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Wie die Wetterauer Vereine auf steigende Kosten reagieren

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Von: Christoph Sommerfeld

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In den Wetterauer Sporthallen ist die Temperatur auf 15 Grad reduziert. Spürbare Rückgänge der Teilnehmerzahlen in Kursen und Trainingsangeboten sind bislang nicht zu verzeichnen. Sportler helfen sich teilweise mit dem einen oder anderen Kleidungsstück mehr. SYMBOLBILD: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Der Pandemie folgt die Energiekrise. Wieder ist der Sport betroffen. Wir haben bei Vereinen und dem Sportkreis nach den bisherigen Auswirkungen gefragt.

Mitgliederverlust, eingeschränkter Trainingsbetrieb, Sportstätten-Schließungen, höhere Vereinsbeiträge und drohende Insolvenzen: Die Energiekrise ist für die meisten Sportvereine anscheinend bedrohlicher, als es die Corona-Pandemie gewesen ist. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten bundesweiten Umfrage des Instituts für Sportstättenentwicklung (ISE) im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes hervor. Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der Vereine durch die explodierenden Energiepreise starke Auswirkungen, rund sechs Prozent befürchten eine akute Existenzbedrohung. In der Wetterau ist man sich der sensiblen Problematik bewusst, hat erste Erfahrungen gemacht, ganz große Notfälle sind aber nicht aktenkundig.

Lars Hieronymi (Vorstand Leichtathletik, TSV 1885 Friedberg-Fauerbach e.V.): Der TSV hat vereinzelt Hallenzeiten in mehreren Friedberger Sportstätten und nutzt natürlich das Burgfeld für Leichtathletik. Laut Mitteilung vom Landkreis wurde die Temperatur in den Hallen auf 15 Grad Celsius reduziert. In der vereinseigenen Halle in Fauerbach, in der der Großteil unserer Angebote stattfindet, haben wir die Temperatur auch von 18 auf etwa 15 Grad heruntergeregelt. Das stellt aber kein Problem dar. Die Kursteilnehmer passen sich an und bringen sich halt noch einen Pulli mit, wenn es wirklich zu frisch sein sollte. Zudem haben wir für Entspannungsangebote in der kleinen Halle unseres Gebäudes eine Infrarotheizung installiert, die sich ohne großen Vorlauf einschalten lässt.

Das Thema Duschen ist beim TSV nicht so bedeutsam. Die Breitensportler gehen ohnehin zeitnah nach Hause, und auch die Leichtathleten duschen als Individualsportler auch nicht unbedingt in der Halle. Ich denke, das ist eher relevant für Mannschaftssportler.

Positiv bemerkbar macht sich bei uns definitiv, dass wir schon seit zehn Jahren eine Photovoltaik-Anlage haben. Die Betriebskosten unserer Halle liegen bei etwa 8000 bis 10 000 Euro pro Jahr für Gas und Strom. Das könnte sich demnächst allerdings auf bis zu 25 000 Euro pro Jahr erhöhen. Das ist natürlich eine Hausnummer. Deswegen hatte der Verein auch für 2024 eine Beitragserhöhung ins Auge gefasst. Allerdings sind uns unsere etwa 850 Mitglieder da entgegengekommen und haben der Beitragserhöhung schon für 2023 zugestimmt. Erwachsene werden dann anstatt 80 Euro pro Jahr 92 Euro zahlen.

Stefan Kött (Vorsitzender SV Fun-Ball Dortelweil): Insgesamt sind wir im Vergleich zu anderen Großvereinen, die weitestgehend vereinseigene Sportstätten nutzen, vermutlich nicht so stark betroffen, da unsere Sportangebote zu großen Teilen in städtischen Sporthallen stattfinden. Allerdings ist auch der SV Fun-Ball Dortelweil von der im Zuge der Energiekrise explodierenden Energiepreisen und der allgemeinen sehr hohen Inflation betroffen. Mit unserem Vereinssportzentrum im Bad Vilbeler Quellenpark haben wir seit Herbst 2020 eine vereinseigene Sportstätte, die jetzt von stark gestiegenen Betriebskosten insbesondere für Strom und Wärme, aber z.B. auch für Putzdienst etc. getroffen wird.

Um dem zu begegnen, haben wir einige Sparmaßnahmen veranlasst, die aber nicht allzu viel ausmachen, da das Gebäude ja neu ist und energetisch ohnehin schon auf einem ökonomisch guten Stand. Wir haben bspw. das warme Wasser bei den Handwaschbecken abgedreht, die Temperatur des Wassers in den Duschen ein wenig reduziert und die Beleuchtung etwas heruntergefahren. Zudem prüft der SV Fun-Ball die Installation einer Photovoltaik-Anlage.

Die gestiegenen Kosten werden in unserer Erfolgsrechnung deutliche Spuren hinterlassen. Dennoch gehen wir aktuell davon aus, dass wir Maßnahmen wie Beitragserhöhungen oder Einschränkungen im Sportangebot vorerst nicht benötigen. Dabei helfen uns einerseits der hohe Anteil an städtischen Sportstätten und auch die günstige Mitgliederentwicklung. Der Verein hat derzeit knapp 4500 Mitglieder. Bei einer anhaltend angespannten Situation können Beitragserhöhungen (aktuell 138 Euro pro Jahr für Erwachsene; Anm. d. Red.) für die Zukunft allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Jörg K. Wulf (Vorsitzender Sportkreis Wetterau): Von sich aus ist bislang kein Klub auf uns zugekommen. Das Thema betrifft ja vor allem Vereine mit vereinseigenen Anlagen, diese dann aber einschneidend. Diese Klubs stehen aktuell ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange und warten ab, was da auf sie zukommt. Wir haben aber nicht so viele Vereine, die solches Eigentum besitzen. Der Wetteraukreis hat seinerseits erste Maßnahmen ergriffen. Wenn man die Duschen in den kreiseigenen Sportanlagen aber komplett kalt einstellt, dann kommt die Legionellen-Problematik auf. Um die Bakterien nicht aufkommen zu lassen, muss ja mindestens einmal die Woche die Temperatur des Wassers hochgedreht werden. Ich appelliere an alle Vereine, rechtzeitig Hilfe beim Landessportbund zu suchen, ehe es richtig ernst wird. Daher bitte nicht zögern und sich von uns beraten lassen. FOTOS: PRIVAT (2), PM

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