Adrian Schäfer mit Boxer-Mischling Emma bei der Rast auf dem Weg zum Sonntagshorn bei Gföll in Österreich.
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Adrian Schäfer mit Boxer-Mischling Emma bei der Rast auf dem Weg zum Sonntagshorn bei Gföll in Österreich.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Adrian Schäfer: Bodenständiger „Adrenalin-Junkie“

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. In ihrem Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute stellen wir Adrian Schäfer vom Kreisoberligisten SG Winkels/Probbach/Dillhausen vor.

Er sei eine „Erscheinung“ sagt sein Trainer. Damit meint Gero Lottermann nicht unbedingt nur die stattliche Größe von 1,94 Metern und 94 Kilogramm „Kampfgewicht“. Nein, Adrian Schäfer, Spielführer der SG Winkels/Probbach/Dillhausen, hat weitaus mehr zu bieten als lediglich körperliche Präsenz. „Meine Größe hilft mir schon“, sagt der 28 Jahre alte Hüne. Eigentlich ist er gelernter Innenverteidiger, aber bei der SG spielt er auf der Sechs - „mit Offensivdrang“, wie er mit Nachdruck hinzufügt. Sich selbst bezeichnet er als „etwas lauffaul“. Doch der Ehrgeiz hat auch Adrian Schäfer während der Endlos-Lockdowns, in denen er ebenso wie seine Lebensgefährtin eine Corona-Infektion mit mäßig bis mittelschweren Symptomen überstehen musste, gepackt. „Ich habe mir vorgenommen, mehr zu machen. Und ohne mich loben zu wollen: Im April habe ich mit insgesamt 120 Kilometern die interne Mannschafts-Challenge mit unserer Lauf-App gewonnen.“ Das zu erzählen, ist ihm fast schon ein wenig unangenehm.

Adrian Schäfer ist keiner, der unbedingt im Mittelpunkt stehen will und den man schon von Weitem hören muss. „Er ist eine natürliche Autorität“, weiß auch Trainer Gero Lottermann an ihm zu schätzen. „Seine Meinung wird von den Mitspielern, aber auch vom Trainer- und Vorstands-Team geschätzt. Adrian ist sehr integrativ, versteht sich mit allen gut, sein Wort hat Gewicht. Und damit könnte er ruhig noch ein bisschen intensiver umgehen. Er ist aber keinesfalls ein ,Lautsprecher‘ und gehört immer zu den Besten. Im Zentrum kann er alles.“ Sein Coach gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er über den Charakter und den „Typen“ Adrian Schäfer spricht.

Überhaupt scheint die Chemie zwischen Spieler und Trainer in diesem speziellen Fall absolut zu stimmen. Denn auch Adrian Schäfer sagt, zu seinem Coach befragt: „Unsere Ansichten passen.“ Hört sich perfekt an. Mit seinen 28 Jahren fühlt sich der waschechte Winkelser im besten Alter. „Ich bin noch jung genug, um Gas zu geben, bringe aber auch schon eine gewisse Erfahrung mit.“ Die vermutlich beste Mischung.

Mit seiner Mannschaft, die in der zweiten Abbruch-Saison arg vom Verletzungspech gebeutelt war, will er vorankommen. Dennoch ist auch für die neue Spielzeit vor allem der Klassenerhalt in der Kreisoberliga das Ziel. Was Adrian Schäfer freut: „Wir haben für die neue Spielzeit ausnahmslos Zusagen. Alle bleiben an Bord, und es sind noch punktuelle Verstärkungen hinzugekommen.“ Wie etwa zuletzt Rafaél Busch und Jonas Heinrichs vom Liga-Konkurrenten SV Mengerskirchen.

Alte Kumpels wieder im Team vereint

Und was Adrian Schäfer ganz besonders freut: Seine besten Kumpels sind auch mit dabei. Willi März, Marvin Kaune, Louis Schlicht, Marcel Schauer, André Wagner und Dennis Fritz kennen sich schon aus dem Kindergarten, haben ihre Jugend- und Schulzeit miteinander verbracht und sich vor Jahren geschworen, dass sie irgendwann wieder gemeinsam bei der SG Winkels/Probbach/Dillhausen spielen wollen. Es hat funktioniert. Schöne Geschichten schreibt der Fußball...

Zwischenzeitlich hatte es Adrian Schäfer zur SG Merenberg verschlagen. Von dessen Trainer, Ex-Profi Stefan Simon, habe er am meisten gelernt, sagt der Winkelser. Davon kann er jetzt in seinem Lieblings-Team profitieren.

Auch beruflich steht Adrian Schäfer mit beiden Beinen im Leben. Bei der Glashütte in Limburg ist er Teamleiter im Einkauf. Er muss also dafür sorgen, dass in seiner Firma stets die für die Herstellung der edlen Klar- und Opalglas-Waren erforderlichen Rohstoffe vorrätig sind. „Das sind Quarzsand, Soda und Zusätze sowie Kalk“, erzählt Adrian Schäfer. Diese Rohstoffe bezieht das Unternehmen meist aus den Niederlanden und aus Italien. Als wäre ihm diese Verantwortung noch nicht genug, absolviert der SG-Kapitän zusätzlich ein Fernstudium mit dem Ziel, in naher Zukunft zum stellvertretenden Einkaufsleiter aufzusteigen.

In Hintermeilingen näher dran

Wenn es seine Zeit erlaubt und nicht gerade eine Pandemie kreist, ist Adrian Schäfer gerne mit seinen Freunden und natürlich mit seiner Freundin Alina und Emma, dem Boxer-Mischling seiner „Schwiegereltern in spe“, unterwegs. Das war im Übrigen auch der Grund für seinen Umzug nach Hintermeilingen. „Dort bin ich näher dran“, sagt er. Und wenn es bald wieder machbar ist, will er möglichst viel von der Welt sehen.

Übrigens ist Adrian Schäfer ein echter „Adrenalin-Junkie“. Er liebt Achterbahnfahren, hat schon einen Bungee-Sprung aus 50 Metern Höhe von einem Kran im Tandem mit seiner Lebensgefährtin hinter sich und will bald einen Gutschein für einen Fallschirmsprung einlösen.

Dabei wirkt Adrian Schäfer wirklich nicht so, als liebte er den Ritt auf der Rasierklinge. Im Gegenteil, er ist bodenständig und zufrieden: „Ich bin bei der SG Winkels/Probbach/Dillhausen sehr glücklich.“

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