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Andrea Mertens (rotes Trikot) wird beim Wurf attackiert. Die belgische Halblinke ist im Angriffsspiel der "Pirates" zurzeit ziemlich auf sich alleine gestellt.

Handball, 3. Liga Ost

15:34 - So sind die Pirates der TSG Ober-Eschbach nicht konkurrenzfähig

3. Liga Ost Dezimierte Mannschaft der TSG Ober-Eschbach geht auch im Schlüsselspiel gegen Herzogenaurach unterIn der 3. Liga Ost unterliegen die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach einem Konkurrenten im Abstiegskampf. Gegen die TS Herzogenaurach bekommen die "Pirates" beim 15:34 (6:18) überdeutlich die Grenzen aufgezeigt.

Wirklich überraschend kommt der Sieg für die Gäste der Turnerschaft Herzogenaurach nicht - zumindest nicht nach diesem Spielverlauf am Sonntagnachmittag. Trotzdem fallen sich die Handballerinnen aus Franken nach Spielschluss in die Arme, skandieren im Kreis hüpfend "Auswärtssieg!" und lassen sich von den mitgereisten Fans beklatschen.

Nur ein paar Meter weiter - und in diesem Moment doch Welten entfernt - schleichen die Spielerinnen der gastgebenden TSG Ober-Eschbach vom Feld. Die Schultern hängen, die Mienen sind versteinert. Nach fünf sieglosen Drittliga-Partien wähnte man sich im Duell ,Drittletzter gegen Vorletzter' wieder in der Nähe eines Erfolgserlebnisses. Es hatte dann aber nur wenige Minuten gedauert, ehe sich das in der Albin-Göhring-Halle als Illusion herausstellte.

"Du gehst in dieses Spiel, bist mit dem Kopf nicht da, kassierst nach sechs Minuten das 0:2, dann das 0:3, 0:4, 0:5, 0:6 und dann ist es auch schon wieder gelaufen", sagte TSG-Trainer Christian Grzelachowski konsterniert. Zu Chancen kam sein Team zwar in dieser Anfangsphase, doch sie wurden nicht genutzt, und diesmal blieben die "Pirates" auch in der Verteidigung gleich vieles schuldig. Herzogenaurach lieferte keine spektakuläre Leistung ab, konzentrierte sich auf die einfachen Dinge und kam damit fast mühelos zum Erfolg. Nach knapp 13 Minuten führten die Gäste mit 8:0. Es dauerte eine weitere Minute, bis Ober-Eschbach durch Lisa Lichtlein den ersten Treffer einfuhr. Eine Demütigung vor heimischem Publikum, das trotz der Freikartenaktion in überschaubarer Zahl erschien. Dass die Stimmung gut war, lag daran, dass rund 40 der 120 Zuschauer Gästefans waren.

"Ein Offenbarungseid"

"So konnte sich zumindest ein großer Teil der Halle über das Spiel freuen", sagte TSG-Manager Christoph Pohl, die Stimme belegt von Sarkasmus und Enttäuschung. Die bittere Erkenntnis des Nachmittags: In dieser Besetzung und vor allem in dieser Verfassung ist sein Team nicht konkurrenzfähig.

"Es war ein Offenbarungseid der Spielerinnen", gestand Grzelachowski, "dabei weiß ich, dass das alles gute Drittligamädels sind. Die viel, viel besser spielen können, als sie es momentan tun."

Die generelle Klasse kann man Lisa Lichtlein, Greta Bucher, Andrea Mertens und Rica Wäscher wahrlich nicht absprechen. Alle Genannten haben ihre Qualität bereits nachgewiesen, doch keine aus diesem Quartett ist in Normalform. Trotzdem waren alle vier mangels Alternativen gezwungen, enorm viele Minuten runterzuspielen. Zu allem Überfluss verletzte sich Lichtlein in der zweiten Halbzeit am Knöchel.

Zu den Ausfällen: Spielmacherin Franziska Chmurski nahm erkältet nur auf der Bank Platz, Celine Gehrke war "privat verhindert", wie es hieß. Für die Georgierin Ketia Kunelashvili ist die Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen, die Ungarin Dzsenifer Laza - wie die drei Erstgenannten eine Rückraumspielerin - taucht schon länger nicht mehr im Kader auf.

So mussten die Talente Matina Pandza aus Bosnien sowie Gabriela Djini und Lena Rosenberg vom Kooperationspartner TG Bad Soden mangels Alternativen viel Verantwortung und Spielzeit übernehmen. Bei aller Veranlagung sind sie damit weitestgehend überfordert. Yvonne Petek, einzige Torfrau im Kader und trotzdem die formstärkste wie auch beständigste Piratin, erwischte erstmals einen schwächeren Tag.

So dünn wie das Aufgebot sei auch der Kader im Training gewesen, betont Grzelachowski. "Wir können nicht vernünftig trainieren, also wo sollen die Spielerinnen die benötigte Souveränität auch hernehmen." Eine von mehreren Fragen, auf die es zurzeit bei der TSG Ober-Eschbach keine Antwort zu geben scheint. Der einzige Grund zur Freude für die Anhänger der TSG war an diesem rabenschwarzen Ersten Advent der Einsatz von Kristina Bils. Zugunsten der Familie und des Nachwuchses tritt die routinierte Rechtsaußen kürzer, half nun aber aus und bewies dabei mit zwei Treffern, dass sie nichts verlernt hat. Wirklich happy wirkte aber auch sie nach dem Spiel verständlicherweise nicht.

Spielfilm: 0:1 (5.), 0:8 (13.), 3:11 (18.), 5:15 (23.), 6:18 (27.), 8:26 (44.), 12:28 (52.), 15:34 (60.).

TSG Ober-Eschbach: Petek; Mertens (5/1), Lichtlein (3/1), Bucher (2), Pandza (2), Bils (2), Wäscher (1), Djini, Rosenberg.

ROBIN KUNZE

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