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Türk Gücü Friedberg: Warum Urgestein Alit Usic eine Ausnahmerolle spielt

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Von: Michael Nickolaus

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Alit Usic hat den Weg von Türk Gücü Friedberg von der Kreisoberliga bis in die Hessenliga begleitet und war dort Kapitän der Mannschaft. © Andreas Chuc

Der FC Bayern München hat einen Thomas Müller. Bei Eintracht Frankfurt fallen Namen wie »Charly« Körbel, Uwe Bindewald oder Oka Nikolov. In Friedberg, bei Türk Gücü, ist Alit Usic das Urgestein.

Alit Usic spielt eine Ausnahmerolle im Kader von Fußball-Hessenligist Türk Gücü Friedberg. Teamkollegen wie Julian Dudda (Frankfurt) und Patrick Schorr (Hoffenheim) standen einst in Bundesliga-Kadern. Masih Saighani zählt aktuell zum Kreis der afghanischen Nationalmannschaft, und ein Großteil der Mitspieler hat irgendwann einmal ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) besucht. Usic nicht. Mit dem VfB Friedberg hat er einst in der damaligen B-Jugend-Bezirksliga gekickt, hatte sich dann im Jahr 2006 der A-Jugend-Kreisklassen-Mannschaft im Stadtteil Ossenheim angeschlossen - und hält heute noch gegen die oft noch höherklassig erfahrenen Gegenspieler mit. »Die sind vielleicht besser ausgebildet worden, aber das mache ich mit Kampf, Ehrgeiz und Erfahrung wett«, sagt Usic, der als gebürtiger Serbe in Friedberg und Butzbach die Schulen besucht hat und in der Wetterau fest verwurzelt ist.

2014 hatte der Allrounder Türk Gücü einmal verlassen. Nur eineinhalb Jahre später, über die Stationen FSV Braunfels und FCO Fauerbach, führte sein Weg zurück in die Kreisstadt. Usic spielt seine 13. Saison für Türk Gücü. Mehr als 100 Teamkollegen hat er kommen und gehen sehen - seinen Stammplatz aber immer verteidigen können. »Egal, wer kommt. Der Alit spielt immer«, hatte sein ehemaliger Trainer Carsten Weber einst flachsend mit Blick auf die rege Fluktuation und den Konkurrenzkampf gesagt. Usic fühlt sich als ehemaliger Offensivspieler längst auf defensiven Positionen wohl (»Alles hinter der Sechs«). Dreieinhalb Jahre führte er die Mannschaft als Kapitän durch die Hessenliga. - Bei einem Kaffee spricht Usic über Eckpunkte seiner Laufbahn sowie den Spagat zwischen Sport, Familie und Beruf.

Das sportliche Highlight: Das Aufstiegsspiel gegen den FSV Fernwald im Juni 2018. 1350 Zuschauer sahen in Rosbach den 2:1-Erfolg. »Ich wusste, was es für den Verein bedeutet, wie sehr darauf hingearbeitet wurde, dieses Ziel zu erreichen. Deshalb war dieses Spiel für den Klub, aber auch für mich persönlich etwas ganz Besonderes.«

Der Tiefpunkt: Die Wochen der Nichtberücksichtigung im Herbst/Winter 2021/22. Kapitän Usic und der damalige Trainer Carsten Weber hatten Meinungsverschiedenheiten. »Das war eine schwere Zeit, weg von der Mannschaft. Wir haben damals sicher beide Fehler gemacht«, sagt Usic rückblickend. Einen Wechsel im Sommer 2022 hatte er gedanklich durchgespielt. Dann übernahm Enis Dzihic als Coach, und Usic ist seitdem gesetzt. In dieser Saison stand er in 16 von 17 Spielen in der Start-Elf, meist in der Abwehrkette. Vier Tore hat er erzielt.

Sein Spiel : »Vielleicht hätte ich einmal noch weiter oben eine Chance bekommen können, wenn ich als Teenager die Möglichkeit gehabt hätte, ein NLZ zu besuchen. Das war aber schon zeitlich nicht möglich«, sagt Usic, ohne zu hadern. Zweikampfstärke, Kopfballspiel und ein enormer Ehrgeiz sind seine Markenzeichen. Mit zunehmenden Jahren ist er auf dem Spielfeld mehr und mehr nach hinten gerückt. Auf den Defensiv-Positionen ist der flexibel einsetzbar.

Das wichtigste Tor: Zwei Spiele fallen Usic spontan ein. Vor wenigen Monaten erst hatte sein Treffer das Kreispokal-Finale gegen den FC Karben entschieden, sagt er flachsend. Und dann gab’s da noch das Sechs-Punkte-Spiel gegen den damals ebenfalls abstiegsbedrohten FC Ederbergland in der Saison 2018/19. Zweimal hatte Usic seine Mannschaft in diesr Begegnung in Führung schießen und am Ende einen Sieg feiern können.

Der unbequemste Gegenspieler: »Viele Gegenspieler haben ja schon höherklassig gespielt. Aber gegen Timo Cecen (heute Eintracht Stadtallendorf, Anm. d. Red.) habe ich auf der Sechser-Position kein Land gesehen. Wir haben wirklich alles versucht, sind aber gar nicht erst richtig rangekommen.«

Die Förderer: Usic nennt will keinen seiner Trainer hervorheben. »Ich hatte in all den Jahren nie einen schlechten Trainer, sondern habe von allen profitiert.« Als Förderer sehe er deshalb vielmehr die Menschen im Verein, die seinen Weg begleitet haben.

Der Verein Türk Gücü Friedberg: »Das ist für mich eine echte Herzensangelegenheit, der Klub ist wie eine kleine Familie. Viele Ehrenamtler sind schon ewig dabei. Präsident Ramazan Kaplan und dem Sportlichen Leiter Sinan Karanfil bin ich sehr dankbar.«

Der Familienmensch: Usic ist mit drei Geschwistern groß geworden. Heute lebt er - seit 15 Jahren verheiratet - mit seiner Frau, zwei Söhnen (elf und vier Jahre) sowie einer 13-jährigen Tochter in Pohl-Göns. »Meine Frau ist sehr verständnisvoll. Sie hat mich auch mit dem Fußball kennengelernt.«

Der Spagat zwischen Fußball, Beruf und Familie: Usic ist examinierter Altenpfleger und seit diesem Jahr Pflegedienstleiter im Awo-Sozialzentrum Heinz-Ulm-Haus in Langgöns; über seine Mutter ist er in diese Branche gekommen. »Jede freie Minute gehört der Familie«, sagt Usic. Vor vier Jahren war er von seinen Mitarbeiterinnen zur Wahl von »Deutschlands beliebtesten Pflegeprofi« vorgeschlagen worden.

Das OFC-Spiel: Das Pokalspiel gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden im vergangenen Herbst hat Usic nur als Zuschauer erlebt. Jetzt freut er sich auf Mittwoch, auf »eine geile Kulisse. Das ist ein Riesen-Ding, für den Klub, für die Stadt und den Fußball in der Region.« Manch einer habe eine solche Erfahrung bereits machen können, »ich aber nicht. Das ist etwas Großes. Ich weiß, woher ich komme.«

Die Zukunft: »Solange mir ein 18-Jähriger noch nicht abhaut, ich den gleichen Ehrgeiz verspüre und frei von Verletzungen bleibe, will ich spielen; am liebsten natürlich in der Hessenliga mit Türk Gücü«, sagt Usic.

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