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Vor dem Europapokal-Finale: Eintracht in der Wetterau allgegenwärtig

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Von: Leon Alisch

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Die ganze Wetterau drückt Eintracht Frankfurt im Finale die Daumen. (Symbolfoto)
Die ganze Wetterau drückt Eintracht Frankfurt im Finale die Daumen. (Symbolfoto) © osnapix/Imago

Fußball-Deutschland drückt am Mittwoch der Frankfurter Eintracht in Sevilla die Daumen. Fünf Anekdoten zeugen vom SGE-Fieber, das auch die Wetterau in Atem hält. In vielen Lebensbereichen.

Fußball ist bisweilen mehr als die schönste Nebensache der Welt. Besonders wenn die Eintracht spielt. Das Europa-League-Finale der Frankfurter am Mittwochabend (21 Uhr) in Sevilla gegen die Glasgow Rangers treibt die Wetterau um. Nicht nur eingefleischte Stadiongänger und treue Fans sind von der Euphorie überwältigt, sondern viele Teile der Gesellschaft. Ob die von Buchungsanfragen überflutete Reisevermittlung, der zur Public-Viewing-Location umfunktionierte Pub oder der Supermarkt, der am Mittwoch früher schließt. Die Eintracht ist allgegenwärtig. Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Andrea Nickolaus (Selbstständige Solamento-Reiseberaterin aus Bad Nauheim) bekam das immense Interesse der Eintracht-Fans, in Sevilla live dabei sein zu wollen, direkt mit: »In diesem Ausmaß habe ich das noch nie erlebt. Nach dem Barcelona-Spiel wurde ich schon von Fans aus dem Stadion heraus angerufen, um Reisen nach London zum Halbfinale zu buchen. Mit dem Finaleinzug der Eintracht sind die Preise nun regelrecht explodiert. Solche Preissprünge sind in der Regel im Moment der Auslosung zu registrieren. Die Fans nehmen sehr viele Strapazen und Kosten in Kauf. Die Branche hat sich rasch angepasst. Auch Airlines, die sonst Sevilla gar nicht ansteuern, fliegen jetzt dort hin und verlangen exorbitant hohe Preise.

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Andrea Nickolaus © Red

Auch die Hotelbranche wittert das Geschäft, Zimmerpreise haben sich über Nacht teils verfünffacht. Einige Fans, die keine Direktflüge bekommen konnten, nehmen deshalb Umwege mit Zwischenlandungen oder -Aufenthalt in Kauf - das ist mitunter sogar günstiger. Viele Fans verzichten gar auf eine Unterkunft und nehmen am nächsten Tag einen frühen Rückflug nach Frankfurt, um dort die Mannschaft empfangen zu können.«

Sebastian Müller (Teil des Trainerteams beim Traiser FC) hätte mit der Reserve des TFC eigentlich heute gegen den TSV Ostheim gespielt. Bereits im Vorfeld hat man die Partie verlegt: »Unterschwellig ist schon das Eintracht-Spiel der Grund für die Verlegung. Viele wollen das Spiel gucken, und einige unserer Spieler fahren auch nach Sevilla, sodass wir wahrscheinlich nicht genug Leute gehabt hätten. Bereits beim Barcelona-Spiel waren einige Spieler dort, und es hat sich im Kader bemerkbar gemacht. Ich selbst bin zwar kein Eintracht-Fan, kann es aber verstehen, wenn man sagt, dass man an einem solchen Abend gerne die Partie schauen möchte. Ferner geht es für die Reserve jetzt am Ende der Saison um nicht mehr so viel.«

Lars Billasch (Spieler des SV Echzell und Fanclub-Vorsitzender der Horloff Adler) reist zum Spiel nach Sevilla. Er verfolgt den Weg der Eintracht seit über 30 Jahren: »Dadurch, dass ich Vielfahrer bin, habe ich es etwas leichter, an Karten zu kommen. Ich war bereits in Barcelona beim Spiel, und die Reise nach Sevilla ist länger geplant. Der Fußball hat bei mir erste Priorität, auch weil ich seit 1988 Eintracht-Anhänger bin. Wir fliegen am Mittwochmorgen nach Sevilla und am Donnerstagmorgen wieder zurück. Die Chancen auf den Eintracht-Sieg sehe ich ›fifty-fifty‹. Alle wissen, dass die Eintracht, wenn sie das Spiel machen muss, Probleme bekommt. Es wird auf die Mentalität ankommen. Aber die bringen beide Mannschaften auf den Platz.«

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Lars Billasch © Red

Bernd Kaffenberger (Leiter von sechs Rewe-Märkten in Bad Vilbel) schließt seine Märkte heute früher um 20 Uhr und organisiert den Mitarbeitern ein Public Viewing. Er selbst ist in Sevilla: »Viele Mitarbeiter sind Eintracht-Fans, dazu haben alle die letzten zwei bis drei Jahre während Corona schwer gebuckelt, weshalb ich ihnen etwas zurückgeben möchte. Ich halte das Arbeiten gerne auf familiärer Ebene. Es gibt Leute, mit denen arbeite ich schon seit 21 Jahren zusammen. So macht es einfach mehr Spaß.

Es ist das erste internationale Auswärtsspiel in dieser Saison, bei dem ich vor Ort dabei bin. Ich bin Eintracht-Fan, seitdem ich denken kann. Bereits den Übersteiger von Jan Aage Fjörtoft 1999 habe ich gesehen. Das Finale sehe ich als Vollendung auch für mich persönlich. Dass wir mit der Aktion in Bad Vilbel so einen großen Medienauflauf kriegen, hätte ich nicht gedacht (u.a. die Bild-Zeitung berichtete; Anm. d. Red.). Ich habe schon gesagt, jetzt wo wir es geschafft haben, mit einer positiven Meldung auf der Bild-Titelseite zu landen, kann ich eigentlich aufhören.«

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Bernd Kaffenberger aus Bad Vilbel gibt seinen Mitarbeitern »Eintracht-frei« und wird dafür von ihnen auf Händen getragen. Die Aktion schafft es bis in die Bild-Zeitung. © pv

Stefan Ott (Leiter Willy’s Pub in Bad Nauheim) zeigt - wie viele andere Kneipen auch - heute Abend das Spiel auf mehreren Fernsehern und erwartet ein volles Haus: »Es ist immer eine schöne Atmosphäre an solchen Fußball-Abenden und für uns natürlich eine Mehreinnahme. Es existiert bereits eine Stammkundschaft, die regelmäßig bei den Eintracht-Begegnungen vor Ort ist. Für das Endspiel haben wir noch mal zusätzliche Fernseher aufgetrieben und erwarten etwa 150 Gäste. Wir sind an solchen Tagen auch mit mehr Personal besetzt und bieten zusätzliche Snacks an. Man selbst ist währenddessen vor allem aufs Schaffen fokussiert, hin und wieder wirft man aber einen Blick auf den Monitor.« FOTOS: PRIVAT (2) / NIC

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