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„Ein geiles Gefühl“ - Till Michel führt Familien-Tradition fort

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Von: Michael Nickolaus

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Till Michel aus Reichelsheim - hier im Trikot der U20 vom Augsburger EV - wurde für die U18-Weltmeisterschaft nominiert. © Sport-in-Augsburg

Jürgen Michel hatte in den 1960er Jahren für den VfL Bad Nauheim in der Bundesliga gespielt. Steffen Michel trug in den 1990er Jahren das Trikot der Roten Teufel. In der dritten Generation setzt Till Michel die Eishockey-Tradition der Familie nun fort.

Man kennt in Bad Nauheim Eishockey-Brüderpaare. Die Pöpels Ralf und Jürgen beispielsweise, oder die Philipps Rainer und Horst. Die Flemmings sind gar drei Jungs, Michael, Markus und Martin. Söhne eifern oft ihren Vätern nach; auch bei den Roten Teufeln. Die familiäre Opa-Sohn-Enkel-Linie der Michels ist in der Wetterau aber einmalig.

In Landshut trifft Till Michel mit der DEB-Auswahl in der WM-Vorrunde auf Tschechien (Samstag, 15.30 Uhr), Kanada (Sonntag, 19.30 Uhr) und die USA (Dienstag, 19.30 Uhr). Nach dem Ausschluss von Russland und Weißrussland sind alle acht teilnehmenden Nationen bereits für das Viertelfinale qualifiziert. »Bei einer Heim-WM dabei sein zu dürfen, ist ein geiles Gefühl«, sagt Michel, der bereits in der U16 das Jersey mit dem Bundesadler hatte tragen dürfen.

Mit 14 Jahren nach Düsseldorf

In Frankfurt hat Till Michel das Eishockeyspielen erlernt. Oft drei Stunden täglich stand er am Ratsweg auf dem Eis, vielfach angeleitet von seinem Vater Steffen, Trainer mit B-Lizenz. Mit 14 Jahren - bei den Löwen fehlte inzwischen auf Grund eines großen Leistungsgefälles innerhalb des Kaders die sportliche Perspektive - entschied sich Michel, inzwischen als Stürmer etabliert, für einen Wechsel nach Düsseldorf. Neue Stadt, neuer Verein, neue Mitspieler, Internatsleben - gut zwei Autostunden von seinem Elternhaus in Reichelsheim entfernt. »Anfangs ist man schon oft traurig, wenn man abends in seinem Zimmer sitzt. Aber irgendwann gewöhnt man sich daran. Und meine Eltern kamen ja auch an jedem Wochenende vorbei. Ich hatte stärkere Mitspieler, stärkere Gegner - letztlich hat mich der Wechsel weitergebracht«, sagt der Teenager, dem es gelungen ist, die Selbstständigkeit mit ungewohnten Freiheiten sowie die Schule in Einklang zu bringen. »Wenn’s in der Schule nicht läuft, dann läuft’s auch nicht mit dem Sport«, sagt Michel, der nächstes Jahr sein Abitur anstrebt.

Ende 2020 hat er Düsseldorf in Richtung Augsburg verlassen und im damaligen U20-Trainer Heiko Vogler, einem Ex-Teufel, einen Förderer gefunden. »Till ist unglaublich ehrgeizig, hat Disziplin und die richtige Einstellung. Er wird seinen Weg gehen«, ist Vogler, inzwischen Trainer beim Zweitligisten Landshut, überzeugt. Auf fünf Tore und sechs Vorlagen kommt Michel in seiner ersten U20-Saison, die mit dem Playoff-Aus gegen den späteren Meister Eisbären Berlin geendet hatte.

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Jürgen Michel hat in den 1960er Jahren für den VfL Bad Nauheim in der Bundesliga gespielt. © EC-Archiv

Zwei Jahre darf er noch im Nachwuchs spielen. In der einen oder anderen Trainingseinheit der DEL-Mannschaft stand Michel, die wie sein Vater und sein Großvater die Rückennummer 11 trägt, aber bereits mit auf das Eis. »Heiko ist ein Super-Typ. Er hat mir sehr viel geholfen, ich habe viel gelernt«, sagt Michel, der bezüglich seiner Zukunft klare Vorstellungen hat. »Die DEL ist das Ziel, ganz klar. In zwei, drei Jahren möchte ich hinschnuppern und mich dann etablieren.«

Er wäre dann der dritte Michel in der höchsten deutschen Eishockey-Liga. Opa Jürgen hatte von 1961 bis 1973 in der Bundes- und der Oberliga für den VfL Bad Nauheim gespielt; in mehr als 330 Partien. Er war mehrere Jahre Kapitän der Mannschaft, erlebte Trainer wie Vladimir Cechura und Ladislav Olejnik und erreichte in seiner letzten Saison mit Platz vier den größten Erfolg. Bekannt war der hünenhafte Verteidiger, der im März 2021 im Alter von 77 Jahren verstorben ist, für krachende Checks und Schlagschüsse. Ende der 1970er Jahre zählte der Berufskraftfahrer noch in Kassel zu den Eishockey-Entwicklungshelfern.

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Steffen Michel stieß in den 1990er Jahren in den Profi-Kader des EC Bad Nauheim, spielte zwei DEL-Jahre in Mannheim und beendete 2006 seine Laufbahn. © Storch

Anfang der 1990er Jahre trat Steffen »Fuzzy« Michel in die Fußstapfen seines Vaters. Der heute 50-Jährige kommt auf mehr als 500 (überwiegend Zweitliga-)Einsätze für die Roten Teufel. Zwei Jahre spielte der einstige U-Nationalspieler für die Adler Mannheim in der DEL, verbrachte je eine Spielzeit in Bremerhaven (Zweitliga-Meister) und in Bietigheim, half 2004 in seiner Heimat beim Regionalliga-Neustart, erlebte in der Folge-Saison die Insolvenz und wurde 2006, beim erneuten Restart in Bad Nauheim, nicht mehr berücksichtigt. »Ich habe immer nur gelesen, dass der Michel zu teuer sei. Dabei hat überhaupt niemand mit mir gesprochen«, sagt Steffen Michel rückblickend.

Mit den Roten Teufeln hat er abgeschlossen. In Bad Nauheim betreibt er ein Steuerbüro und - zusammen mit zwei Geschäftspartnern - die Classic Garage, eine Koexistenz aus Bürogemeinschaft und Stellplätzen für Liebhaber historischer und außergewöhnlicher Fahrzeuge.

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