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Die albanischen Nationalspieler Mergim Mavraj (links) und Amir Abrashi sowie Rilano-Hotelchef Frank Metlicar verbreiten gute Laune.

EM-Qualifikation

Die albanische Fußball-Nationalmannschaft trainiert derzeit in Oberursel

Die besten Kicker aus dem fußballverrückten Albanien spielten 2016 schon einmal bei einem EM-Turnier mit und wurden dafür in ihrem Heimatland gefeiert. Starallüren legen die Nationalspieler im Trainingslager im Taunus deswegen aber nicht an den Tag.

„Durch das Land der Skipetaren“ – so heißt ein Abenteuerroman von Karl May, der damit das Albanienbild der Deutschen geprägt hat wie kaum ein anderer. Heute sind es vor allem kämpferisch und technisch gute Fußballer, die das kleine Land über seine Grenzen hinaus bekanntmachen. Shqiperi, wie Albanien in der Landessprache heißt, hat mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern ähnlich viele wie Schleswig-Holstein.

Derzeit weilt die albanische Nationalmannschaft im noblen Hotel Rilano in Oberursel. Hier läuft die Vorbereitung für das EM-Qualifikationsspiel am Samstag um 15 Uhr in Island beim Gegner in der Gruppe H. Und schon drei Tage später folgt das Heimspiel gegen Moldawien. Die Albaner wollen den Erfolg von 2016 wiederholen, als sie erstmals die Teilnahme bei einer Fußball-Europameisterschaft erreicht hatten. Zwei knappe Niederlagen (gegen Frankreich und die Schweiz) gab es damals sowie einen 1:0-Sieg gegen Rumänien.

Das Kunststück einer EM-Quali möchte die Mannschaft des italienischen Chefcoaches Edoardo Reja also wiederholen und schwitzt noch bis morgen im Taunus für den nächsten Coup. Das Hotel in Oberursel wählten die Verantwortlichen aus, weil es unter Profisportlern einen guten Namen hat. So hat Manager Frank Metlicar öfters die Löwen und die Skyliners aus Frankfurt sowie die Basketball-Nationalmannschaft zu Gast.

Halmlänge 28 Millimeter

Aber die Fußballer waren schon eine spezielle Herausforderung. „Ursprünglich war die Commerzbank-Arena in Frankfurt als Trainingsgelände geplant“, erzählt Metlicar, „aber die Fahrt dorthin war dem Trainerstab zu weit.“ Doch Hoteldirektoren sind erfinderisch. Es war für ihn nur ein kurzer Weg zu seinem Vermieter Hartmut Dittmar, dem Vorsitzenden des FC Oberstedten. Der Verein aus dem Oberurseler Stadtteil stellte prompt sein Gelände großzügig zur Verfügung. Auch die städtischen Mitarbeiter lobt Metlicar ausdrücklich: „Die Albaner wollten eine Grashalmlänge von exakt 28 Millimetern. Genauestens wurde das Grün in kurzer Zeit gestutzt für die zwei täglichen Trainingseinheiten.“

Der albanische Nationalspieler Amir Abrashi (rotes Trikot) im Zweikampf mit Bayern-Spieler Thiago während eines Bundesliga-Einsatzes für den SC Freiburg.

Die Nationalspieler bestehen wiederum auf keiner Sonderbehandlung. Völlig unproblematisch war es für diese Zeitung möglich, den Interviewtermin zu bekommen. Mit Spielern, die auskunftsfreudig waren und keinerlei Starallüren haben. Dabei spielen die albanischen Nationalspieler in renommierten Vereinen wie Lazio Rom, Grasshoppers Zürich und Glasgow Rangers.

Zwei „deutsche“ Profis

Mit Mittelfeldspieler Amir Abrashi (29) ist auch einer aus der Bundesliga dabei. In der Schweiz aufgewachsen, spielt er seit 2015 beim SC Freiburg. Abwehrspieler Mergim Mavraj ist in Hanau geboren, lernte bei der SG Rosenhöhe Offenbach das Fußballeinmaleins und kam über Kickers Offenbach, den 1. FC Köln und den Hamburger SV zum FC Ingolstadt. Dort werde er nach dem Abstieg aus der 2. Liga seine Zelte abbrechen, wie er uns erzählte. Am Sonntag feiert er seinen 33. Geburtstag. Ein Länderspielsieg wäre sein schönstes Geschenk.

Morgen fliegt das Team weiter nach Island. Wesentlich kühler wird es dort sein mit erwarteten 14 Grad. Aber die Temperatur ist für die Mannschaft vom Balkan kein Thema. „Es ist für uns ein kleines Finale. Wenn wir verlieren, haben wir kaum noch eine Chance, aber wir können es schaffen“, hofft der in Freiburg spielende Abrashi. In der Gruppe H mit Favorit Frankreich verlor man bisher 0:2 gegen die Türkei und gewann in Andorra 3:0. Nur die ersten zwei qualifizieren sich.

Wenn es nicht klappt, hat das nicht an Oberursel und dem Hotel Rilano gelegen. Denn die Gäste haben sich hier wohlgefühlt, bestätigt auch Mergim Mavraj: „Ich bin ein hessischer Bub. Hier bin ich aufgewachsen, meine Mutter wohnt nur 30 Kilometer entfernt. Es war ein paar Tage fast wie zu Hause.“

WOLFGANG KULLMANN

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