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Parkour-Trainer Markus Kraft (TSG Friedrichsdorf)

Parkour

Akrobaten in der Friedrichsdorfer Sporthalle

Sie benötigen Kraft, Beweglichkeit und Balancegefühl, dazu Kreativität und eine gehörige Portion Mut. Wenn dann noch Sportgeräte als Hindernisse zur Verfügung stehen, können sie loslegen: die Parkour-Sportler aus Friedrichsdorf.

Parkour gilt als Trendsportart – ist aber bereits rund 30 Jahre alt. Denn der Sport, bei dem es darum geht, eine bestimmte, mit Hindernissen gespickte Strecke in möglichst kurzer Zeit von A nach B zurückzulegen, wurde Ende der 80er Jahre entwickelt.

Als Väter der Disziplin gelten der Franzose Raymond Belle und sein Sohn David, ein Schauspieler und Stuntman: Was für den Vater als Soldat im Vietnamkrieg noch ein überlebenswichtiges Training von Fluchttechniken war, entwickelte das Vater-Sohn-Gespann später zu spielerischen Verfolgungsjagden im Großstadtdschungel von Paris weiter. Im Laufe der Zeit fanden immer mehr Menschen,, vor allem junge, Gefallen an der rasanten und spektakulären Fortbewegung durch das urbane Leben oder auch durch die Natur. Dank Werbevideos und YouTube-Filmen trat der neue Sport endgültig seinen Siegeszug um die Welt an.

Flips und Spins

Bei der TSG Friedrichsdorf hat man den besonderen Reiz von Parkour bereits vor mehr als zehn Jahren erkannt und eine entsprechende Abteilung ins Leben gerufen. Vor allem Jugendliche trainieren hier einmal wöchentlich ihr Können. „Offiziell heißt es Parkour und Freerunning“, erklärt Markus Kraft (22), der seit sechs Jahren für die Gruppe verantwortlich ist.

Der Unterschied: Während es bei Parkour „nur“ darum geht, eine Strecke möglichst schnell und kräftesparend zu überwinden, kommen beim Freerunning Tricks und „Moves“ hinzu: Sprünge, Flips (Überschläge) oder Spins (Drehungen). Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, viele Elemente schauen sich die Freerunner aus anderen Disziplinen wie Turnen, Breakdance oder auch Kampfsportarten ab.

In der Sporthalle der Philipp-Reis-Schule nutzen die Sportler die klassischen Turngeräte, um immer neue Hindernisstrecken zu kreieren: Kästen jeglicher Art, Trampoline, einen Sprungtisch, Barren und natürlich jede Menge Matten. Nach einem gründlichen gemeinsamen Aufwärmen geht es mit dem freien Training los: Die Jugendlichen springen, rollen und wirbeln über die Geräte. Jeder nach Geschmack und Können.

Eine wichtige Grundlage ist dabei die richtige Abrolltechnik. „Das bringe ich jedem, der neu zu uns kommt, als erstes bei“, erklärt Markus Kraft. Ob auf einem Kasten oder hinter einem Hindernis – das richtige Abrollen schützt vor Verletzungen. Die passieren daher auch relativ selten. Und: „Bevor man ein neues Element macht, bereitet man sich richtig lange und gründlich vor“, weiß auch Co-Trainer Henrik Dilcher (15).

Was das in der Praxis heißt, zeigt der 16-jährige Merlin Augustin an diesem Abend: Lange Zeit hat er keinen einbeinig abgesprungenen Salto rückwärts aus einem kreisförmigen Anlauf mehr geschlagen. Ein einfacher Salto ist für ihn kein Problem, aber aus dem Kurvenlauf heraus ist es ein völlig anderer Bewegungsablauf.

Jetzt will er es wieder wissen. Konzentriert geht er im Zeitlupentempo die Schritte durch, setzt den Absprungfuß in einem bestimmten Winkel auf, nimmt die Arme als Schwunghilfe mit. Wieder und wieder probt er den Anlauf. Dann endlich hebt er ab, dreht sich flink um die eigene Achse und landet sicher auf den Füßen. Geschafft. Ein breites Grinsen im Gesicht verrät, dass es ihn schon eine gewisse Überwindung gekostet hat.

Mädchen fehlen bisher

Parkour und Freerunning erfordern Beweglichkeit, Balancegefühl und Mut von den Sportlern. Aber auch die notwendige Körperkraft ist nicht zu unterschätzen. Das Mindestalter liegt bei zwölf Jahren. „Jüngere Kinder bringen einfach noch nicht die notwendige Kraft mit“, erklärt der Parkour-Trainer.

Derzeit sind es meist rund zehn Jungen, die in Markus Krafts Sportstunde kommen; Mädchen sind ebenso willkommen, aktuell ist jedoch keines dabei. Während Stars der Szene Freerunning als „künstlerische Auseinandersetzung mit dem urbanen Lebensraum“ bejubeln, finden die Friedrichsdorfer Jugendlichen ihren Sport, den man überall praktizieren kann und der inzwischen auf der ganzen Welt zu Hause ist, „einfach nur cool“.

KATJA WEINIG

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