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»Wenn’s schiefgeht: War nur Katar!«

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imago1017209160h_121122_4c © Red

(sno). Vier Fußball-Fans aus dem heimischen Raum schildern ihre ganz unterschiedliche Sicht auf die an diesem Sonntag startende Fußball-WM in Katar.

Alisa Johannesson-Mohr ist dem Fußball als Vorstandsmitglied von Kreisoberligist SF Burkhardsfelden und Geschäftsstellenleiterin des Sportkreises Gießen eng verbunden. Was die WM angeht, ist sie zwiegespalten.

»Natürlich habe ich auch das Gefühl: So ein Turnier gehört in den Sommer. Im Biergarten zusammensitzen und gemeinsam freuen und leiden, sich zum Grillen verabreden und den Spielplan schon Wochen vorher auswendig kennen... Im Sommer sind das Events und schöne, lange Tage. Das wirkt im tristen November alles anders.

Aber: Auch wenn wir gerne meinen, dass die ganze Welt auf uns Deutsche hört... So ist es nicht. Wir werden uns immer auf Neues einstellen müssen. Wenn die Amateursaison, wie sich das manche wünschen, künftig von März bis November andauern sollte, müssten Turniere auch im Winter stattfinden, oder?

Ich werde die WM schauen - dafür bin ich zu großer Fußballfan. Wir selbst sind schon nach Dubai geflogen, weil wir das Klima mögen. Es ist eine andere Kultur. Und auch für mich gehören Winterspiele in die Berge und Fußballturniere nicht nach Katar. Aber wir sollten das Turnier eher nutzen, um uns selbst zu hinterfragen: Welchen Glauben tolerieren wir in Deutschland nicht? Sind wir wirklich in allem besser?«

Jörg Loutchan , Gruppenliga-Trainer vom FC Neu-Anspach, sieht der WM aus deutscher Sicht sportlich skeptisch entgegen.

»Ich glaube nicht, dass wir weit kommen werden. Wir müssen erst mal die starke Gruppe überstehen, Japan ist nicht zu unterschätzen. Diese WM hat einen anderen Rhythmus, es gab keine fünf Wochen Vorbereitung zum Teambuilding. Es muss schnell funktionieren. Gerade defensiv sehe ich da bei uns Probleme. Ich tippe auf die Südamerikaner.

Dass Bundestrainer Hansi Flick viele junge Spieler und auch mal einen Unbekannteren nominiert hat, finde ich super. Wann, wenn nicht bei diesem Turnier können wir etwas ausprobieren? Wenn’s nicht klappt und wir früh ausscheiden, werden wir sagen: War nur Katar!«

Jörg Hinterseher , Büdingens Kreisfußballwart, hat sich für die erste WM-Partie der Deutschen zwar mit Arbeitskollegen verabredet, ist aber noch nicht in Stimmung.

»Mir fehlen die Emotionen. Stoßen wir jetzt immer mit einem Glühwein an? Wir haben in der Firma ausgemacht, dass wir die erste Partie der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch um 14 Uhr gemeinsam gucken. Wir machen keine Mittagspause, dann wird eine Überstunde abgebaut und Bratwürstchen gegrillt. Ich glaube, mit einem Boykott würde man nur die Sportler bestrafen. Die Einschaltquote in Deutschland interessiert die Entscheidungsträger der FIFA nicht wirklich. Einerseits ist mir das allles zu viel Kommerz mittlerweile und ich gucke weniger Fußball. Andererseits bin ich ja immer noch ein Fan der Nationalmannschaft...«

Dörthe Wacker , stellvertretende Kreisjugendwartin in Friedberg, zählt zu jenen Menschen, die angesichts der politischen Lage im Emirat Katar sagen: »Ich kann das nicht beiseite schieben.« Hinschauen wird sie trotzdem.

»Ich habe mir die Spielzeiten angesehen: Von morgens elf bis abends 20 Uhr ist da durchgehend Betrieb. Wer will, kann also den ganzen Tag WM schauen... Ich habe mich bei dem Gedanken des Boykotts ertappt, werde mir aber doch das eine oder andere Spiel anschauen.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft früh ausscheiden sollte, ist dieses Turnier für uns alle glaube ich zum Großteil gelaufen und abgehakt. Wir leben in einer Zeit, in der sich die eine über alles und der andere über nichts Gedanken macht.

Ich denke, man kann diese WM schauen, aber sollte nichts ausblenden. Es wird angeraten, als Homosexueller nicht einzureisen. Wenn ich als Mann händchenhaltend mit einem anderen Mann Gefahr laufe, festgenommen zu werden, kann das nicht sein. Das Thema Nachhaltigkeit ploppt auf. So können wir endlos weitermachen. Das sind wichtige Fragen, aber: Hilft das jetzt den Menschen vor Ort?« FOTOS: IMA, ARCHIV; BF, JF, STO

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Alisa Johannesson-Mohr © Red
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Jörg Loutchan © Red
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Jörg Hinterseher © Red
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Dörthe Wacker © Red

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