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Vor 75 Jahren: Das Wunder vom Zooweiher - VfL Bad Nauheim bestreitet erstes Spiel

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Von: Michael Nickolaus

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Die Eishockey-Mannschaft des VfL Bad Nauheim im Jahr 1947. © Red

15. Februar 1947. Der Deutsche Eislauf-Verband will nach dem Kriegsende einen Eishockey-Meister ausspielen. In Frankfurt wird um die Qualifikation gekämpft. Mit dabei ist der VfL Bad Nauheim. Vor exakt 75 Jahren bestreiten die Roten Teufel ihr erstes Spiel.

Die Idee war schon ziemlich verrückt. Doch: Sie wurde umgesetzt. Paul R. Knight wollte ein Kunsteisstadion in Bad Nauheim bauen lassen; und das kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Colonel der US-Armee zog sein Vorhaben durch, binnen 100 Tagen wurde das Projekt im Kurpark fertiggestellt und bildet seither die Grundlage der Eishockey-Geschichte in der Wetterau.

Neben Knight hat Hans Unger in diesen Tagen den Ursprung des Kufensports in Bad Nauheim geprägt. Den eishockeyspielenden Rechtsanwalt aus dem ostpreußischen Rastenburg hatte es während des Krieges nach Bad Nauheim verschlagen, und von hier kontaktierte er seine ehemaligen Teamkollegen wie Erich Werther, Herbert Bock oder auch Kurt Schmolinga und überzeugte auch diese, nach Hessen zu kommen. Ernst Eichler hatte ebenso einst in Rastenburg gespielt, studierte inzwischen aber in Gießen und lotste gleich noch Herbert Ullrich mit nach Bad Nauheim. Ullrich wiederum hatte 1936 für die Tschechoslowakei an den Olympischen Winterspielen teilgenommen. Da entstand etwas. Die Wintersport-Abteilung des VfL Bad Nauheim wurde rasch zur Heimat des Eishockey-Teams.

Gespielt wurde in knallroten Trikots mit weißen Ziffern, was die Herren auf Kufen schnell als Roten Teufel erscheinen ließ. Die Football-Jerseys hatte die US-Army dem Team überlassen. Handschuhe, Schläger und was an Ausrüstung eben noch so fehlte, wurde während der Spiele flugs untereinaner ausgetauscht.

Erster Gegner an jenen 15. Februar 1947 war die Forsthausstraße Frankfurt. Der Deutsche Eislauf-Verband hatte zu einem Qualifikationsturnier zu den Deutschen Meisterschaften aufgerufen. Gespielt wurde auf dem zugefrorenen Zooweiher in Frankfurt. Mit einem 7:1-Erfolg endete das erste Spiel. Der SC Frankfurt 1860 gab in der zweiten Partie beim Zwischenstand von 8:1 nach zwei Dritteln auf. Bad Nauheim war Hessenmeister. Tags drauf folgten im anknüpfenden Wettbewerb um die Süddeutsche Meisterschaft Siege gegen den VfL Schwenningen (9:2) und den HC Stuttgart (10:2). Läuferisch und spielerisch war der VfL seinen Konkurrenten um Klassen überlegen und hatte sich für die Deutsche Meisterschaft in Garmisch qualifiziert. Allerdings: Stuttgart protestierte gegen die Turnierwertung, da Bad Nauheim Spieler eingesetzt hatte, die im Verlauf der Saison bereits für andere Vereine gespielt hatten - und war damit erfolgreich. Für die Schwaben hagelte es beim Vergleich der besten deutschen Mannschaften später im übrigen zweistellige Niederlagen.

Der VfL Bad Nauheim hatte an den beiden Tagen mit der Sternstunde in Frankfurt Sportgeschichte geschrieben und eine Eishockey-Begeisterung in der Region ausgelöst. Das »Wunder vom Zooweiher« machte schnell die Runde und lockte weitere Spieler nach Bad Nauheim. Die Kurstädter entwickelten sich zu einer Top-Mannschaft der Nachkriegszeit, spielten bis 1982 überwiegend in der höchsten Spielklasse (beste Platzierung war Rang drei in der Saison 73/74) und sind auch heute - 75 Jahre nach dem ersten Spiel - nicht mehr aus der Wetterau wegzudenken.

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