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Zeitenwende bahnt sich an

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Von: Michael Stahnke

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Die Änderungen auf Hessen- und Bezirksebene haben auch Auswirkungen auf den Spielbetrieb etlicher Wetterauer Mannschaften. Das gilt umso mehr, wenn eine Umsetzung auch auf Kreisebene beschlossen wird. FOTO: KESSLER © Jürgen Keßler

In Zukunft soll bei den Herren nur noch in Vierer- anstatt wie bisher in Sechser-Teams gespielt werden: Das hat vor Kurzem der Verband beschlossen. Wir haben heimische Vertreter gefragt.

Der Hessische Tischtennis-Verband (HTTV) hatte vor einigen Wochen auf seiner Beiratssitzung im Kongresszentrum in Wetzlar beschlossen, dass künftig auch auf Hessenebene bei den Herren mit Vierer-Teams und nicht mehr - wie bisher - mit Sechser-Teams gespielt werden soll.

Von der Oberliga aufwärts sind Vierer-Mannschaften bereits obligatorisch. Auf Hessenebene soll eine Umsetzung nun ab der übernächsten Spielzeit erfolgen, auf Bezirksebene spätestens ab der Saison 2027/28. Auch auf Kreisebene wird es wohl ähnlich aussehen. Dies kommt einer Zeitenwende gleich, denn seit der Gründung des HTTV wurde bei den Herren bisher immer mit Sechser-Mannschaften gespielt. Hintergrund der geplanten Änderung ist, dass die Zahl der aktiven Spieler kontinuierlich zurückgeht. Und die Corona-Pandemie hat nach Aussage Albrecht Papp (TTC Assenheim) eine »Schneise der Verwüstung« hinterlassen.

Insgesamt gesehen haben sich die Funktionäre im Tischtennis aber auch darauf ausgeruht, dass man den Sport bis ins hohe Alter betreiben kann. So wurde die Nachwuchsarbeit oft nur als notwendiges Übel angesehen. Das rächt sich. Ob die praktisch bereits beschlossene Einführung von Vierer-Mannschaften nun die Lösung der Probleme darstellt, wird in den Tischtennis-Kreisen intensiv diskutiert. Und letztlich können fast alle aktiven Spieler beiden Varianten positive sowie negative Seiten abgewinnen.

Die Meinungen gehen auseinander

Mit der Thematik beschäftigt hat sich auch Matthias Hartmann, Abteilungsleiter der SG Rodheim. Was ihn vor allem umtreibt, sind die Auswirkungen auf die Mannschaften selbst. Denn wenn es dann im Vierer-Team keine großen Abgänge gäbe, müssten aus der aktuellen ersten Mannschaft der SGR zwei Akteure in der Bezirksklasse spielen. Das könnte dazu führen, dass diese Spieler den Verein verlassen. Zudem müssten bei noch mehr Partien viel mehr Ersatzakteure zur Verfügung stehen. »Und wenn bei den Spielen kaum noch jemand zuschaut, da alle entweder spielen oder zählen, wird die Stimmung darunter leiden«. Allerdings könne man laut Hartmann nur theoretisch darüber sprechen, da die Auswirkungen nicht genau vorhersehbar seien. Aber auch er sehe die Gründe für die geplanten Umstellungen jeden Tag: »Jemanden über 18 dazu zu motivieren, dass er regelmäßig in einer Mannschaft spielen soll, geht kaum noch. Das machen viele einfach nicht mehr. Sie wollen immer mal wieder spielen, doch das ist im Mannschaftssport kaum möglich«. Ein Jugendlicher sei außerdem leichter in einer Sechser-Mannschaft zu integrieren als in einer Vierer-Mannschaft, da der Druck dort gleich viel größer sei.

Die Probleme der Nachwuchsgewinnung könne man mit der Umstellung auch nicht lösen, aber vielleicht werde die Entwicklung gebremst. Auch die Vereinheitlichung der Spielsysteme von der 2. Bundesliga bis möglicherweise zur 3. Kreisklasse bei den Damen und den Herren sei ein Vorteil. Am Ende des Tages wollten doch alle nur in angenehmer Gesellschaft Tischtennis spielen, egal in welcher Form. Und Hartmann kenne viele Mannschaften, die schon seit Jahrzehnten zusammen spielen und nicht auseinander gerissen werden wollten. Auch das gesellige Beieinander nach dem Spiel werde schwieriger.

Lukas Schultheis, Abteilungsleiter der SG Bauernheim, sieht derweil vor allem Vorteile im neuen System, da einige Spieler den Verein aufgrund von Umzügen verlassen hätten. Diese Lücken könnten somit gut geschlossen werden. In Bauernheim gebe es zwar nur eine kleine Halle, doch man sehe keine Engpässe. »Wir sind für beide Seiten offen. Und wenn einige Leute in der Umstellung einen Grund sehen abzuspringen, werden genügend andere da sein, die spielen wollen«. Allerdings könnten sich einige Akteure während Corona an die Zeit ohne Tischtennis gewöhnt haben, sodass er derzeit nicht genau sagen könne, wie viele Spieler am Ende noch zur Verfügung stehen. Die Tatsache, dass die Gesamtpartien kürzer werden, sei sicher eine Motivationshilfe für noch Unentschlossene. Letztlich sieht Schultheis die Veränderung als eine gute Methode, das Vereinssterben zu verhindern.

Das Thema bleibt kontrovers und dürfte bei den nächsten Kreistagen wieder diskutiert werden.

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