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Zwei besondere Pfeilewerfer aus der Wetterau

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Von: Christoph Sommerfeld

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Steffen Hensel und Frank Lack (links) spielen beim DC Wetterau und treten für das Paradart Team Germany bei den Europameisterschaften in Nord-Zypern an. © pv

Auf Zypern fliegen ab Donnerstag die Pfeile. Dabei geht es um die EM der Paradarter. Am Start sind zwei Wetterauer. Sie kämpfen nicht nur um Titel, sondern auch um bessere Bedingungen.

Mit Frank Lack und Steffen Hensel sind ab dem heutigen Donnerstag zwei Wetterauer bei den Europameisterschaften im Paradarts in Nord-Zypern vertreten. Sie haben sich über mehrere Monate bei zahlreichen Turnieren qualifiziert, spielten dabei bei herkömmliche Wettkämpfen mit oder traten auch online an.

Die Paradarter unterscheiden zwischen den Kategorien Classics und Compris. Schwerer eingeschränkt sind die Classics-Sportler, deren Behinderung in der Regel den Stand oder die Wurfbewegung beeinträchtigt. Außerdem wird hier noch zwischen stehenden und im Rollstuhl sitzenden Dartern differenziert. Das heimische Duo gehört zu den Compris-Teilnehmern, die einen Schwerbehindertenausweis vorweisen müssen. »Nach einer überstandenen Krebserkrankung ist mein Seh- und Hörvermögen beeinträchtigt. Zudem muss ich mit weiteren körperlichen Einschränkungen klarkommen«, erklärt der 46-jährige Hensel. »Ich hatte einen Gehirntumor, der bleibende Schäden verursacht hat. Auf einem Ohr bin ich taub«, sagt Lack über sein Krankheitsbild. Er ist 44 Jahre alt. Beide reden ganz offen über ihren Weg und betonen unisono. »Wir sind nicht minderwertig, wir sind besonders.«

Die aktuellen EM-Fahrer lernten sich schon in Kindheitstagen kennen. Nachdem sich ihre Wege getrennt hatten, traf man sich nach etwa 35 Jahren im Beienheimer Raabennest beim dort ansässigen DC Wetterau wieder. Für den Club spielen sie zusammen in der Oberliga-Mannschaft und helfen in der 2. Bundesliga aus, wenn Not man Mann ist.

Der gebürtige Schwalheimer Hensel, der heute in Wölfersheim lebt, und der gebürtige Dorheimer Lack, den es nach Griedel verschlagen hat, sind Dartsspieler mit Leib und Seele. »Ich habe eigentlich jeden Tag die Pfeile in der Hand«, erklärt Frank Lack. Trainingsschwerpunkte liegen beispielsweise auf dem Scoren, an anderen Tagen steht eher das Checken auf den Doppelfeldern im Fokus.

Gut umgehen können die beiden Wetterauer mit dem noch immer vorhandenen Kneipen-Image des Dartssports. »Wer dieser Meinung ist, der kann ja mal ein paar Stunden konzentriert aufs Board werfen. Dann reden wir weiter«, meint Hensel dazu. In jedem Fall erfordert die Variante »501 Double-Out« gute Fähigkeiten im Kopfrechnen. Ab 170 Punkten Rest befinden sich die Spieler im Finish-Bereich. Um genau auf null zu landen, also auszuchecken, muss man wissen, über welche Felder das funktioniert. Und dazu ist schnelles Rechnen unabdingbar. Welches Finish ist beispielsweise bei einem Restpunktestand von 167 das beste? »Triple 20, Triple 19, Double Bull«, kommt es wie aus der Pistole geschossen von Lack. Und bei 168? »Das lässt sich nicht checken«, weiß Hensel, ohne zu überlegen.

Weltmeisterschaft 2023 in Frankfurt?

Neben den guten Mathekenntnissen führen die beiden eine gewisse mentale Stärke ins Feld, die notwendig sei, um vor vielen Zuschauern anzutreten. Hensel spielte immerhin schon vor 200 Personen. Er war 2021 in Schottland bei der Paradarts-WM dabei. Für Lack wird es der erste internationale Auftritt.

Das Paradart Team Germany fährt mit mehreren Teams nach Zypern. Zwei davon starten in der Kategorie Classics und zwei in der Kategorie Compris, dazu kommt eine Damen-Mannschaft. Hensel und Lack treten im Einzel sowie zusammen im Doppel und im Mannschaftswettbewerb an. Als Paradarter gehören sie keinem Verband an und müssen sich selbst verwalten und finanzieren. Jeder zahlt Flug und Hotel selbst. »Wir liegen für die Reise nach Zypern etwa bei 1500 Euro pro Person«, verrät Lack, der mit seinem Teamkollegen ein paar kleine Sponsoren an Land gezogen hat. So ist immerhin ein Trikot drin.

Um die Bedingungen für Paradarter zu verbessern, ist noch einiges zu tun. Sehr engagiert auf diesem Gebiet ist die Hamburgerin Gaby Wehrt, die Zertifizierungen für den Weltverband WDDA vornimmt. Lack und Hensel loben ihre Arbeit - und hoffen insgeheim auf eine Heim-WM 2023, vielleicht sogar in Frankfurt.

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