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Türk Gücü Friedberg zieht um: So reagieren die betroffenen Klubs

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Von: Michael Nickolaus

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Ein Kunstrasen, zwei Rasenplätze: Künftig werden sich drei Fußball-Klubs und ein Leichtathletik-Verein die Sportanlage in friedberg teilen. FOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Türk Gücü Friedberg nutzt in der Saison 2022/23 die Sportanlagen in der Kernstadt und in Bruchenbrücken. Bei den vier involvierten Klubs stößt die Entscheidung der Stadt auf ein geteiltes Echo.

Hessenligist Türk Gücü Friedberg spielt künftig wieder in der Kreisstadt. Nach sieben Jahren im Exil in Ober-Rosbach wird die aktuell erfolgreichste Fußball-Mannschaft im Wetteraukreis ihre Heimspiele sowie eine Trainingseinheit auf dem Burgfeld bestreiten, dem einzig fünftliga-tauglichen Sportgelände der Stadt (ein Kunstrasen, zwei Rasenplätze). Weitere Übungseinheiten der ersten Mannschaft sollen zudem im Ortsteil Bruchenbrücken absolviert werden. Die Entscheidung, am Freitag von Bürgermeister Dirk Antkowiak und Sportamtsleiter Holger Kopsch kommuniziert, stößt bei den vier nun unmittelbar involvierten Klubs ebenso auf Verständnis wie auf völlige Enttäuschung und Frustration. »Für den VfB ist’s eine Katastrophe. Ehrenamtliches Engagement wird ohne Rücksicht beschnitten. Eine Arbeit, die auf Grund des gesellschaftlichen Wandels in den letzten zehn bis 20 Jahren ohnehin schwieriger geworden ist«, sagt Peter Heidt, der Vorsitzende des VfB Friedberg. Der Traditionsklub (vier Senioren-, zwölf Jugendmannschaften) war in der Vergangenheit schon mehrfach mit Türk Gücü inhaltlich in Konflikt geraten. - Wir haben uns unter den vier unmittelbar betroffenen Vereinen umgehört.

Peter Heidt (Vorsitzender VfB Friedberg): Das Tischtuch zwischen dem VfB und der Stadt ist zerschnitten. Das Problem ist der Stadt seit vielen Jahren bekannt. Die Sachlage auf dem Burgfeld hat sich in dieser Zeit eher verschärft. Schon mit drei Vereinen waren Absprachen in der vergangenenheit schwierig, weil aufwändig, aber immer von einem harmonischen Miteinander geprägt. Wer kümmert sich künftig hier als zentraler Ansprechpartner? Der VfB wird’s nicht mehr sein. Die Stadt wird’s ebenfalls nicht sein. Mit der jetzigen Entscheidung wird etwas zementiert, ohne eine langfristige Lösung zu haben. Da wird von einer perspektischen Zukunft in der Kaserne gesprochen, ohne einen Parlamentsbeschluss, der dafür Mittel bereit stellt. Natürlich kostet es Geld, einen Ausbauplan zu erstellen, und natürlich sind davon nicht von heute auf morgen die Probleme gelöst. Ich kann aber nicht den Willen erkennen, Lösungen zu erarbeiten. Die Stadt entscheidet sich für ein Aushängeschild, das im Mäzenatum-Stil wie Leipzig geführt wird, nimmt auf das Ehrenamt aber keine Rücksicht. Die Leidtragenden bei uns sind in erster Linie die Jugendlichen und die Frauen, die von den Hessenliga-Terminen am Samstag betroffen sind. Wir werden insgesamt Zeiten abgeben müssen und deshalb mit Bad Nauheim und dem dortigen Fußballverein sprechen, welche Möglichkeiten einer Kooperation es gibt. Was die Stadt auf politischer Ebene versäumt hat, werden wir auf Vereinsebene versuchen.«

Jose Burgos (Vorsitzender Blau-Gelb Friedberg): »Wir als Verein können nicht über städtisches Eigentum entscheiden. Mit Türk Gücü werden wir - nach dem geplanten Belegungsplan - mit unseren beiden Mannschaften keine Berühungspunkte haben. Die hatten wir auch in der Vergangenheit nicht. Dass der Klub als Hessenligist auf dem Burgfeld spielen will, ist verständlich und in Ordnung, so lange kein anderer verdrängt wird. Die größten Probleme sehe ich im Grunde genommen bei den Räumlichkeiten, bei Lagerkapazitäten. Da ist jetzt schon alles sehr knapp, teils etwas chaotisch. Grundsätzlich sollte man schauen, wie sich das nun entwickelt. Und wenn Probleme entstehen, muss die Stadt Lösungen finden.«

Lars Hieronymi (Vorsitzender Leichtathletik beim TSV Friedberg-Fauerbach): »Wir erkennen die Problematik. Eine Lösung musste gefunden werden. Als Leichtathleten sind wir - auch, da wir als einzige die Laufbahn nutzen - nicht direkt betroffen und von Türk Gücü nicht beeinträchtigt. Unsere Wettkämpfe sind ebenfalls frühzeitig angemeldet, so dass wir hier keine Probleme erwarten. In der Vergangenheit hatten wir mit Türk Gücü keinerlei Berühungspunkte. Aktuell läuft die Kommunikation unter den Klubs, die das Burgfeld nutzen, sehr harmonisch - und nur so kann es funktionieren. Die Probleme sehe ich eher im Freizeitbetrieb, da auch viele nicht-organisierte Sportler die Anlage nutzen und nun noch weniger Zeit zur Verfügung steht. Ein Problem sind sicherlich auch die Lager-Kapazitäten. Türk Gücü wird wohl erstmal gezwungen sein, sämtliche Utensilien immer wieder zu transportieren. Ich denke, es ist wichtig, die Situation nach einer Anlaufphase von einem halben Jahr wieder zu betrachten und zu sehen, was funktioniert und was nicht.«

Frank Bierbrauer (Vorstandsmitglied SV Bruchenbrücken): »Hessenliga-Fußball auf dem Burgfeld kann für die Stadt Friedberg und auch für die Region durchaus eine Chance sein. Irgendwo muss Türk Gücü ja spielen, und in Friedberg ist eben nur das Burgfeld ist für diese Liga tauglich. Das fängt schon bei der Kabinen-, Park- und Sicherheitssituation an, wie die Vor-Ort-Begehung mit dem Bürgermeister und dem Hessenliga-Klassenleiter bei uns in Bruchenbrücken gezeigt haben. Zwei, vielleicht auch mal drei Trainingseinheiten von Türk Gücü in Bruchenbrücken sollten meines Erachtens machbar sein. Wir haben zwei Plätze für zwei Senioren-, zwei Nachwuchsmannschaften, das Altherren-Team und den Lauftreff. Zu Kollisionen könnte es in Herbst- und Wintermonaten allenfalls aufgrund des unzureichendes Flutlichts auf dem zweiten Platz kommen. Als Verein hätten wir uns gefreut, wenn uns die Stadt vorab einweiht und mitgenommen hätte.« (mn)

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