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Hat wie wohl all seine Kollegen den Trainingsbetrieb zunächst eingestellt: Florian Hammel (FC Dorndorf).

Limburg-Weilburg, Rhein-Lahn, Westerwald

Der absolute "Corona-Kollaps" im NNP-Sport-Land

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Das hat es in dieser Form noch nie gegeben: Auf einen Schlag haben der Hessische Fußball-Verband (HFV) – bis Karfreitag – und der Tischtennis-Verband (HTTV) die Notbremse gezogen: Hier ruht der Spielbetrieb zunächst. Auch der Fußball-Verband Rheinland vermeldete, bis einschließlich 31. März sämtliche Punkt- und Pokalspiele einzustellen, betroffen davon auch die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar und die Sportfreunde Eisbachtal.

Das hat es in dieser Form noch nie gegeben: Auf einen Schlag haben der Hessische Fußball-Verband (HFV) – bis Karfreitag – und der Tischtennis-Verband (HTTV) die Notbremse gezogen: Hier ruht der Spielbetrieb zunächst. Gestern kündigte auch der Fußball-Verband Rheinland an, bis einschließlich 31. März sämtliche Punkt- und Pokalspiele einzustellen, betroffen davon auch die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar und ie Sportfreunde Eisbachtal. Während der Spielbetrieb für alle Amateurfußballer und Tischtennisspieler pausiert, beenden die Handballer, die Basket- und Volleyballer die Saison sogar abrupt. Der aktuelle Stand gilt als Abschlusstabelle und entscheidet über Auf- und Abstieg. Bei den Fußballern aber weiß man derzeit überhaupt nicht, wie es weitergehen soll. Vier Spieltage fallen mindestens komplett aus. Wann soll man die nachholen? Geht das überhaupt? Noch dazu sind den Fußballern Gemeinschaftstraining und Freundschaftsspiele untersagt. Wie sollen sie sich also auf eine eventuelle Fortsetzung der Saison noch vor (Rheinland) oder nach Ostern (Hessen) vorbereiten? Wir haben Meinungen eingefangen – quer durch die betroffenen Sportarten.

Fußball

Jörn Metzler (Kreisfußballwart Limburg-Weilburg): „Im Kreis waren wir nicht überrascht, es war eine gemeinsame Entscheidung für den Verband und die Region. Wir hoffen, dass wir den Spielbetrieb an Ostern fortsetzen können und die vier Spieltage irgendwie kompensieren. Falls nicht, wäre im nächsten Schritt eine Verlängerung der Saison bis Juni möglich. Darüber ist schon abgestimmt. Weitere Maßnahmen wären dann der Abbruch und das Ende der Spielzeit. Das werden wir aber in Ruhe besprechen, wenn es so weit ist. Da haben wir bisher keinen Druck.“

Florian Hammel (Trainer des Gruppenligisten FC Dorndorf): „Wir haben das Training jetzt erstmal abgesagt und werden uns gemeinsam mit dem Vorstand beraten, wie wir weitermachen. Wahrscheinlich gibt es eine Trainingspause mit individuellen Laufplänen für die Spieler. Zunächst heißt es aber, abzuwarten. Ich tausche mich auch mit anderen Trainern über das weitere Vorgehen aus. In meiner Fußballschule werden die Trainingscamps in den Oster- und Sommerferien – Stand jetzt – alle stattfinden. Falls nicht, sind wir natürlich versichert, und die Kosten werden komplett erstattet.“

Felix Schmid (Spieler beim A-Ligisten SG Heringen/Mensfelden): „Aus meiner Sicht ist die Absetzung bis Ostern eine mutige, aber richtige und verantwortungsbewusste Entscheidung. Die Entscheidungsträger und Gesundheitsbehörden haben sicher einen tieferen Einblick in die Szenarien, daher tragen wir als Verein jeglichen Entschluss mit. Jedoch blutet natürlich das Kreisliga-Herz, denn Wochen ohne Training, Spiel, Mannschaftskameraden und Bierchen werden ungewohnt sein und tun weh. Wir haben den Trainingsbetrieb vorerst eingestellt und starten eine Woche vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs wieder, falls die Klassen überhaupt fertiggespielt werden können.“

Patrick Jahn (Trainer des Kreisoberligisten SG Selters): „In den vier Wochen gehen alleine im Seniorenbereich Limburg-Weilburg 300 Spiele flöten. Hinzu kommen sämtliche Jugendspiele. Ich weiß nicht, wie das logistisch funktionieren soll. Am sinnvollsten ist es vielleicht, die Saison in den Juni zu verlängern.“

Hans Reichwein (Pressesprecher des SV Rot-Weiß Hadamar): „Man muss bedenken, dass die Spiele im Amateurbereich auf Hobby-Status ausgetragen werden. Bleibt zu hoffen, dass den Vereinen die Möglichkeit gegeben wird, die Spiele irgendwann nachzuholen, damit wenigstens adäquater Ersatz für ausgebliebene Einnahmen gewährleistet ist. Allerdings ist ein solches Szenario angesichts der bestehenden Gefahr durchaus angebracht.“

Dieter te Poel (DFB-Stützpunkttrainer): „Wir haben uns in Abstimmung mit dem Generalsekretär und unserer sportlichen Leitung darauf verständigt, alle Maßnahmen rund um das DFB-Talentförderprogramm bis einschließlich 20. April abzusagen.“

Tischtennis

Thomas Weikert (Oberzeuzheim, Präsident des Weltverbandes ITTF): „Ich denke, dass die Maßnahmen verfrüht waren, da es noch nicht einmal eine Empfehlung seitens der hessischen Regierung gab. Vermutlich wird es aber dann ab nächste Woche so sein. Insgesamt sind die Entscheidungen sehr von Angst geprägt und oft nicht von Rationalität. Es gibt den Domino-Effekt.“

Ulrich Hadaschick (Vorsitzender des TTC Elz, Kreispressewart): „Der Tischtennisbetrieb ruht seit dem 12. März komplett. Die Auswirkungen und die Steigerungsraten bei den Ansteckungen durch das Coronavirus lässt mich nur zu der Einschätzung kommen, dass der hessische Verband die richtige Entscheidung getroffen hat. Hier geht eindeutig die Gesundheit der Menschen vor, auch wenn viele unsicher sind und zweifeln. Auf sportlicher Ebene bedeutet das für die Vereine einen nur schwer zu verkraftenden Einschnitt. Etwa ein Viertel der Saison steht noch aus; es wäre jetzt in den Endspurt gegangen mit den Entscheidungen um Auf- und Abstieg. Unser Verband ist jetzt nicht zu beneiden, wenn es um Lösungsmöglichkeiten für verschiedene Fragen geht. Beendet man die Saison? Wie soll dann Auf- und Abstieg geregelt werden, denn Wettbewerbsverzerrung ist schnell möglich: Nicht jeder hatte bisher die gleichen leichten oder schweren Gegner – natürlich gilt das für die meisten Sportarten. Kann man die Saison später fortsetzen, und ist das terminlich zu bewältigen? Tatsache ist, dass man Kompromisse eingehen, abwarten und Geduld zeigen muss in dieser bisher einmaligen Angelegenheit. Vordringliche Überlegungen für uns als Verein sind natürlich: Sollen wir unser Training fortsetzen, beim Nachwuchs, aber auch bei den Erwachsenen? Bleiben die Hallen geöffnet, darf man überhaupt jedem Einzelnen Entscheidungsfreiheit überlassen? Eins ist für mich klar: Lässt man Corona sich ungehindert ausbreiten, könnten die Folgen katastrophal sein.“

Leichtathletik

Martin Rumpf (HLV-Vizepräsident, Vorsitzender des Leichtathletikkreises): „Die Hallenmeisterschaften wurden ja bereits abgesagt. Jetzt hat der Verband empfohlen, ,den kompletten Wettkampfbetrieb (gemeint sind Hallen-, Stadion- und stadionferne Veranstaltungen) zunächst bis zum 17. April einzustellen’. Die Vereine sind aufgerufen zu prüfen, ob der Trainingsbetrieb – insbesondere in Sporthallen – weitergeführt werden kann.“

Handball

Alois Friedrich (Kreispressewart): „Ja, es ist momentan wirklich eine Situation, die unsere Generationen in dieser Form noch nicht erlebt haben. Der Spielbetrieb für die Saison 2019/2020 wurde komplett eingestellt. So etwas habe ich in der Tat noch nicht erlebt. Andererseits bin ich der Meinung, dass die Maßnahmen unter den gegebenen Umständen vertretbar sind. Die Gesundheit unserer Bevölkerung steht über allem. Was spielt da unsere liebste Freizeitbeschäftigung – als die der Sport gerne bezeichnet wird – für eine Rolle? Der Verband hat bekanntgegeben: ,Die Auf- und Abstiegsregelungen zur und für die folgende Spielrunde 2020/21 werden mit dem Tabellenstand der jeweiligen Spielklasse vom Freitag, 13. März, gewertet.’ Das kann ich so nicht unbedingt nachvollziehen. Damit wäre etwas die HSG Eschhofen/Steeden für die Aufstiegsrunde in die A-Klasse qualifiziert, weil sie ein, beziehungsweise zwei Spiele mehr ausgetragen hat, als die Konkurrenz. Es zählen dann nur die Plus- und nicht die Minuspunkte. Ich würde mich für die HSG freuen, alleine mir fehlt der Glaube, ob das so durchsetzbar ist. Wenigstens diese Entscheidung birgt noch Spannung.“

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