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Zweikampfstark: Alexandra Polishchuk (Elangeni Falcons, li).

Basketball

„Alex“ Polishchuk, oder: Free Jazz unter dem Korb

Erst versucht sie es mit Fußball, dann mit der Leichtathletik – bis sie auf einem der zahllosen Freiplätze im nordamerikanischen Kontinent auf den richtigen Geschmack kommt.

Dass in der jungen Mannschaft der Elangeni Falcons Bad Homburg ausgerechnet Alexandra Polishchuk zu den älteren Spielerinnen gehört, mag man eigentlich gar nicht glauben. Nur der Spielerpass weist dem explosiven Guard das Alter von 30 Jahren nach – Erscheinungsbild und Spielstil sprechen eine ganz andere Sprache.

Neben den kurzen blonden Haaren fällt an der Kanadierin mit ukrainischen Wurzeln vor allem das Lächeln auf, das sie ihrem Gesprächspartner entgegenbringt: die perfekte Mischung aus grundsympathisch und äußerst diebisch. Und auf dem Parkett geht sie mit ihren Gegenspielerinnen so frech ins Eins-gegen-Eins, dass der unwissende Zuschauer sie eigentlich höchstens auf Anfang 20 schätzen kann. Vielleicht hat sich „Alex“ den jugendlichen Elan so lange erhalten, weil sie erst spät den Weg der professionellen Basketball-Karriere eingeschlagen hat.

Geboren wurde Alexandra Polishchuk am 27. Mai 1987 in der Ukraine. Schon früh war sie vom Sport begeistert, versuchte sich aber zunächst im Fußball und der Leichtathletik. Mit dem orangefarbenen Ball kam sie erst in Kontakt, nachdem sie mit ihrer Familie im Alter von zehn Jahren nach Kanada auswanderte. Im flächenmäßig zweitgrößten Land der Erde „gibt es im Grunde überall Freiplätze“, erinnert sie sich, „und auf einem dieser Plätze habe ich eines Tages einem Kerl zugeschaut, der gerade ein Dribbling-Workout machte.“

Von der finessenreichen Ballbehandlung dieses Unbekannten war das junge Mädchen so angetan, dass sie umgehend nach Hause rannte und ihren Vater um einen eigenen Basketball bat. Nachdem ihr der Wunsch gewährt wurde, übte sie jeden Tag in der Einfahrt des elterlichen Hauses und träumte von einer Profikarriere. Doch erst in der 12. Klasse, im Alter von 18 Jahren, fand sie den Weg zu einem Team – und den Zugang zu richtigem Training.

Auf Anhieb feierte sie mit ihrer Mannschaft eine Stadtmeisterschaft und legte dabei knapp 30 Punkte im Schnitt auf. Erfolge, die das Interesse diverser US-Colleges weckten. Schließlich sagte sie der Gonzaga University aus dem Bundesstaat Washington zu und landete so bei einer der renommiertesten Adressen in den Vereinigten Staaten.

Gleich in ihrem ersten Jahr qualifizierte sich die Mannschaft für die „Sweet 16“ – das landesweite Finalturnier der College-Meisterschaft. „Unsere Spiele wurden auf dem Sportsender ESPN im Fernsehen übertragen“, verrät Polishchuk, „eine wahnsinnig tolle Erfahrung.“ Dass sie während dieser Zeit ein wenig im Schatten von Courtney Vandersloot (wurde 2011 im Draft an dritter Stelle gewählt) stand, stört sie nicht. „Ich bin sehr glücklich mit meiner Reise“, sagt sie, „es waren bisher 20 verrückte Jahre.“

„Crazy“ trifft es auch ganz gut, spricht man über ihren Spielstil – jedoch im positivsten Sinne des Wortes. Den geregelten, methodischen Basketball der Jetztzeit vergleicht sie gern mit einer Partie Schach:. „Für mich ist dieser Sport eine Kunstform.“ Die Art, wie sie auf dem Court improvisiert und überrascht, gleicht daher eher dem Free Jazz. Gleichzeitig hat sie eine sehr gute Übersicht und findet regelmäßig die Mitspielerinnen. 53 Vorlagen in bisher 11 Partien – absoluter Topwert der 2. Liga Süd.

Nicht nur aufgrund des Erfolges genießt sie nach Stationen in der Ukraine und Schweden ihre Zeit in Deutschland. „Die Leute hier sind so unglaublich nett zu einem“, schwärmt sie aufrichtig, setzt dann aber wieder ihr freches Grinsen auf, „und ich war echt überrascht, dass Bier hier günstiger ist als Wasser.“ Ob das auch geschmacklich überzeugen kann, würde sie gern nach erfolgreichem Abschluss der Rückrunde regründen: „Vom Talent her sollten wir das Zeug dazu haben, um in die Finalspiele zu kommen.“

Sollte man die Endspielserie sogar gewinnen, wäre dies für sie ein großer Anreiz, ein weiteres Jahr für die Falcons aufzulaufen. „Dann könnten wir den Titel verteidigen“, erklärt sie entschlossen, „und wenn wir verlieren würden, komme ich vielleicht zurück, um mich zu rächen!“ So oder so – der Basketball in Bad Homburg kann nur gewinnen.

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