennis-Bundesligist TTC OE Bad Homburg im Abstiegskampf wegweisende Spiele vor der Brust gehabt. Allerdings hat die Geschäftsstelle der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) die zwei Begegnungen des Taunus-Klubs coronabedingt offiziell abgesagt. Bad Homburg spielt nun erst wieder am 30. Januar gegen den Tabellenzehnten SV Werder Bremen um Bundesligapunkte. Grund für die beiden Absagen sind die positiven Corona-Tests bei Cedric Meissner und Tayler Fox.

Sven Rehde, Sportlicher Leiter des ambitionierten Vereins hinter der Kreisgrenze, blickt im Gespräch weiter voraus - und auf die bereits verpasste Chance auf eine Europapokal-Teilnahme zurück.

Herr Rehde, wie sehr beeinflusst das Coronavirus derzeit den Tischtennissport?

Nicht nur unser Rares Sipos hat sich infiziert, auch Benedikt Duda (Schwalbe Bergneustadt, Anm. d. Red.), Bastian Steger (TSV Bad Königshofen) und Anton Källberg (Borussia Düsseldorf). Ich finde das mittlerweile unverantwortlich. Man sollte den Spielbetrieb in der TTBL wegen der hohen Infektionszahlen erst einmal ruhen lassen. Laut Statuten darf ein Ligaspiel nur verlegt werden, wenn zwei Stammspieler sich mit dem Virus infiziert haben.

Wie realistisch ist der Klassenverbleib für den TTC OE Bad Homburg noch?

Auf sportlichem Weg wird es sicher schwierig, noch den drittletzten Platz zu erreichen. Es ist aber zu hören, dass aus der 2. Bundesliga nur der 1. FC Köln einen Aufstieg anstrebt, derzeit aber nicht einen der beiden ersten Tabellenplätze belegt. Und vielleicht wird die Saison ja wegen Corona abgebrochen. . .

Wäre es Ihrem Verein nicht unangenehm, nochmals über die Hintertür in der TTBL zu bleiben?

Wir haben am Sonntag nach dem 0:3 gegen den TTC Neu-Ulm noch lange zusammengesessen, und ich habe auch lange mit Helmut Hampl telefoniert. Wir sind der Meinung, dass es für uns kein Beinbruch wäre, nochmals in die 2. Liga zu gehen. Wir haben mit Rares Sipos, Benno Oehme und Cedric Meissner drei Spieler, die ihren Vertrag, unabhängig von der Spielklassenzugehörigkeit, verlängert haben. So hätten wir im Falle eines Abstiegs schon eine Top-Mannschaft. Wir bräuchten dann nur noch einen Spieler. Meissner und Oehme haben zwar gegen Neu-Ulm verloren, sportlich im Laufe der Saison aber einen wahnsinnigen Sprung gemacht. Sie kommen bei uns jedoch nicht immer zum Einsatz und zurzeit gibt es auch wenige international besetzte Turniere, bei denen sie in einen Rhythmus kommen können. Diese jungen Athleten brauchen Zeit, und die wollen wir ihnen geben.

Ist das nicht auch mit einem Risiko verbunden?

Nationalspieler Patrick Franziska hat damals in seiner ersten TTBL-Saison auch eine Bilanz von 0:21 in den Einzeln gehabt, und jeder hat gefragt: Warum lässt Helmut Hampl den spielen? In der 2. Bundesliga würden Benno und Cedric und auch Rares die Spielpraxis bekommen, die sie brauchen. Sie haben noch nicht immer die Konstanz, das hohe Niveau über vier oder fünf Sätze zu halten. In der 2. Liga würde sich das ändern, und sie würden sich viel Selbstvertrauen holen.

Und wenn der Klassenverbleib - auf welchem Weg auch immer - doch gelingt?

Für die 1. Liga stünde uns Yuta Tanaka weiterhin zur Verfügung. Er fühlt sich bei uns sehr, sehr wohl und hat mir sein Wort gegeben, dass er bleiben möchte, weil wir ihm die Chance gegeben haben, TTBL zu spielen. Das zählt in Japan wie eine Vertragsunterschrift.

Bei einem Abstieg geriete die von Helmut Hampl vor der Saison geäußerte Absicht, in fünf Jahren Champions League spielen zu wollen, aber in akute Gefahr, oder?

Wir stehen weiterhin zu unserem Fünfjahresplan. Falls wir nach der Saison Zweitligist sein sollten, kann das Ziel nur »direkter Wiederaufstieg« lauten.

Nach eineinhalb Jahren in der TTBL: Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Uns erfüllt es weiterhin mit Stolz, so hochklassig zu spielen, auch wenn wir letztes Jahr mit Glück dringeblieben sind. Was unser Verein in der Halle auf die Beine stellt, ist jetzt schon reif für die Champions League. Solche Top-Voraussetzungen für die Spiele siehst du kaum in der Liga. Das ist großes Kino, das bestätigt uns auch die TTBL. Sportlich geht es für uns darum, aus geringen finanziellen Möglichkeiten das Beste zu machen. Es ist für uns coronabedingt in den Sponsorengesprächen nicht einfach. In unserer Halle sitzen bei den Spielen 50 Leute, wo wir eigentlich 500 erwarten würden. Das nimmt uns nicht nur Argumente bezüglich der Reichweite in unseren Sponsorengesprächen, sondern auch die Heimstärke, die wir als Zweitligist hatten. Ich bin davon überzeugt: Mit unseren Zuschauern im Rücken hätten wir mehr Punkte. Die Jungs brauchen einfach den Rückhalt.

Um Talente noch besser zu fördern, soll ein Tischtennis-Leistungszentrum in Bad Homburg entstehen. Wie ist der aktuelle Stand?

Unser Sportvorstand Helmut Hampl arbeitet gerade für unsere Nachwuchstrainer ein Konzept aus. Wir haben das Riesenglück, dass wir mit ihm jemanden haben, der sehr viel Ahnung von der Materie hat und dieses Wissen auch gerne weitergibt. In erster Linie ist aber die Stadt Bad Homburg gefragt. Solange die neue Sporthalle in Ober-Eschbach nicht fertig ist, ist die Wingert-Sporthalle durch zu viele andere Vereine belegt. Generell sind die Hallenkapazitäten der Knackpunkt. Wir können unsere Mannschaft nur ab Donnerstag für ein Wochenendspiel vorbereiten und nicht die Spieler auch einmal zwei oder drei Wochen bei uns trainieren lassen, was ihnen individuell viel mehr bringen würde.

Fühlt sich der Verein von der Stadt zu wenig unterstützt?

Unsere Erfolge sind Oberbürgermeister Hetjes ja nicht verborgen geblieben. Und Bad Homburg möchte eine Sportstadt sein. Uns fehlt bei der Stadt im Moment aber die Bereitschaft, dass man dafür auch etwas tun muss. Nehmen wir das Beispiel ASV Grünwettersbach. Dort hat man ein altes Schwimmbad gekauft und durch die Stadt zu einer Tischtennishalle umbauen lassen, wo sich der Center Court jetzt in einem alten Schwimmbecken mit Tribüne drumherum befindet. Megacool. Anderes Beispiel: Wir hätten in dieser Saison mit einer Wildcard an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen können. Für die Vereine, die das umsetzen, werden in den allermeisten Fällen die Kosten von der Stadt übernommen. In Bad Homburg gibt es einen solchen Fördertopf nicht. Das ist schade, denn dafür würde nicht viel Geld benötigt werden - wir reden über vielleicht 10 000 oder 15 000 Euro - und schon würde die Stadt international repräsentiert werden.

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